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Trotz Regen und Kälte – Fürs Klima ab in die Zelte

Trotz Regen und Kälte – Fürs Klima ab in die Zelte

Auf dem Maxplatz stehen Zelte. Es gibt zwar kein Lagerfeuer, aber die Menschen, die das Camp organisiert haben, brennen für ihre Anliegen. Die jungen Aktivisti verbringen schon seit dem 25. September Tag und Nacht in der Kälte. Wer sind sie, wie läuft das ab und was erwarten sie sich davon?

Fotos: Kim Becker

Am 25. September fand ein weiterer weltweiter Klimastreik statt. Auch die „Fridays For Future“- und „Students For Future“-Ortsgruppen in Bamberg konnten eine Demonstration organisieren. Am Freitagmittag lief der Demozug vom Bahnhof über die Luitpoldbrücke und den Heinrichsdamm durch die Innenstadt. Sowohl die Polizei als auch etliche Ordner*innen achteten dabei auf genügend Abstand zwischen den Demonstrant*innen und die Einhaltung des Hygienekonzepts. Außerdem mussten während der gesamten Demo Mund-Nasen-Bedeckungen getragen werden. So konnte coronakonform demonstriert werden, auch wenn der Abstand im Laufen mal unter die empfohlenen 1,5 Meter fiel. Aber trotz der Auflagen waren überall wie gewohnt Schilder und Banner zu sehen. „Act now!“, „unite behind the science“, „save our home“ – die Demonstrant*innen präsentierten viele verschiedene Plakatsprüche. Etwa 600 Menschen kamen zum Streik und forderten eine Verstärkung der klimapolitischen Maßnahmen.

Warum zelten sie auf dem Maxplatz?

Im Anschluss an die Demo blieben einige der Aktivisti gleich auf dem Maxplatz und bauten das Klimacamp auf. Zelte, Couches, Stühle, Tische, Banner und vieles mehr wurden arrangiert. Wie lange soll das alles auf dem Maxplatz bleiben? Aktivistin Justine Hümmer macht klar: „Wir bleiben so lange, bis sich in der Politik endlich etwas tut. Die Protest-Form des Camps eignet sich da gut: Wir wollen gleichzeitig eine Lebensform der gerechten Zukunft darstellen und öffentlichkeitswirksam demonstrieren.“

Ursprünglich war das Camp für wenige Tage geplant, inzwischen wurde es ein zweites Mal bis zum 13. Oktober verlängert. Das Datum ist nicht zufällig gewählt: „Am 13.10. findet eine Sondersitzung des Stadtrats statt. Das Thema ist ‚Klimaneustart
2020‘
, angelehnt an die Kampagne vom Bamberger Klimaschutzbündnis. Wir sind mit ‚Fridays For Future‘ eine von 27 Mitgliedsorganisationen des Bündnisses und wollen deshalb Druck machen, dass am 13. Oktober endlich Beschlüsse gemacht werden und gehandelt wird“, erläutert Luca Rosenheimer vom Orga-Team.

Auch in vielen weiteren Städten gibt es solche Camps. In Augsburg zelten die Demonstrant*innen schon seit dem 1. Juli. Nürnberg, Wien, Ulm, Hamburg, München, Dresden – die Liste der Städte wird immer länger. Viele von ihnen zeigen auf ihren Instagram-Profilen Einblicke aus den Camps.

Das passiert im Camp tagsüber

Die Fotos und Online-Auftritte zeigen nur einen Teil des Lebens im Camp. Da schließt sich die Frage an: Was passiert in den Zelten tagsüber? Natürlich müssen sich die jungen Aktivisti um Verpflegung und Ordnung im Camp kümmern. Das heißt: Immer wieder müssen kleine Gruppen zum Spülen aufbrechen, Müll wegbringen oder Schlafsäcke und Decken zusammenlegen. Daneben finden Workshops statt. Dabei versucht die Gruppe, viele Themen des klimapolitischen Spektrums abzudecken. Bisher wurde beispielsweise schon über die ÖPNV-Warnstreiks und ‑Tarifverhandlungen, veganes Leben, das Organisieren von Demos und die toxikologischen Auswirkungen des Klimawandels informiert. Neben den Aktivisti selbst wirkten dabei auch Mitglieder anderer Organisationen mit, so unter anderem Hendrik Torner von der DGB Hochschulgruppe, Helga Stopper von den „Scientists For Future“ Würzburg und Ibo Mohamed von der Seebrücke Bamberg. „Es ist beeindruckend zu sehen, mit welchem Engagement die Bamberger*innen das Camp organisiert haben und durchführen. Ich freue mich, dass ich zum Programm beitragen durfte“, erklärt Helga Stopper, die für ihren Vortrag online zugeschalten wurde.

Wenn das Programm vom Tag beendet ist, wird gemeinsam zu Abend gegessen. Danach plant die Gruppe, wie groß der Anteil ist, der über Nacht bleibt und wie viele davon wach bleiben müssen. Laut Auflagen der Polizei darf nämlich nur ein Drittel der Demonstrant*innen schlafen – der Rest muss wach bleiben. Das bedeutet: Schichtpläne erstellen und mit wenig Schlaf klar kommen. Aktuell hat es nachts Temperaturen bis zu fünf Grad, oft regnet es. Angenehmer wäre das Campen natürlich bei besserem Wetter, aber die Aktivisti lassen sich nicht unterkriegen. Für Lisa Jacobi sei es nicht so schlimm, da genug Decken da wären, erklärt sie. Auch Jonathan Röckelein findet: „Klar nerven die Kälte, der Wind und der Regen, aber wir haben uns genügend Möglichkeiten zum Warmhalten organisiert.“

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