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Zwischen Feuer und Magie

Zwischen Feuer und Magie

Clowns, Akrobaten, Feuerkünstler, Zauberer – sie alle bringen einmal pro Jahr drei Tage lang Bamberg zum Staunen. Zum mittlerweile 21. Mal fand am vergangenen Wochenende das internationale Straßen‐ und Varietéfestival Bamberg zaubert statt. Über 120 Künstler aus 18 Nationen lockten die Leute auf die Straßen der Innenstadt.

Foto: Elisabeth Offial

Eine kurze Armbewegung, dann ein Griff in die zuvor leere Jackentasche – zwar keinen Hasen, aber dafür die unterschriebene Spielkarte einer Zuschauerin zaubert Alex hervor. Kurz davor befand die sich noch im Stapel der restlichen Karten in seiner linken Hand. Durch einen im Jackett eingebauten Geheimgang sei sie seinen linken Arm hinauf, über die Brust und dann in die rechte Tasche gewandert, erklärt er seinem staunenden Publikum.

Alexander Lehman, ein Zauberer aus Nürnberg und der diesjährige Gewinner des Publikumspreises in der Kategorie „Zauberei, Magie, Clownerie und Jonglage“, ist zum sechsten Mal Teil von Bamberg zaubert. Normalerweise steht er auf der Bühne, aber dann hat er sich dazu entschieden, der Straßenkunst eine Chance zu geben. Besonders gut gefällt ihm dabei das direkte Feedback. „Die Leute haben immer die Möglichkeit weiterzugehen, sie müssen am Ende nichts in den Hut werfen. Im Theater ist die Hemmschwelle, dass jemand aufsteht und geht, viel größer als hier.“

Zumindest eine Person wird wohl bis zum Schluss bleiben. Während er den unterschriebenen Zehn‐Euro‐Schein eines Zuschauers in einen 50‐Euro‐Schein verwandelt hat, ist die Unterschrift verschwunden. „Dann sind das leider auch nicht deine 50 Euro“, sagt Alex mit bedauerndem Blick und steckt das Geld selbst ein. Als Trost verspricht er dem Zuschauer, dass der die ersten zehn Euro bekommt, die nach der Show im Hut landen.

Ausgelernt hat man als Zauberer nie

Angefangen mit der Zauberei hat Alex bereits als Kind. Mit einem Zauberkasten hat er die ersten Tricks gelernt und dann mit 13 Jahren Kontakt zum Magischen Zirkel (deutschlandweit aktiver Zauberer‐Verein) aufgenommen, der ihn an einen Privatlehrer weitergeleitet hat. Aber ausgelernt hat man als Zauberer nie. Die Tricks, die er sich zu großen Teilen selbst ausdenkt, müssen immer weiterentwickelt werden: „Erst vor Publikum kann ich wirklich einschätzen, was gut ist und was nicht, was ankommt oder was ich besser machen muss.“ Perfekt geeignet dafür ist Bamberg zaubert: „Man hat an einem Wochenende zehn Shows oder so, da kann man super neues Material einspielen. Man hat direkt von Show zu Show die Möglichkeit, etwas anders zu machen, zum Beispiel einen anderen Gag einzubauen.“

Vielfältige Künstler

Besonderheiten gibt es an dem Festival viele, sowohl für die Zuschauer als auch für die Künstler: „Bamberg zaubert ist eine schöne Mischung aus einem eigentlich kleinen kuscheligen Festival, aber trotzdem Unmengen an Menschen. Auch die Künstler sind der Wahnsinn, die aus der ganzen Welt hier herkommen. Alles ist bunt und auch das, was nach den Shows passiert, ist ein toller Teil. Zusammensitzen mit irgendwelchen Kollegen aus Korea, das hat man auch nicht alle Tage.“ Dann ziehen die Künstler noch in der Sandstraße von Bar zu Bar und lassen gemeinsam den Abend ausklingen, bevor das Festival am nächsten Vormittag weitergeht, erzählt Alex.

