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Wie wächst das eigentlich?

Wie wächst das eigentlich?

Ganz selbstverständlich kaufen wir Cashews, Ananas oder Feigen im Supermarkt. Doch wie seltsam die Früchte wachsen, wissen wir meistens nicht. Unsere Autorinnen stellen sechs Kuriositäten aus der Pflanzenwelt zum Naschen, Snacken, Würzen oder Weinflaschen verschließen vor.

Collage: Anna Siemer

Die zwei Gesichter der Cashew

Foto: Edison Lellis

Cashewkerne sind – anders als man auf Anhieb denken würde – keine Nüsse, sondern die Kerne der Cashewfrucht, die am Cashewbaum wachsen. Dieser wächst hauptsächlich in Brasilien sowie in einigen afrikanischen und südasiatischen Ländern. Das Besondere an der Cashewfrucht ist, dass sie eine Scheinfrucht ist. Das heißt: Ihre Kerne wachsen nicht in einem Kerngehäuse in der Frucht selbst, sondern unterhalb des orangeroten Fruchtstiels in einer holzartigen Schale. Diese Schale enthält ein giftiges Öl und auch die Kerne sind leicht giftig, bevor sie geröstet werden. Der Fruchtstiel, der auch Cashewapfel genannt wird, ist dagegen auch roh essbar und wird außerdem zu Marmelade, Saft und Schnaps verarbeitet. In Europa gibt es allerdings keine Cashewäpfel zu kaufen, weil sie leicht verderblich sind und beim Transport schnell Druckstellen bekommen.
Elena Bruckner

Nichts für FEIGlinge

Foto: Pixabay

In unseren Breitengraden sind die meisten Feigenbäume selbstbefruchtend. Im Mittelmeerraum, der Heimat der Feige, ist der Bestäubungsprozess der Früchte brutaler. Es gibt nämlich zwei Arten von Feigenbäumen: die Bocks-Feige und die Ess-Feige. Damit Ess-Feigen wachsen können, müssen sie mit dem Pollen einer Bocks-Feige bestäubt werden. Für diese Bestäubung sind die Feigenwespen zuständig.

Das alles hört sich noch relativ normal an, bei der Bestäubung gibt es allerdings einen Haken: Die Blüte der Feige befindet sich im Inneren der Frucht. Das Innere der Bocks-Feige kann die weibliche Wespe nur durch eine kleine Öffnung unten an der Frucht erreichen. Dieser Durchgang ist so eng, dass die Flügel und Antennen der Wespe beim Hereinkriechen abgerissen werden. Das nehmen die weiblichen Wespen auf sich, weil sie im Inneren der Bocks-Feige ihre Eier sicher ablegen können. Danach sterben sie meistens sofort. Wenn die Baby-Wespen dann geschlechtsreif sind, paaren sie sich noch im Inneren der Feige. Die männlichen Wespen, die ohne Flügel geboren werden, müssen dann ihren Partnerinnen/Schwestern den Weg aus der Feige heraus frei essen. Die Männchen sterben, während die Weibchen, mit Pollen beladen, entkommen und in einer anderen Frucht ihre Eier ablegen können.

Meistens sind die Weibchen so schlau und schaffen es zu einer Bocks-Feige, wo sie ihre Eier sicher ablegen können. Manche Wespen verirren sich aber in die normalen Feigen, wo sie ihre Eier nicht loswerden können. Wenn sie einmal in die Feige hereingekrochen sind, schaffen die meisten Wespen es nicht mehr heraus und sterben in der Frucht. Schlecht für die Wespe, gut für die Feige. So wird die Blüte in ihrem Inneren mit Bocks-Feigen Pollen versorgt und es kann eine leckere Ess-Feige entstehen. Es kann also sein, dass du beim Feigenessen schon mal eine tote Wespe mitgegessen hast. Keine Angst, ihre Überreste werden größtenteils durch ein pflanzliches Enzym abgebaut.
Maria Menzel

Die Beere, die dich isst

Foto: Paul McGowan

Die Ananas ist gleich in mehrfacher Hinsicht eine kuriose Frucht. Sie enthält Enzyme, die Proteine zersetzen können, ähnlich wie es die Enzyme in unserem Magen mit den Nahrungsmitteln machen, die wir essen. Die Frucht verdaut dich somit quasi während du sie isst. Das Kribbeln auf der Zunge, wenn du Ananas verspeist, kommt also vom Enzym Bromelain. Die Ananas wächst auf einer Staude. Anders als vielleicht angenommen, ist die Ananas nicht über den oberen beblätterten Teil mit der Pflanze verbunden. Die große Frucht sieht auf der buschähnlichen Pflanze fast schon deplatziert aus. Wobei es sich genau genommen auch gar nicht um eine Frucht, sondern um einen Beerenfruchtverband handelt. Die einzelnen Beeren verwachsen zu dem was wir als Ananas kennen. Die faserige Mitte der Ananas ist die übriggebliebene Blütenstandsachse und das, was wir als Rinde oder Schale kennen, sind die übriggebliebenen Blütenblättern.
Anna Siemer

