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Lies Mich: Wie schön alles begann und wie traurig alles endet

Lies Mich: Wie schön alles begann und wie traurig alles endet

Ein Buch zwischen Liebe und Krieg, zwischen großen Träumen und der brutalen Realität, zwischen Kindheit und Erwachsensein – kurz gesagt: ein Buch über das Leben.
Foto: Maresa Bauer

Der Protagonist des Romans ist ein 38-jähriger Mann, nicht mehr ganz jung, aber auch noch nicht ganz alt. In dem Buch erzählt er vereinzelte Geschichten aus seinem Leben, aus seiner Jugend und vom Erwachsenwerden. Er wächst in einem kleinen namenlosen Dorf irgendwo in Deutschland auf. Seine Jugend verbringen er und seine Freunde mit dem Traum von Anarchie und dem Wunsch nach einer besseren Welt. In ihrer Freizeit lungern sie in Parks und in der Tiefgarage des Dorfes herum. Sie trinken Alkohol und rauchen heimlich. Sie diskutieren über Politik und verüben kleine Akte der Rebellion, um sich für einen Moment lang befreit zu fühlen und anschließend wieder in ihre normalen Familien mit ihrem normalen Alltag zurückzukehren. Sie nennen sich selbst die Tiefgaragenpunks.

Doch mit der Zeit verändert sich das Leben des Erzählers und damit auch seine Einstellungen zur Welt. Aus dem Traum von Anarchie wird die Hinnahme der bestehenden Verhältnisse, aus Rebellion wird Resignation, aus den Tiefgaragenpunks werden Erwachsene. Heute lebt der Protagonist nicht mehr auf dem Land, sondern in irgendeiner Großstadt. Die Umgebung ist von Kälte, Anonymität und Monotonie geprägt. Sein Alltag besteht aus der Arbeit in einem langweiligen Job, dem Wohnen in einer kleinen, beengenden Wohnung, aber auch aus gelegentlichen Glücksmomenten, ausgelöst durch gute Musik, Alkohol oder die Liebe. Die Menschen, die den Erzähler umgeben, werden von ihm teils vage, teils detailliert beschrieben und analysiert. Jeder der Charaktere verkörpert eine ganz individuelle Art der Existenz oder ein ganz spezifisches Gefühl.

Der Protagonist strebt innerlich immer nach dem Sinn des Lebens. Moralisch-gesellschaftliche Überlegungen und die tiefgründige Auseinandersetzung mit dem Wesen des Menschen prägen die Kapitel des Buches. Optimismus und Pessimismus ergänzen sich dabei gegenseitig.

Ob Liebe Fragen beantwortet oder eher welche stellt, weiß man erst, wenn man sich traut, die Fragezeichen in seinem Leben zuzulassen.“

Der Autor, Dirk Bernemann, schafft es in seinem Roman, selbst die ernsten und traurigen Themen humorvoll zu gestalten. Umgekehrt werden banale Alltagsthemen aufgegriffen und in einem philosophischen Diskurs melancholisch verarbeitet. Dadurch entsteht ein spannender Kontrast, der sich als roter Faden durch das Buch zieht. Wortgewandt wird der Leser mitgenommen durch die Höhen und Tiefen des Lebens des Protagonisten. Manchmal versucht die Hauptfigur, Antworten auf die kleinen und großen Fragen des Lebens zu finden, manchmal überlässt er das Nachdenken und Diskutieren auch dem Leser.

Das Buch ist jedem zu empfehlen, der Lust hat, mal lachend den Kopf zu schütteln, mal gerührt das Buch zur Seite legen zu müssen. Aber auch jedem, der eine geschickte, pointierte Schreibweise zu schätzen weiß. Bernemann ist es gelungen, ein literarisches Kunstwerk zu schaffen, das sowohl inhaltlich als auch textgestalterisch überzeugt.

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