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Sieben Journalistinnen, die uns inspirieren

Sieben Journalistinnen, die uns inspirieren

Zum Internationalen Frauentag oder auch Frauen*kampftag, stellen wir sieben Journalstinnen vor, die uns inspirieren, weil sie starke Frauen sind, die mit wichtigen Beiträgen beigeistern.

 

Foto: Rudy and Peter Skitterians (Pixabay)

Carolin Emcke

Carolin Emcke ist Autorin und Journalistin, berichtete aus Krisengebieten, wurde 2016 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Letzteren erhielt sie für ihr Buch “Gegen den Hass”, mit dem orangenen Umschlag, das monatelang in Bestsellerregalen stand — zu Recht.

Sie hat Philosophie studiert, das merkt man an der Art, wie sie denkt und sich ausdrückt, neben Politik und Geschichte, das merkt man an den Themen, die sie in den Fokus setzt, mit denen sie sich beschäftigt: Die Moral der Menschen, der Gesellschaft, Ungleichheit und Chancengleichheit, Feminismus, Queerness, Ausgrenzung, Kampfgeist, Krieg. “Freiheit ist nichts, das man besitzt, sondern etwas, das man tut.”

Autobiografisch schreibt Emcke in dem Buch Wie wir begehren über Queerness, ihre eigene Coming-Out-Erfahrung und über soziale Ausgrenzungen in diesem Kontext. Ein Thema, das ihr am Herzen liegt und das sie auch zusammen mit Lara Fritsche zur Interviewerin der #actout-Bewegung mehr als qualifizierte.

Carolin Emcke moderiert den “Streitraum” der Schaubühne Berlin, immer mit aktuellen, gesellschaftskritischen Themen. Sie ist freie Journalistin bei der Zeit und der Süddeutschen Zeitung und hat während Corona unter anderem ein kritisch-reflektiertes Tagebuch geschrieben, über die Pandemie und den menschlichen Umgang damit.

Aufgeschrieben von Laura Kohler

Wibke Bruhns

Wibke Bruhns hatte ein bewegtes Leben. Aber zum Glück auch sehr viel Talent, um es spannend aufzuschreiben. Sie wurde 1938 geboren und wuchs als Halbwaise auf. Ihr Vater wurde als Beteiligter am Attentat vom 20. Juli 1944 wegen Hochverrats hingerichtet. Später arbeitete sie in ihrem Buch Meines Vaters Land. Geschichte einer deutschen Familie das Leben ihres Vaters mit all seinen Ambivalenzen auf, der vom Anhänger des Nationalsozialismus zum Hitler-Attentäter wurde. Zunächst aber begann sie mit 22 Jahren in der Medienbranche zu arbeiten. Bekannt wurde sie vor allem als erste Frau, die im Fernsehen der Bundesrepublik eine Nachrichtensendung, heute im ZDF, moderierte. Sie selbst sah sich, so schreibt sie es in ihrer Autobiografie Nachrichtenzeit. Meine unfertigen Erinnerungen, nicht als Teil der Frauenbewegung, auch wenn sie von außen teils so dargestellt wurde. Als sie sich noch während ihrer Zeit als Nachrichtensprecherin stark im Wahlkampf für die SPD engagierte, sorgte das für einen Skandal. Zurecht, in einem Gutachten hieß es später, dass Angestellte eines öffentlich-rechtlichen Fernsehsenders nicht politisch aktiv sein dürfen. Bis das Gutachten fertig war, war der Wahlkampf allerdings schon vorbei.

Außerdem war sie für den Stern Korrespondentin in Jerusalem und Washington D.C. Bruhns war hautnah dran, an vielen Ereignissen, die heute als historisch gelten. Ihre Biografie liefert einen eigenen Blick auf die junge Geschichte der Bundesrepublik.

Sie wurde aber auch Opfer sexistischer Berichterstattung, auch wenn sie diese wahrscheinlich nicht so genannt hätte, als ihr immer wieder eine Affäre mit Willy Brandt nachgesagt wurde. Sie wehrte sich dagegen vor Gericht und gewann mehrere Prozesse. 2013 machte sie aber auch selbst mit sexistischen Aussagen zu Männern und Frauen auf sich aufmerksam. Trotzdem war sie mit ihrer Karriere sicher Vorbild und Wegbereiterin für viele junge Journalistinnen. Sie starb 2019 in Hamburg.

