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#notmyfeminism

#notmyfeminism

Die traditionelle Rollenverteilung und die Vorrangstellung des Mannes sind gebrochen. Den Feminismus braucht es also nicht mehr? Doch. Aber auf vernünftige Art und Weise.

Titelbild: Unsplash von Jerry Kiesewetter

Der Feminismus war eine Richtung der Frauenbewegung, die eine Veränderung der gesellschaftlichen Normen anstrebte. Die freiheitlichen Errungenschaften der Generation unserer Urgroßmütter sind für uns heute selbstverständlich. Doch der moderne Feminismus hat schon lange nichts mehr mit Gleichberechtigung zu tun. Längst wurde er instrumentalisiert. Von der Werbebranche, die ihn für den Kommerz nutzt, und von Nachwuchsfeministinnen, die im Gender-Sternchen-Wahn nach Aufmerksamkeit suchen. Das Wort Feminismus ist mittlerweile mit so vielen negativen Eigenschaften behaftet, dass ich ihn lieber ablehne, als mich damit zu identifizieren.

Modelabels aller Preisklassen benutzen ihn für werbetechnische Zwecke. Sie bedrucken T-Shirts mit Sprüchen wie „I’m a feminist” oder „The future is female“. Femvertising wird das Werben mit dem Feminismus im Fachjargon genannt. Werbespots bekommen Hashtags wie #ladylike oder #empowerment. Sogar der Autohersteller Audi wirbt in einem TV-Spot mit der Gleichberechtigung von Mann und Frau. Die PR hat das Potential entdeckt, hat den Feminismus zu einem Modetrend verkommen lassen. Sie raubt ihm den eigentlichen Sinn und nimmt ihm jegliche Ernsthaftigkeit. Anstatt gegen die Kommerzialisierung zu kämpfen, sich selbstbewusst dagegen zu positionieren, geht eine Gruppe von Frauen mit eben diesen bedruckten T-Shirts bekleidet auf die Straßen. Mit einem „I am beautiful“-Schild bewaffnet haben sie nicht nur Männer auf ihrem Index, die sowieso an allem schuld sind. Auch andere Frauen, die nicht ihrer Meinung sind, keine Gender-Sternchen benötigen und eine Frauenquote für sinnlos halten, bleiben von Anschuldigungen nicht verschont. In diesen feministischen Reihen gilt Meinungsfreiheit nur für die eigene Meinung. Ein Kampf in den eigenen Reihen, aber nicht mehr für Gerechtigkeit, sondern um Aufmerksamkeit.

Heute, im Jahr 2018, ist es wichtig, dass Frauenrechte und Gleichberechtigung ernst genommen werden. In Europa ist eine reaktionäre und rechtspopulistische Entwicklung zu beobachten, die auch einen Angriff auf Frauenrechte darstellt. Viele erinnern sich an den Auftritt des polnischen EU-Abgeordneten Janusz Korwin-Mikke, der in einer Sitzung sagte: „Natürlich müssen Frauen weniger verdienen als Männer, denn sie sind schwächer, kleiner und weniger intelligent.“ In Deutschland reicht ein Blick auf die Frauenpolitik der AfD, die ein christlich-fundamentalistisches Frauenbild propagiert und sich gegen Abtreibung ausspricht. Deswegen bleibt der Feminismus nötig. Denn unsere gewonnene Freiheit kann wieder verloren werden.

Wir brauchen den Feminismus, doch bitte zieht ihn nicht ins Lächerliche. Er muss wieder ernst genommen werden. Wir müssen aufhören zu behaupten, es gäbe kein wichtigeres Thema als Gendermainstreaming von Begriffen. Wir brauchen starke, selbstbewusste Frauen, die sich nicht in der Opferrolle sehen. Die sich bei Gehaltsverhandlungen nicht herunterhandeln lassen. Denen bewusst ist, dass sie auch ohne Frauenquote in eine Führungsposition kommen, wenn sie das wollen und die sich in den sogenannten „Männerdomänen“ präsent zeigen. Erfolg, Akzeptanz und Gleichberechtigung hängen nicht vom Geschlecht ab. Es ist eine Frage des Selbstbewusstseins und der Haltung, ob ich als Frau, als Mann, als Individuum ernst genommen werde und meine Ziele erreiche.

 

 

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