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Frauen des Jahrhunderts

Frauen des Jahrhunderts

Hundert Jahre Frauenwahlrecht – zu diesem Anlass gab es am 8. März 2018 auf dem Bamberger Maxplatz eine Mitmach-Aktion. Die GAL (Grün-Alternative Liste) lud zur Wahl der Frau des Jahrhunderts ein.
Foto: Kristina Kobl

Genau vor 100 Jahren, im Jahr 1918, durften Frauen zum ersten Mal wählen, nachdem sie selbst für dieses Recht schwer gekämpft hatten. Am Donnerstag organisierte die GAL Bamberg eine Aktion zur Feier des Wahlrechts: „Wählt eure Frau des Jahrhunderts!“ So wurden auf dem Maxplatz Passanten motiviert, einen Zettel mit dem Namen ihrer Lieblingsfrau in die Wahlurne zu stecken.

Dazu gab es einiges an Inspiration: An einer Wäscheleine hingen Bilder von elf berühmten Frauen, die in den letzten hundert Jahren für die Gesellschaft von besonderer Bedeutung waren. Darunter Schriftstellerin Astrid Lindgren, Ex-First Lady Michelle Obama, Politikerin und Frauenrechtlerin Helena Lange, Schauspielerin Emma Watson sowie Kinderrechtsaktivistin Malala Yousafzai, die im Alter von nur 17 Jahren den Friedensnobelpreis erhielt. Auf der Vorderseite je ein Foto der Kandidatin, auf der Rückseite ein Zitat sowie eine kurze Beschreibung der Person. Jede der Frauen hat eine inspirierende Geschichte und setzte sich in verschiedenster Weise für Frauenrechte und Menschenrechte ein. Doch nicht nur die vorgeschlagenen Frauen standen zur Wahl. Es durfte auch jeder seine persönliche Frau des Jahrhunderts wählen, sei es Mama, Oma oder Ehefrau. Einige kamen schon vorbereitet: So brachte zum Beispiel eine Frau ein Bild der französischen Schriftstellerin und Feministin Simone de Beauvoir mit und hängte es mit an die Wäscheleine.

„Das Ganze ist eine symbolische Angelegenheit“, erklärt Ursula Sowa, Fraktionsvorsitzende der GAL im Bamberger Stadtrat, die gemeinsam mit ihrem Team die Aktion organisierte. In einer Arbeitsgruppe aus elf Frauen hatte jede ihre Lieblingsfrau des letzten Jahrhunderts für die Wahl nominiert. Dabei wurde darauf geachtet, dass Frauen aus unterschiedlichen Zeiten repräsentiert wurden. Außerdem hauptsächlich Frauen, die kulturell oder politisch aktiv sind. „Die Reaktionen sind weitgehend positiv. Auch viele Männer wählen mit“, so Sowa. „Außerdem kam eine Spanierin vorbei, die sonst in Deutschland nicht wählen darf. Das war für sie etwas ganz Besonderes, dass sie hier ihre Frau des Jahrhunderts wählen durfte.“

„Ich spreche so schnell, weil Frauen 2000 Jahre lang nicht viel zu sagen hatten und das jetzt nachholen müssen.“

(Petra Kelly, Politikerin)

Am Ende des Tages waren 115 Stimmzettel in der Wahlurne – weit mehr als von den Organisatorinnen erwartet. Den ersten Platz teilen sich Schriftstellerin Astrid Lindgren und Friedensnobelpreisträgerin Malala Yousafzai. Ein gutes Dutzend der Stimmen ging an Frauen aus dem direkten Umfeld der Wähler. „Frauen müssen nicht berühmt werden, um unsere Gesellschaft wirkungsvoll mitzugestalten. Genau dazu wollen wir ermutigen“, betont Sylvia Schaible, die ebenfalls die Wahl mitorganisierte. Bei der Aktion ging es nicht in erster Linie darum, eine Siegerin zu küren. Vor allem sollte darauf aufmerksam gemacht werden, wie viele Frauen sich in den letzten hundert Jahren weltweit engagierten und noch immer engagieren.

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