Aufgeschrieben von Anna Siemer

Ariane Alter

Ariane Alter oder, wie sie die meisten kennen, „die Ari von Puls” ist deutsche Fernsehmoderatorin, Journalistin und Podcasterin. Ihre Karriere begann mit einem Praktikum beim Radiosender Jam FM – inzwischen moderiert die 35-Jährige ihre eigene Late-Night-Show„Late Night Alter”. Dazwischen finden sich viele Stationen: Schauspielunterricht am Improvisationstheater, ein Volontariat bei MTV, Moderation einer Nintendo-News-Sendung und Dokumentarfilme für Red Bull TV. Große Bekanntheit erlangte die Berlinerin durch ihre Arbeit bei „Puls Reportage“, bei der sie Selbstversuche startet oder Menschen durch ihren oft schwierigen Alltag begleitet.

Auch das Thema Sex stand bei Ari schon öfter auf der Agenda: Sie war als Außenreporterin für die Talkshow „Heiß & Fettig” aktiv und moderiert den Podcast „Im Namen der Hose”. Sie hinterfragt bei ihrer Arbeit Stereotype, gibt Menschen eine Plattform, über ihre Probleme zu sprechen und bleibt dabei authentisch, unterhaltsam und ehrlich. Zuletzt können wir Ari für ihre besonders einprägsame Stimme danken und ihr herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag wünschen, denn die Gute wird heute 35 Jahre alt! *Party Gif*

Aufgeschrieben von Lea Hruschka

Margarete Stokowski

Margarete Stokowski ist eine feministische Autorin & Journalistin, provoziert gerne und viel. Sie ist Liebhaberin von CBD-Öl (wie ihre Instagram-Stories verraten), hat Zitate in Postkartenform käuflich gemacht (unter “Das Matriarchat lässt grüßen”) und ihre Abschlussarbeit über Simone de Beauvoir geschrieben.

Stokowski schreibt in ihrer Kolumne “Oben und Unten” (im Spiegel) über aktuelle gesellschaftliche Themen. Sie ist die Autorin des Bestsellers “Untenrum frei”, in dem sie sowohl persönliche, als auch strukturelle Erfahrungen und Tatsachen rund um das Thema Feminismus beleuchtet. Der Titel ihrer Essay-Sammlung “Das Ende des Patriachats”, zeigt, dasses Stokowski oft darum geht, die Ermächtigung von Frauen, das Aufdecken von strukturellen Benachteiligungen und das Aktiv-werden in diesem Bereich anzustoßen.

In ihrer Rede zur Verleihung des Tucholsky-Preises 2019 sprach Stokowski auch über Frauenfeindlichkeit, Gewaltandrohungen und die Untätigkeit des Staates in diesem Zusammenhang:

„Sprache ist eine Waffe. Haltet sie scharf.“ Das ist eine Aussage von Tucholsky, die gerne zitiert wird, und ich finde sie gut, aber diese Waffe haben nicht nur wir, sondern auch die anderen: diejenigen, die Hass verbreiten, die mit Gewaltandrohungen reagieren.”

Aufgeschrieben von Laura Kohler

Georgine Kellermann

Georgine Kellermann begann ihre Karriere im Fernsehen beim WDR. Seit den frühen Achtzigern arbeitet sie für die Öffentlich-Rechtlichen, ob fürs ARD-Morgenmagazin oder als Auslandskorrespondentin in Washington und Paris. 2019 wurde sie Studioleiterin des WDR-Studios in Essen. In diesem Jahr outete sich die damals 62- Jährige außerdem als trans Frau vor ihren Kollegen und der Öffentlichkeit. Privat und im engsten Bekanntenkreis lebte sie schon länger als Frau. Vor ihrem öffentlichen Coming-Out hatte die Journalistin Sorge, dass ihre journalistische Kompetenz aufgrund ihrer Geschlechtsidentität hinterfragt werden würde. „Ich bezweifle, dass mein berufliches Leben so gelaufen wäre, wenn ich es in den 80er Jahren gemacht hätte,“ reflektiert sie über ihr Coming-Out in einem Interview mit dem WDR. Inzwischen sei die Gesellschaft aber toleranter geworden. Ihr persönliches Umfeld und ihre Arbeitskolleg*innen würden sie voll akzeptieren und unterstützen.