Ein bisschen Himalaya auf dem Balkon

Im höchsten Gebirge der Welt findet man einen – bei uns eher unbekannten – sommergrünen Strauch mit violetten Deckblättern und bis zu 20 Zentimeter langen, traubenförmigen Blütenständen. Unter den weißen oder rosafarbenen Blütenblättern kann man vom Sommer bis in den Herbst hinein kleine Beeren finden, die im reifen Zustand eine satte Färbung von schokobraun bis schwarz-violett annehmen können: die Himalaya-Beere oder Schöne Leycesterie. Da die empfindlichen Beeren nicht lagerfähig sind, findet ihr sie weder im Supermarkt noch auf AmazonFresh und damit auch nicht in den „Superfood-Frühstücksbowls“ von Influencern und Foodbloggern. Gut für die vom Hype verschonte Beere, schlecht für euch: Der süße und leicht bittere Geschmack nach Karamell ist einzigartig! Frisch vom oder getrocknet am Strauch zum Sofortessen, für Porridge, Dessert oder Obstsalat, dank ihrer langen Blütezeit als lückenfüllende Nahrungsquelle für Bienen und Hummeln und mit den hohlen Zweigen sogar als Nisthilfe geeignet – die Karamellbeere ist ein vielseitiger Exot! Und das Beste: als attraktive Kübelpflanze gedeiht sie sogar auf einem Studierendenbalkon.
Ella Engel

In Schale geschmissen

Wir kennen ihn vor allem als Weinflaschenverschluss, manchmal auch als Pinnwand: Kork ist die Rinde der Korkeiche. Nach ungefähr 25 Jahren kann ein Baum erstmals geschält werden. Das Schälen ist Handarbeit und der Stamm darf dabei nicht verletzt werden. Die Rinde wächst dann nach, sodass etwa alle neun Jahre die Schicht wieder dick genug für eine neue Ernte ist.

Die Rindenstücke werden in der Sonne getrocknet und anschließend gekocht, um sie elastisch zu machen. Korkeichen können über 200 Jahre alt werden. Im Laufe ihres Lebens werden sie bis zu 17-mal geschält. 33 Prozent der Fläche von Korkeichenwäldern liegt in Portugal. Von dort stammt auch mehr als die Hälfte des weltweit produzierten Korks.
Ina Regler

Foto: Ina Regler

Superfood made by Mama

Foto: Maike Schulte

Weiße Blüte, dunkelblaue Frucht: Die Aroniabeere, auch Apfelbeere genannt, ist unter Insidern als echtes „Superfood“ bekannt. Im Gegensatz zu anderen Hipster-Beeren wächst sie direkt vor der Haustür. Während Influencer ihre teuren Açaí-Bowls in Berlin löffeln, löffelt man im Sauerland einen Aronia-Joghurt im Garten. Dort baut Mama seit zwei Jahren die Superbeere an. Im August findet die reife Frucht Platz im Müsli, in Säften oder in selbstgemachter Konfitüre. Neben Vitamin C enthält die Apfelbeere mehr Antioxidantien als die meisten anderen Beeren. Sie wirkt entzündungshemmend, pusht das Immunsystem, unterstützt die Selbstheilung des Körpers und hemmt oxidativen Stress, der unsere Zellen schädigt und den Alterungsprozess vorantreibt. Die Fähigkeiten des blauen Wunders trösten über den säuerlich-herben Geschmack hinweg. Sollte jemand nicht vom Inhalt überzeugt sein, glänzt Aronia auch mit Äußerlichkeit: Im Mai steht die Pflanze in weißer Blüte und im Herbst färben sich die Blätter in einem wunderschönen, dunklen Rot. Bevor ihr also die nächste Açaí-Bowl bestellt – entdeckt lieber euren grünen Daumen (oder den eurer Mama).
Maike Schulte

Das Königsgewürz

Foto: Johan Puisais

Viele kennen Safran als hübsche Deko auf Gerichten in hochpreisigen Restaurants und Feinschmecker schätzen seine vielseitigen Aromen. Doch woher kommt der Safran und wie wächst er? Die Geschichte des Crocus Sativus reicht bis in die Zeit von 1600 vor Christus zurück und er findet seit jeher nicht nur in Speisen, sondern auch als Heilmittel gegen depressive Verstimmungen Anwendung.

Angebaut wird er zum Beispiel in Afghanistan, im Iran, aber auch in Südfrankreich und Deutschland. Er gehört zu den Schwertliliengewächsen und einmal im Jahr bildet sich ein Blütengriffel, der sich in sogenannte Narbenäste teilt, die nach der Verarbeitung die charakteristischen roten Fäden bilden. Seine Vielseitigkeit macht ihn zurecht zum Königsgewürz, wo er doch vom königlichen Symbol schlechthin – der Lilie – stammt.
Malena Schlor

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