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Die akademische Zusammenarbeit mit Georgien steht auf der Probe

Die akademische Zusammenarbeit mit Georgien steht auf der Probe

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  • Die Tätigkeit deutscher Wissenschaftler an einer georgischen Uni hatte zuletzt für einen Aufschrei gesorgt. Diese Verstrickungen zeigen, wie schwierig eine verantwortungsvolle akademische Zusammenarbeit mit Georgien heute ist.

Die Vorgänge an der Kutaisi International University (KIU) sind skandalös. Anders kann man es nicht bezeichnen, wenn ein Institut für Iberisches Kulturerbe eröffnet wird, dessen Leiter in seiner Forschung unter anderem auf das NS-Ahnenerbe zurückgreift und zudem eine pseudowissenschaftliche Methode verwendet. Anders kann man es nicht bezeichnen, wenn es Studiengänge wie „Astrolinguistik“  und “Astroarchäologie” in das nationale Curriculum schaffen und weiterhin unklar ist, wie das eigentlich passieren konnte. Problematisch ist daher auch die weitere Zusammenarbeit deutscher Akademiker mit dieser Universität. Diese wirft dabei noch eine viel umfassendere Frage auf: Wie lange ist verantwortungsvolle Zusammenarbeit mit akademischen Institutionen Georgiens noch möglich?

Zusammenarbeit muss enden

Fünf deutsche Wissenschaftler stehen als Mitglieder des Advisory Councils der KIU nun ein wenig im Fokus. Das darf nicht von der Tatsache ablenken, dass in Georgien gerade immer mehr gesellschaftliche Bereiche, so auch der Bildungssektor, von der politischen, totalitär anmaßenden Agenda des Georgischen Traums eingenommen werden. Und doch muss der Umgang der involvierten Deutschen mit den Vorwürfen rund um die KIU  thematisiert werden. Denn auch wenn man nicht persönlich für etwas verantwortlich sein sollte, bedeutet ein Weitermachen wie bisher die Akzeptanz und das Reinwaschen des Geschehenen. Akademisch etwas voranbringen zu können, ist ein löbliches Ziel und wird so jedoch maximal zu einer Randerscheinung: Ein letztes Argument, welches in den Ring der eigenen Rechtfertigung geworfen werden kann.

Es ist anzunehmen, ja sogar recht plausibel, dass keiner der Mitglieder aus dem Advisory Board der KIU  „Astroarchäologie“ oder „Astrolinguistik“ jemals als Studiengang genehmigen würde. Auch plausibel ist, dass weder der Bamberger Psychologie Professor Claus Christian Carbon noch die anderen Mitglieder des Advisory Council ein Institut wie das skandalträchtige Iberian Cultural Heritage gutheißen würden. Hätten sie überhaupt einen hypothetischen Einfluss auf solche strukturellen Entscheidungen. Trotzdem: Die fortlaufende Zusammenarbeit mit dieser Universität, sei es persönlich oder institutionell, legitimiert solche Vorgänge. Vor allem, wenn die internationale Expertise, also der Beirat und die enge Kooperation mit der Technischen Universität München (TUM), das Fundament akademischer Qualität der Universität sein soll. Die Präsenz und häufige Betonung der internationalen Perspektive und Zusammenarbeit sind auf der Website omnipräsent. Eine öffentliche und völlig transparente Aufarbeitung ist zudem nicht vorhanden.

Der Einfluss eines Oligarchen

Durch den Skandal rund um die Schwurbeleien mit NS-Bezug gerät beinahe in Vergessenheit, dass die KIU ein Projekt des Oligarchen Ivanishvili ist. Alleine diese Tatsache sollte eine Kooperation jeglicher Art von Anfang an eigentlich ausschließen. Wie der de facto Staatslenker in der Vergangenheit auf die politische Marschrichtung Georgiens Einfluss genommen hat, auch auf personelle Entscheidungen, scheint außerdem völlig schleierhaft, wie man jeglichen persönlichen Einfluss auf diese Institution völlig ausschließen könnte. Dass die KIU eine erfolgreiche, prestigeträchtige Uni wird, liegt in dessen Interesse. Die gesetzliche Ausnahme, die der KIU die Akkreditierung der Studiengänge selbst überlässt, fördert genau dieses Bestreben und zeigt gleichzeitig, dass die Regierung weiter auf der Linie Ivanishvilis steht. Genau dieses gesetzliche Privileg verschafft dem International Advisory Council erst die maßgebliche Relevanz. Trotzdem standen zwei pseudowissenschaftliche Programme im nationalen Curriculum.

Dabei geht es nicht darum, einer Uni generell wissenschaftliche Kompetenz abzustreiten. Vielmehr müssen Management, Struktur und die Entstehungsgeschichte selbst hinterfragt werden. Und folglich auch jegliche Zusammenarbeit mit der Institution.

Deutsch-georgische Verstrickungen

Die weiterlaufende Zusammenarbeit deutscher Akteure mit der KIU bildet zudem eine Parallele zu den deutsch-georgischen Verstrickungen generell. Einige georgische Funktionäre sind in Deutschland ausgebildet, darunter auch aktuelle Premierminister. Die akademische Vergangenheit hält oft als Vorwand hin; als könnten sie dadurch nicht böswillig die Demokratie zerstören (Die FAZ berichtete.). Von der WELT konfrontiert, weisen die renommierten deutschen Rechtswissenschaftler jegliche Vorwürfe der Komplizenschaft zurück, eine persönliche Distanzierung von den ehemaligen Schülern und heutigen georgischen Politikern bleibt aus. Das Muster scheint immer ähnlich: Man ist persönlich involviert, aber nicht direkt verantwortlich, distanziert sich nicht und dient damit aber zumindest indirekt der Legitimierung.

Auch die Frage nach Kooperationen mit georgischen Unis generell ist an dieser Stelle relevant. Wann ist der Punkt erreicht , an dem man mit einer Kooperation mit einer georgischen Uni eher das Regime stützt und unterstützt, als zum Beispiel einen fruchtbaren und äußerst erstrebenswerten Austausch mit georgischen Studierenden zu schaffen? Wenn der akademische Austausch nicht mehr den Studierenden selbst dient, sondern der Vision des Georgischen Traums, muss jegliche Zusammenarbeit eingestellt werden. Die weitere Implementierung der Hochschulreform muss dafür auch von den Verantwortlichen der Uni Bamberg eng verfolgt werden. Ein regelmäßiger Austausch mit kritischen Beobachter*innen vor Ort und mehr Transparenz in institutionellen Kooperationen ist dafür unbedingt notwendig. Denn durch die Reform könnte die Autonomie georgischer Universitäten so sehr beschnitten werden, dass eine Kooperation mehr eine mit der totalitär agierenden Regierung wäre, als mit einer wissenschaftlichen Institution.


Klar ist, in Georgien und an der KIU läuft etwas schief. Wie weit die Verstrickungen im Hintergrund wirklich reichen, ist unklar. Wie wir damit umgehen, liegt dabei einzig und allein in unserer Hand.

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