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How to: Cool sein in Bamberg

How to: Cool sein in Bamberg

Keeping up with Kim Kolumna: episode 7

„Alexa, wie werde ich zu einem Bamberger cool kid?“

Foto: Charles Deluvio

Jugendliche und junge Erwachsene sind oft sehr selbstkritisch und verunsichern sich durch den Vergleich mit anderen. Sie stellen sich Fragen wie: Ab wann bin ich cool? Was muss ich dafür tun? Ist man von Geburt an uncool? Kann ich meine Coolness steigern? Für viele junge Menschen gibt es ein Bild vom „Coolsein“, dem sie hinterherlaufen. Die Suche nach Anerkennung und Resonanz ist verständlich, aber den Selbstwert sollte man nicht von anderen abhängig machen.

Was macht das Bild vom „cool sein“ in Bamberg aus?

Ich habe Bambergs Halbstarke beobachtet und das ist meine Erkenntnis: Offensichtlich sind manche Accessoires, Eigenschaften und Tätigkeiten cooler als andere. Ich habe folgendes Punktesystem erstellt:

5 Punkte pro Piercing und Tattoo, das keine Bedeutung hat
25 Punkte für Tattoo-Sleave
25 Punkte für Job in einem Bamberger Café
15 Punkte für Partizipation in einer ehrenamtlichen Gruppe
10 Punkte für Minimum 50% Second hand-Anteil im Kleiderschrank (5 extra Punkte, wenn einige der Teile objektiv hässlich sind)
5 Punkte für jede Sprache, die du außer Deutsch sprechen kannst
5 Punkte, wenn du mindestens eine der folgenden Bands hörst: Metronomy, Roosevelt, Ilgen-Nur, The Screenshots, Tash Sultana
10 Punkte, wenn du ironische Jokes über Kapitalismus machst
10 Punkte, wenn du intersektional feministisch bist
5 Punkte pro Autor*in, den*die du aus dieser Auswahl schon gelesen hast: Max Czollek, Hengameh Yaghoobifarah, Margarete Stokowski
5 Punkte für Skaten
5 Punkte, wenn du diese Wörter regelmäßig verwendest: marginalisierte Gruppen, Cis-Mann, Privilegien checken

Bemerkung: Es sieht so aus, als sei man ab etwa 70 Punkten cool.

Butter bei die Fische: Everybody makes mistakes, everybody has those days

OK, jetzt aber Butter bei die Fische. Das Konzept, Fremde für cooler als sich selbst zu halten, ergibt keinen Sinn. Wirklich cool oder sympathisch kann dir erst jemand sein, den*die du gut kennst. Alles andere ist Projektion, für die du keine validen Argumente haben kannst. Außerdem arbeitet der Cheerleader-Effekt gegen dich. Dieser besagt, dass eine einzelne Person in einer Gruppe von Menschen attraktiver wirkt als für sich allein betrachtet.

Nehmen wir an, du sitzt in der Kapuzinerstraße auf einer Bank und siehst eine Gruppe Hipster*innen. Sie sehen ultra cool aus und du fühlst dich fast nicht gut genug, um in ihrer Nähe zu sein. Jetzt schau sie dir mal genau an. Sie wirken glücklich und put together. Diese Wirkung wird verstärkt, weil sie in einer Gruppe sind: Sie scheinen wie eine super selbstsichere Gang. Das kann sein (und es ist wünschenswert), aber es ist unwahrscheinlich. Nach dem Motto von Hannah Montana: „Everybody makes mistakes, everybody has those days.“ Alle struggeln; nur wenigen sieht man das auf den ersten Blick an. Ein paar ugly Sneaker, eine Schlaghose und eine hippe Handtasche später und schon erzielt man den Eindruck vom scheinbar perfekten life. Vergleich‘ dich nicht mit diesem Eindruck!

Wichtig: Versteh mich nicht falsch, dein Selbstwertgefühl sollte sich nicht darauf stützen, dass du andere schlecht redest. Alle Menschen können gleichzeitig wunderbar sein, du musst also nicht besser sein als andere. Es kann aber hilfreich sein, sich von überhöhenden Gedanken zu lösen.

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