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Lies Mich: Stolz und Vorurteil

Lies Mich: Stolz und Vorurteil

Jane Austens Roman „Stolz und Vorurteil“ spielt an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert.  Ein „Klassiker der Weltliteratur“, wie er von vielen Fachzeitschriften angepriesen wird.
Foto: Jana Röckelein

In diesem Klassiker geht es um die Familie Bennet, genauer gesagt um eine ihrer fünf Töchter. Die Familie lebt in bescheidenen, aber nicht armen Verhältnissen und so besteht Mrs. Bennets ganzer Lebensinhalt darin, all ihre Töchter gewinnbringend zu verheiraten. Für die älteste und nach Ms. Bennet „schönste“, aber auch schüchternste Tochter Jane scheint mit dem wohlhabenden, aber auch herrlich verklemmten Charles Bingley schnell der passende Ehepartner gefunden zu sein. Auch ihre jüngeren Schwestern im Teenageralter (inklusive pubertärem Verhalten) bemühen sich – wenn auch auf unkonventionelle Weise – um eine Heirat. Und dann ist da noch Elizabeth Bennet, die zweitälteste Tochter, Anfang 20. Sie ist stolz, gebildet und auf ihre eigene Art und Weise emanzipiert, gleichzeitig aber auch unglaublich stur. Auf einer Feier lernt sie den adligen Mr. Darcy kennen, einen Freund von Charles Bingley. Es ist sicherlich nicht die berühmte Liebe auf den ersten Blick zwischen den beiden, auch nicht auf den zweiten. Vielmehr verabscheut Elizabeth Darcy zu Beginn. Sie fühlt sich von ihm gekränkt und in ihrem Stolz verletzt, Darcy ist irritiert von ihrem schon fast emanzipierten Verhalten. Erst nach und nach glätten sich die Wogen zwischen den beiden und langsam kommen auch Gefühle ins Spiel. Doch nicht nur Darcys stolze Familie, die eine Liaison mit einer Frau niederer Herkunft nicht billigt, steht ihnen im Weg, sondern auch Elizabeths Stolz. Zeitweise möchte man sie einfach nur schütteln und anschreien, sie solle ihren Stolz doch einmal vergessen und auf ihr Herz hören. Nicht, dass sie das dann getan hätte. Zumindest nicht bis zum Schluss. Elizabeth und Darcy nähern sich an, distanzieren sich, nähern sich wieder an. Ein ewiges Hin und Her der Gefühle, denen einzig und allein Stolz und Vorurteil im Weg stehen.

Ich werde erst sprechen, wenn ich nichts mehr zu sagen haben werde!“

Eine Figur, der die Geschichte viele ironische Momente zu verdanken hat, ist Mr. Bennet, der bedingungslos zu seiner (Lieblings-)Tochter Elizabeth steht und der Geschichte durch seine sarkastische Art einfach nur guttut. Gleichzeitig ist er aber auch eine Person, die der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten soll: Er, selbst gebildet, verspottet seine jüngeren Töchter und seine Frau aufgrund ihrer mangelnden Intelligenz und Bildung.

Im Mittelpunkt des Geschehens stehen aber Darcy und Elizabeth. Lebhaft und teilweise ironisch wird hier die Suche nach einem geeigneten Heiratskandidaten beschrieben – natürlich ganz nach den damaligen Sitten. Es ist ein nie endender Wettbewerb – auch zwischen Nachbarn und Freunden – wer denn nun mit seiner Heirat die beste Partie macht. Schönheit und Vermögen stehen hier klar vor Intelligenz. Ein Umstand, mit dem sich die gebildete Elizabeth nicht zufriedengeben mag. Aber auch sie fällt allzu rasch ein Urteil, ohne sich so recht Gedanken über andere mögliche Perspektiven zu machen. Eine Eigenschaft, die sie letztendlich fast ihr Glück kostet.

„Stolz und Eitelkeit sind zwei verschiedene Dinge, doch die beiden Wörter werden oft gleichbedeutend gebraucht. Ein Mensch kann stolz sein, ohne eitel zu sein. Stolz bezieht sich eher auf die Meinung, die wir über uns selbst hegen. Eitelkeit auf das, wovon wir uns wünschen, dass es andere über uns denken.“

Jane Austen hält der (damaligen) Gesellschaft mit ihrem Roman auf eine ironische Art und Weise einen Spiegel vor. Geld, Ansehen und Aussehen stehen hier im Vordergrund, Gefühle und Empathie im Hintergrund. Sie entwirft ein für den Leser sehr greifbares und nachvollziehbares Bild ihrer Zeit, auch und gerade durch den leicht verständlichen Schreibstil.

Gesellschaftskritisch und facettenreich in den unterschiedlichsten Charakteren, das ist Jane Austens Roman „Stolz und Vorurteil“. Und in Zeiten von Datingapps wie Tinder und Co., die nur auf das Äußere abzielen, ist er gerade heute hochaktuell.

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