Schließen
Wie im falschen Film

Wie im falschen Film

Gerrit Zachrich und Diana Linz sind die Betreiber des Odeon- und Lichtspielkinos in Bamberg. Der Ottfried hat mit ihnen über ihre Erfahrungen während des Corona- Shutdowns, ihre Mission und ihr Publikum gesprochen.

Fotos: Maria Menzel, Grafik: Kim Becker

Das Lichtspielkino wird am 31. Mai 25 Jahre alt. „Wir hatten eigentlich eine große Feier geplant, mit einem Stummfilm zu Livemusik und einem Konzert,“ erzählt Diana Linz. Sie betreibt zusammen mit Gerrit Zachrich das Lichtspiel- und Odeonkino. Wegen der Coronavirus-Pandemie musste die Geburtstagsfeier abgesagt werden, ihre Programmkinos darf seit über zwei Monaten kein Publikum mehr betreten. Gerrits Kinomacher Karriere begann mit dem Lichtspiel, Diana ist 2000 dazugestoßen. Sonst haben ihre beiden Kinos fast das ganze Jahr über offen.

Am 17. März 2020 mussten alle Freizeiteinrichtungen in Bayern ihre Türen auf unbestimmte Zeit schließen. Wie haben Diana und Gerrit den Shutdown wahrgenommen? „Wir haben in den zehn Tage vor dem Shutdown schon gemerkt, dass sich immer weniger Menschen ins Kino getraut haben,“ erinnert sich Gerrit. Vor allem ältere Kund*innen hätten ihre vorgebuchten Karten storniert.

Diana erzählt: „In den ersten drei Tagen waren wir eigentlich nur damit beschäftigt, Stornierungen entgegen zu nehmen. Es haben vor allem Lehrer*innen angerufen, um Schulvorstellungen abzusagen.“ Die Kinobetreiber*innen bieten neben ihrem selektiven Filmprogramm für private Kinogänger*innen nämlich auch pädagogische Filmvorstellungen für Schulklassen an. Sie laden Referent*innen ein und arbeiten mit dem Kultusministerium zusammen, um den Lehrer*innen zum Film passende Materialien zur Verfügung zu stellen. Die Schulvorstellungen seien ihre Haupteinnahmequellen im Sommer, wenn die Zahl der anderen Kinogänger*innen zurückgeht.

„Es tat in der Seele weh, alles abzusagen, denn plötzlich waren drei Monate Arbeit einfach… weg,“ meint Diana mit einem trockenen Lachen. Ihre 21 Mitarbeiter*innen müssen sie in Kurzarbeit schicken. Events wie Regiebesuche, Sondervorstellungen oder die Schulkinowoche Bayern, die für Ende März geplant war, müssen kurzfristig abgesagt werden und Geld zurückgezahlt werden.

„Wir sind in Bamberg für eine gute Filmauswahl zuständig.”

Obwohl man ihre Kinos nicht mehr betreten kann, wollen Diana und Gerrit den Bamberger*innen Hoffnung spenden. Die unverkennbare Leuchtreklame des Odeons ziert statt Filmzeiten nun alle zwei Wochen ein neues Zitat aus der Filmgeschichte, wie „Das Leben ist wie ein Film, nur das Genre kannst du dir nicht aussuchen.“

„Wir sind in Bamberg für eine gute Filmauswahl zuständig. Diese Mission wollten wir auch mit geschlossenen Türen erfüllen,“ sagen die beiden Kinomacher. Deshalb entschieden sie sich dazu, Partnerschaften mit kleinen Filmverleihen einzugehen. Diese bieten online die Möglichkeit an, sich gegen ein Entgelt ausgewählte Filme anzuschauen. Ein Teil dieses Entgeltes wird dann an ein lokales Kino gespendet, welches die Kund*innen auswählen kann. Für das ultimative Heimkinoerlebnis gibt es außerdem jeden Samstagnachmittag einen Kinosnackverkauf aus der Eingangshalle des Odeons heraus.

“Die Reaktionen der Leute haben uns Kraft gegeben.”

Gerrit und Diana freuen sich über das positive Feedback, dass sie seit der Schließung schon bekommen haben — sowohl on — als auch offline. Der Lichtspielfreunde e.V., der Förderverein der beiden Kinos, hat schon zwei Tage nach der Kinoschließung ein Spendenkonto für ihren Erhalt eingerichtet. Auf betterplace.me, einer Crowdfunding-Webseite, wurden inzwischen über 8 000 Euro für das Lichtspiel und Odeon gesammelt. „Wir freuen uns, euch bald wiederzusehen!“ oder „Ohne das Lichtspiel- und Odeonkino ist Bamberg nur halb!“ schreiben die Kinofans zu ihren Spendenbeiträgen.  „Es war einfach eine Welle an Solidarität, Wärme und Begeisterung. Die Reaktionen der Leute haben uns Kraft gegeben,“ bedanken sich die beiden Kinomacher.

Diana ist zuversichtlich, dass sie mit so einem tollen Publikum alles schaffen können. Trotzdem wissen die beiden, dass es selbst nach einer Wiederöffnung schwierig bleiben wird. „Alles wird anders sein,“ sagt Gerrit. „Wir müssen bei jedem Filmwechsel die Sitze, Armlehnen und Tische desinfizieren. Sonst haben wir uns zwischen den Filmen keinen großen Zeitpuffer gelassen, damit wir möglichst viele Filme zeigen können.“ Weniger Filme, aber auch weniger Gäste könnten nach einer Wiedereröffnung zum Problem werden. „Wer weiß, ab wann sich die Leute wieder trauen, ins Kino zu gehen?“ fragen sich die beiden besorgt.

Der letzte Akt ist also lange noch nicht erreicht. „Wir planen, den 25. Geburtstag des Lichtspiels im nächsten Jahr nachzuholen, also eine 25 +1 Party“, erzählt Diana. Ob diese, und viele weitere filmreife Momente, in Bamberg gefeiert werden können, hat das Publikum in der Hand. Dieses Mal können die Zuschauer entscheiden, ob dieser Film ein Happy End haben wird.

Wer das Lichtspiel und Odeon finanziell unterstützen will, kann auf das Spendenkonto der Lichtspielfreunde e.V. einen beliebigen Betrag überweisen. Die Bankdaten lauten: Johannes Wagner-Friedrich, Sparkasse Bamberg, IBAN DE38 7705 0000 0303 2914 21, bitte vermerken: **Verwendungszweck: Gutes Kino.* Online kann man unter https://www.betterplace.me/lichtspiel-und-odeon-unterstuetzen spenden. Wer einen Gutschein für einen zukünftigen Kinobesuch kaufen will, kann dies unter https://www.lichtspielkino.de/kinogutschein/ oder samstags von 12–15 Uhr beim Odeon.

Schließen