Aufgeschrieben von Maria Menzel

Linda Zervakis

Es ist der 20. Januar 2021. Linda Zervakis postet ein Video auf ihrem Facebook-Account, in dem zu sehen ist, wie Sie die Tagesschau abmoderiert. „Wir melden uns wieder um 22:15 Uhr mit den Tagesthemen. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Abend“. Die Kamera, die bis dahin frontal gefilmt hat, schwenkt um, und zeigt das seitliche Profil. Zu sehen ist Frau Zervakis, die am Sprecherpult steht. Obenrum in eine seriöse, weiße Bluse mit senfgelbem Jackett gekleidet, untenrum in eine königsblaue Hose. Erst als Linda Zervakis vom Pult wegtritt und entspannt, mit einer Hand in der Hosentasche, an der Kamera vorbeiläuft, ist zu erkennen, was einem an diesem Anblick so irritiert. Bei dem Outfit handelt es sich nicht um den typisch seriösen Hosenanzug, sondern um eine Kombi aus Oben schick und Unten lässig. Die vermeintliche Anzugshose entpuppt sich als einfache, sportliche Jogginghose, die so gar nicht, in den formellen Hintergrund des Tagesschau-Studios passen will. Wer für diesen „Schmunzler“ eine Antwort sucht, findet sie direkt unter dem geposteten Video. „Heute ist internationaler Tag der Jogginghose. Let´s Fetz“, kommentiert Zervakis.

Es ist nicht das erste Mal, das die 45-jährige Deutsch-Griechin für einen Lacher sorgt. Erst 2018 veräppelte sie mit der ehemaligen Eiskunstläuferin Katharina Witt ihren Tagesschau-Kollegen Ingo Zamperoni für die Sendung „Verstehen Sie Spaß“. Und auch ansonsten ist sie nicht nur als Tagesschau-Sprecherin bekannt, sondern auch für die Moderation von zahlreichen anderen Fernsehformaten, als Podcasterin oder Autorin.

Heute blickt Zervakis auf eine erfolgreiche berufliche Laufbahn zurück, die sie so ursprünglich gar nicht geplant hatte. Von ihrem Wunsch Stewardess zu werden ist heute nur noch der blaue Hosenanzug übriggeblieben.

Nach dem Abi im Jahr 1994 macht die Tochter griechischer Eltern, die in den 60er Jahren als Gastarbeiter nach Deutschland gekommen sind, ein Praktikum bei der Webeagentur BBDO. Anschließend folgt ein Volontariat beim Radiosender Energy Hamburg und der Produktionsfirma Schwarztzkopff TV. 2004 erfolgt dann der Wechsel zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk, bei dem sie zunächst als Nachrichtensprecherin und Redakteurin für N‑JOY tätig ist.

Die hohe Bereitschaft lange und hart zu arbeiten kommt nicht zuletzt von ihren frühen beruflichen Anfängen im Kiosk-Laden ihrer Eltern. Während andere nach dem Abi Freizeit hatten, habe sie sogar feiertags und sonntags im Kiosk ihrer Eltern gearbeitet und das, bis sie dreißig Jahre alt war. „Ich kann arbeiten bis zum Umfallen“, erzählt die gebürtige Hamburgerin im Podcast der Zeit „Frisch an die Arbeit“. Und das merkt man. Nach 5 Jahren beim NDR, übernimmt sie im Februar 2009 die Vertretung für Gabi Bauer und Ingo Zamperoni, und moderiert das Nachtmagazin. Im Februar 2010 fängt sie als Sprecherin der Tagesschau an. Dort wird sie drei Jahre später die Nachfolgerin von Marc Bathor, als Sprecherin der Hauptausgabe der Tagesschau um 20:15 Uhr. Sie ist damit die erste Person mit Migrationshintergrund, die abends im ersten Deutschen Fernsehen das Publikum mit den Worten: „Guten Abend meine Damen und Herren, ich begrüße Sie zur Tagesschau“ empfängt.

Dass Linda Zervakis immer wieder auf diese „Rolle“ als erste Tagesschausprecherin mit Migrationshintergrund angesprochen wird, verarbeitet sie unteranderem in ihrem Podcast „Linda Zervakis präsentiert: Gute Deutsche“. In diesem Podcast, der in Zusammenarbeit mit Spotify entstanden ist, spricht Zervakis mit prominenten Gästen, wie Gerald Asamoah, Kida Ramadan oder Palina Rojinski darüber, was es bedeutet in Deutschland, als Kind von Einwanderern, groß zu werden. Mit viel Humor, aber auch der nötigen Sensibilität, die das Thema mit sich bringt, möchte die Tagesschau-Sprecherin herausfinden, was die Menschen daran nervt, wann es ihnen womöglich Vorteile verschafft und wann sie darauf reduziert werden, einen Migrationshintergrund zu haben. Dabei beschreibt sie sich im Teaser zu ihrem Podcast selbst als griechische Hamburgerin und andersherum, die immer irgendwie zwischen den Stühlen stehe.

