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Von der Bambuszahnbürste bis zur Haarseife – Plastikfreie Kosmetik: Ein Selbstversuch

Von der Bambuszahnbürste bis zur Haarseife – Plastikfreie Kosmetik: Ein Selbstversuch

Plastik ist ein fester Bestandteil unseres alltäglichen Konsums. Ich habe mich gefragt, ob sich das vermeiden lässt, und schnell gemerkt: Lebensmittel plastikfrei einzukaufen ist gar nicht so schwer – auf dem Wochenmarkt oder in Glasverpackungen im Supermarkt. Aber wie steht es um plastikfreie Kosmetikartikel? Ein Selbstversuch.

Foto: Lea Wagner

Montag, 6:30 Uhr. Mein Wecker klingelt. Ich fühle mich, als hätten mich zwei Busse überfahren. Verschlafen schlurfe ich ins Bad. Heute will ich mit meinem Selbstversuch beginnen: Zwei Wochen mit Kosmetikartikeln ohne Plastik leben.
Ich greife zu meiner Zahnbürste und halte inne: Sie ist aus Plastik. Meine Zahnpastatube ebenfalls. Ich sehe mich weiter in meinem Bad um: Mein Pfirsichduschgel: Plastik. Mein Lockenshampoo: Plastik. Meine Gesichtscreme und mein Seifenspender: Plastik. Überhaupt besteht alles, was ich sehe, aus Plastik. Ganz schön frustrierend.

Google: meine erste Anlaufstelle zum plastikfreien Leben

Ich beschließe mich an meinen Laptop zu setzen und zu googeln. Meine Suchworte: „Plastik ersetzen“ oder „Kosmetik selbst machen“. Puh, das klingt alles ganz schön kompliziert und aufwändig: Gerade bei selbstgemachtem Duschgel ist es scheinbar wichtig, bei der Herstellung die richtige Temperatur und Konsistenz zu erhalten.
In meinem Kopf male ich mir aus, wie ich in meinem winzigen Studentenzimmer Duschgel, Waschmittel, Spülmittel und Shampoo braue. Bei diesem Gedanken muss ich auflachen.

Der Unverpackt‐Laden: meine Rettung

Auf den Rat einer Freundin düse ich mit langer, plastikfreier Einkaufsliste voller Hoffnung zum Unverpackt‐Laden in Bamberg.
Von der Eingangstür aus kann ich bereits einen Blick in die Kosmetikabteilung erhaschen und stürze mich auf eine riesige Auswahl an Seifen. Hier entdecke ich: eine Haarseife, eine Körperseife, festes Deo, Zahnpasta am Stiel und eine Zahnbürste aus Bambusholz. Voller Freude packe ich die Produkte in meinen Einkaufskorb. Als ich bezahlen will, erschrecke ich mich. Kosten: 35 Euro. Zum Vergleich: In einem herkömmlichen Drogeriemarkt gebe ich etwa 15 Euro für die gleichen Kosmetikartikel aus. Ein plastikfreies Bad ist also teuer.

Festes Deodorant – wie funktioniert das?

Zuhause probiere ich meine neuen Kosmetikartikel aus. Das feste Deo hat die Form eines Zylinders und riecht neutral. Bevor ich es benutze, lasse ich warmes Wasser über das Deo laufen. Anschließend werden die Achseln damit eingerieben. Das feste Deodorant hat seinen Test bestanden. Nach einem anstrengenden Tag in der Uni und nach dem Sport riechen meine Achseln immer noch neutral.