Aber nicht nur für das Kontakteknüpfen in andere Länder ist die bei Bamberg zaubert gebotene Vielfalt toll. Für die Zuschauer ist es eine Chance, Dinge zu sehen, die sie normal nicht sehen können: „Wenn ich mir überlege, wie viele Nationen hier vertreten sind an Künstlern – wo hat man sowas? Und dann auch noch kostenlos. Hier sind ja auch Leute, die teilweise echt erfolgreich sind, und dann stehen sie hier auf der Straße und man kann sie sich umsonst anschauen.“

Zauberei verbindet

Sich an das vielfältige Publikum anzupassen, ist eine Herausforderung. Aber genau das gehört zu den Besonderheiten des Festivals. „Das, was bei mir immer am meisten hängen bleibt, ist, wie Zauberei verbindet. Der Dreijährige in der ersten Reihe hat total Spaß, aber genauso auch die Oma, die auf ihrem Rollator sitzt.“ Obwohl Alex normalerweise vor Erwachsenen auftritt und keine speziellen Kunststücke für Kinder in seinem Programm hat, sind seine kleinen Zuschauer genauso begeistert wie die großen. Und spätestens nachdem am Ende von Alex’ Show das zuvor verschwundene Geld in einer verschlossenen Erdnussdose wieder auftaucht, die in einer seit Beginn der Show unberührten Tüte ist, ist auch der letzte dieser Zuschauer glücklich.

Sprühende Funken

Bei Einbruch der Dunkelheit ein paar Spielflächen weiter bietet sich ein völlig anderes Bild: Funken fliegen, Hitze wabert über den Platz, kraftvolle Musik ertönt. Die Feuerkünstler JAGO & L‐ION, extra angereist aus Ibiza, zeigen mit leuchtenden Augen und breitem Grinsen ihre Show. Den Spaß sieht man ihnen an und er überträgt sich sofort auf das Publikum. Immer wieder bricht Applaus aus, immer wieder hört man erstaunte Kommentare. Kleine Feuerschälchen sind am Rand der Auftrittsfläche verteilt, fast wie eine Abgrenzung zwischen Zuschauern und Künstlern. Regelmäßig zünden sie darin neue Elemente an, zeigen ihre Show mit Akrobatik, Feuerfächern, brennendem Hula‐Hoop‐Reifen und vielem mehr.

Erst seit fünf Jahren arbeiten die beiden Künstler miteinander, zum vierten Mal sind sie bereits gemeinsam bei Bamberg zaubert. Jedes Jahr geben sie sich Mühe, etwas Neues mitzubringen. Sie arbeiten an neuen Choreografien und Kostümen, wollen jeden Tag zumindest ein anderes Kostüm zu tragen. Sie wollen ihr Publikum nicht langweilen, sondern möglichst viel Neues zeigen. Das Festival in Bamberg eignet sich hervorragend, um auszuprobieren, wie zum Beispiel andere Outfits beim Publikum ankommen.

Zwischen Stelzen und Feuer

Das gilt nicht nur für die Feuershow, sondern genauso für ihren Walkact. Tagsüber sind JAGO & L‐ION auf Stelzen und komplett verkleidet in der Stadt unterwegs. Wichtig ist ihnen die Kombination aus beidem. Die Interaktion mit den Festivalbesucher ist anders. Tagsüber ist eine engere Verbindung da und man kommt auch dazu, mit den Menschen zu reden. Dagegen ist man während der Feuershow voller Adrenalin und kann alles geben, erzählen sie. „It’s a completely different energy. And the combination of both is fantastic.”

‘Yes, we want to come back’

Das Publikum ist in beiden Fällen begeistert. Positives Feedback erhalten JAGO & L‐ION viel, worüber sie sich jedes Mal freuen und was das Festival für sie so besonders macht. Bereits mehrmals haben sie den Publikumspreis in der Kategorie „Licht‐ und Feuershows, Walkacts und Akrobatik“ gewonnen. Bewegende Momente, die zu den Eindrücken und Emotionen gehören, die immer wieder dafür sorgen, dass sie sich auch einige Tage nach Bamberg zaubert noch auf einem Hoch befinden und sich unbedingt wieder bewerben wollen. „So many people say so many beautiful things to you, and it’s so great. So, we always just think ‘yes, we want to come back’.”

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