Bevor ich mich mit Linda Zervakisim Rahmen dieses Artikels intensiver befasst habe, kannte ich sie hauptsächlich als Tagesschau-Sprecherin. Als eine Journalistin, die die für das öffentlich-rechtliche Fernsehen seriöse und qualitativ hochwertige Arbeit leistet. Heute sehe ich Linda Zervakis als eine humorvolle, kreative Frau, die nicht nur Tagesschau-Sprecherin und Moderatorin ist, sondern auch Autorin, Podcasterin und geliebter Gast bei TV- und Talkshows. Vor allem aber sehe ich sie als eines: Eine Journalistin und Frau, die mit und über die Menschen berichtet und versucht, dieses Land durch ihre Aufklärungsarbeit ein kleines bisschen besser zu machen.

Sie vereint Dinge, die für manche auf den ersten Blick womöglich nicht zusammengehören. Frau und Erfolg. Migrationshintergrund und Tagesschau-Sprecherin. Seriöse Journalistin und humorvolle Komplizin bei „Verstehen sie Spaß“. Linda Zervakis ist damit ein Vorbild dafür, dass es möglich ist als Frau und Mutter zweier Kinder im deutschen Journalismus Fuß zu fassen. Und wer weiß, vielleicht finden durch Linda Zervakis auch die Jogginghose und die offizielle Dienstkleidung der Tagesschau zusammen. Zutrauen würde ich ihr dies zumindest.

Aufgeschrieben von Paula Eberhardt

Dunja Hayali

Dunja Hayali ist eine der bekanntesten deutschen Journalistinnen und Fernsehmoderatorinnen. Sie moderiert das ZDF-Morgenmagazin und die politische Talkshow ZDFdonnerstalk mit dem Titel „dunja hayali“. Außerdem ist sie Moderatorin beim ZDF-Sportstudio. Zuvor war sie Co-Moderatorin im ZDF heute-journal. Sie studierte an der Deutschen Sporthochschule Köln. Die Tochter irakischer Eltern setzt sich sehr für eine offene und tolerante Gesellschaft ein, dafür wurde ihr das Bundesverdienstkreuz überreicht.  Für ihre politische Berichterstattung bekam sie 2016 die Goldene Kamera verliehen. In ihrer Rede sprach sie damals auch über die Anfeindungen und den Hass, die sie im Alltag und im Netz immer wieder erlebt.

Sie ist bekannt dafür, dass sie trotzdem immer wieder den Dialog mit Menschen aus dem rechten Spektrum sucht. Sie berichtet von rechten Demonstrationen und setzt sich dabei bewusst den Gefahren aus, die Journalist*innen dort begegnen.

Sie möchte zuhören, deren Argumente und Sorgen kennenlernen, will aufklären über die Arbeit der Medienschaffenden. Dabei versucht sie sachlich, wertfrei und unironisch zu bleiben. Auf Hassposts und Briefe reagiert sie mit Argumenten und schlagfertigen Antworten. Sie beantwortet viele der Nachrichten, geht auf Kritik ein. Sie möchte Verständnis für beide Seiten zeigen und schaffen. Dies sei aber nur möglich, solange man sich dabei respektvoll begegnet und nicht fremdenfeindlich äußert. Wer sich rassistisch äußere, der sei Rassist, stellte sie in ihrer Dankesrede 2016 klar. Sie machte deutlich, dass Journalist*innen auch Fehler machen, aber deswegen noch keine Lügner seien und forderte die Menschen zum Austausch auf. In ihrem Buch „Haymatland“ erzählt die Hundeliebhaberin von der Geschichte ihrer Eltern, ihrer eigenen Kindheit, schreibt über Heimat und Fremdenfeindlichkeit in Deutschland.

Zitat: “Beim Suchen nach Lösungen, beim Ringen nach Kompromissen, bei der Art der Berichterstattung über Flüchtlinge: Legen Sie doch gerne den Finger in die Wunde und streiten Sie mit uns. Diskutieren Sie mit uns. Weisen Sie uns auf Fehler hin. Wir sind Journalisten, wir sind keine Übermenschen, wir machen Fehler. Deshalb sind wir noch lange keine Lügner.”

Aufgeschrieben von Mirjam Prell

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