Es schäumt gar nicht im Mund

Von meiner Zahnpasta am Stiel habe ich mir mehr erwartet. Sie sieht aus wie ein kleines Kokosnusseis am Stiel. Die Kugel ist genauso weiß, nur die Konsistenz ist fester. Allerdings schmeckt die Zahnpasta nicht nach Kokosnuss, sondern nach Pfefferminz. Ich befolge die Anleitung und reibe Zahnbürste und Pfefferminzkugel aneinander, um die Paste zum Schäumen zu bringen. Doch es schäumt nicht. Ich habe kaum das Gefühl, überhaupt Zahnpasta im Mund zu haben. Auch an den Holzgeschmack meiner Bambuszahnbürste muss ich mich gewöhnen. Es fühlt sich an, als ob ich ein Stück Ast im Mund habe.
Das Praktische an der Bambuszahnbürste: Nachdem sie nicht mehr gebraucht wird, wird sie im Garten vergraben oder auf den Komposthaufen geworfen. Auch wenn die Zahnbürste nur einen kleinen Teil der Umweltverschmutzung durch Plastik ausmacht, wird durch den nachhaltigen Ersatz dennoch eine erhebliche Menge an Plastikmüll gespart. Vor allem wenn man bedenkt, dass man alle drei Monate seine Zahnbürste wechseln sollte. Das wären pro Person vier Plastikzahnbürsten im Jahr, die gespart werden würden. Und 320.000.000 Plastikzahnbürsten pro Jahr in ganz Deutschland.

Wenn die Haare wie Honig kleben

Am nächsten Morgen teste ich meine nach Nelke und Teebaumöl duftende Haarseife. Es ist eigenartig, sich die Haare mit einer Seife einzureiben.
Meine Haare fühlen sich beim Auswaschen an, als ob ich sie mit einem Topf Honig gewaschen hätte. Ich gebe der Haarseife aber noch eine Chance. Meine Haare müssen sich wahrscheinlich erst an das Naturprodukt ohne Silikone gewöhnen.
Silikone – organische Siliziumverbindungen – sollen den Haaren Glanz verleihen. Doch sie bewirken genau das Gegenteil: Es baut sich eine künstliche Silikonschicht auf den Haaren auf, die verhindert, dass wichtige Öle und Feuchtigkeit in das Haar eindringen können. Dadurch wird das Haar trocken und porös. Also doch lieber zu der Öko‐Haarseife greifen.

Das Problem mit dem Klopapier

Was ich nicht von meiner Einkaufsliste abhaken konnte: Klopapier. Mit der Po‐Dusche, die ich im Unverpackt‐Laden entdeckt habe, konnte ich mich nicht wirklich anfreunden. Die Po‐Dusche ähnelt in ihrer Form und Größe einer elektrischen Zahnbürste. Schaut man genauer hin, erkennt man aber die Duschbrause. Die Gebrauchsanweisung beschreibt, dass die Po‐Dusche vor jeder Benutzung mit Leitungswasser aufgefüllt werden kann. Anschließend säubert ein fester Wasserstrahl das Gesäß. Ich schaue mich nach Alternativen um: Im Internet kann man Klopapier bestellen, welches in einer Papierverpackung geliefert wird. Allerdings ist dieses wesentlich teurer als herkömmliches Klopapier aus der Drogerie: Acht Rollen kosten 12,75 Euro. Das übersteigt leider das studentische Budget. Ich entscheide mich dazu, weiterhin Recycling‐Klopapier zu kaufen und die Plastikverpackung als Müllbeutel zu benutzen.

Mein Fazit

Vor meinem Selbstversuch habe ich meinen Plastikmüll im Bad gewogen. 582 Gramm. Während meines Selbstversuchs hat sich mein Plastikkonsum im Bad auf die Plastikverpackung, in die das Klopapier verpackt ist, beschränkt. Ich verbringe ungefähr zwanzig Minuten im Drogeriemarkt, wenn ich einen normalen Einkauf tätige. Bei meinem ersten plastikfreien Einkauf habe ich deutlich mehr Zeit benötigt: Eine Stunde und zehn Minuten. Aber das lag auch daran, dass ich mich zwischen all den duftenden Seifen nicht entscheiden konnte. Obwohl ich zwei Wochen auf Plastikverpackungen im Bad, beim Waschen und beim Spülen verzichtet habe, habe ich längst nicht alles getan. Auch in der Kleidung ist der schädliche Kunststoff versteckt. Man denke nur an Polyester oder Elasthan. Das Spiel geht also weiter. Ich werde zukünftig versuchen, so gut es geht in meinem Alltag auf Plastik zu verzichten. Für meine Gesundheit – und die Umwelt.

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