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Hutgeld statt Gage

Hutgeld statt Gage

Für das dritte Juliwochenende werden jährlich zahlreiche Straßenkünstler in die Weltkulturerbestadt geladen, um Einwohner und Touristen gleichermaßen zu verzaubern. Auch 2016 hatte das Internationale Straßen‐ und Varietéfestival für jeden Geschmack etwas zu bieten.
Titelbild: Ann‐Charlott Stegbauer

Es war an diesem Wochenende eine Herausforderung, sich durch die Bamberger Innenstadt zu bewegen. Zum einen drängten sich riesige Menschenmassen durch die engen Gassen, auf dem Maxplatz und dem Grünen Markt. Jeder Quadratmeter, der nicht von Passanten besetzt war, beherbergte eine Bude, Bierbänke oder eine improvisierte Bühne. Zum anderen gab es alle paar Meter etwas Neues zu entdecken: Super Mario, Biene Maja und Einhörner als Luftballons, Popcorn und gebrannte Mandeln, frisch geschminkte Kinder und allerlei Verkaufsstände. Und natürlich Akrobaten, Magier, Jongleure, Clowns, Feuertänzer, Komiker und alle möglichen Arten von Straßenkünstlern. 120 Akteure aus 14 Nationen präsentierten auf 25 Auftrittsflächen ihr Können. Wie sollte man da nur vorwärtskommen?

Foto: Ann-Charlott Stegbauer
Foto: Ann‐Charlott Stegbauer

Dicke Luft(ballons)
Das Internationale Straßen‐ und Varietéfestival “Bamberg zaubert” hat Tradition. Bereits zum 18. Mal verwandelte sich das Bamberger Stadtzentrum in eine gigantische Freiluftbühne. Auch in diesem Jahr waren die Shows ausgesprochen vielfältig. Der Italiener Otto il Bassotto hatte sich auf Luftballons spezialisiert, auch wenn diese ihm im wahrsten Sinne des Wortes manchmal über den Kopf wuchsen. Während der Vorführung suchte er Unterstützung, ein kleiner Junge meldete sich freiwillig und betrat die Bühne – doch schon wenige Augenblicke später schien er diesen Schritt bitter zu bereuen, war sogar den Tränen nahe. Ottos Aufmunterungsversuche waren vergebens, so richtige Freude wollte bei dem Bühnengast nicht aufkommen. Also durfte er zurück ins Publikum. Mit dem nächsten Freiwilligen hatte Otto mehr Glück: Der Junge strahlte, machte eifrig mit und fuhr am Ende stolz mit seinem neuen Ballonmotorrad zurück auf seinen Platz. Der Höhepunkt der Vorführung war ein riesiger Ballon, in dem der Straßenkünstler Stück für Stück verschwand, bis er sich schließlich ganz im Ballon befand. Doch auch ohne Sichtkontakt gelang es dem Italiener problemlos, sein Publikum bei Laune zu halten, bis er schließlich wieder aus dem Ballon herauskroch.

Foto: Ann-Charlott Stegbauer
Foto: Ann‐Charlott Stegbauer

Es ist Otto und seinen Kollegen zu wünschen, dass sich die Begeisterung der Zuschauer auch in seiner Kopfbedeckung wiedergefunden hat. Denn die Künstler erhalten für ihre Darbietungen keine Gage. Das Stadtmarketing als Veranstalter übernimmt Reise‐ sowie Übernachtungskosten und eine Verpflegungspauschale, aber die Entlohnung selbst ist dem Publikum überlassen. So wird am Ende jeder Show ein Hut aufgehalten, in dem Münzen klimpern und Scheine knistern sollen. Wer das Festival allgemein unterstützen möchte, kann dies durch den Kauf eines Programmheftes oder des Festivalabzeichens tun.

Feuer und Flamme
„Wir finden es sehr nett, dass wir immer wieder eingeladen werden“, freute sich Feuerstern. Das Duo bot zum wiederholten Mal eine Feuershow bei „Bamberg zaubert“. Es dauerte ein bisschen, bis die Organisatoren das Publikum weit genug zurück komplimentiert hatten – kein Wunder, die Zuschauer warteten oft über eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn, um sich die besten Plätze zu sichern. Die wurden dann natürlich nicht gerne aufgegeben. Doch dann war auch das geschafft und unter dem Einsatz diverser Feuer‐Schwing‐Geräte zauberten die beiden ein wahres Feuerwerk auf den Grünen Markt, ohne eine einzige Rakete zu zünden.
Nach drei Tagen ist der Zauber stets wieder vorbei. Die Künstler reisen ab, die Buden werden abgebaut, die Fortbewegung durch die Innenstadt wird wieder etwas einfacher. Aber ein bisschen Magie haben wir in Bambergs zauberhafter Altstadt ja zum Glück das ganze Jahr über.

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