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Was Bamberger*innen auf Spotify hören

Was Bamberger*innen auf Spotify hören

Anfang Mai habe ich die Bamberg-Playlist entdeckt, die Spotify aufgrund der meistgehörten Lieder der Bamberger*innen erstellt. Sie umfasst 100 Lieder und verändert sich jede Woche zum New Music Friday. Was hören wir Bamberger*innen also aktuell am meisten?

Foto: sgdcdesignco

Die Überraschung war groß: das, was Spotify zeigt wirkt, als würden fast nur Studis in Bamberg wohnen. Doch immer im Hinterkopf behalten: etwa 30 Prozent der Spotify-Nutzer*innen sind zwischen 20 und 29 Jahren alt. Das heißt, sie zeigt uns eher nur die Hörgewohnheiten der jüngeren Bamberger*innen. Genug Einleitung. Was hören wir am meisten und was sagt das über uns aus?

(Studi-)Rap rules

Einen riesigen Anteil der gelisteten Musik kann man wohl in die Kategorie des Studi- und soften Raps zählen. Um ein paar zu nennen: Moop Mama, Goldroger, Mine und Fatoni, Käptn Peng und die Tentakel von Delphi, Fynn Kliemann, KUMMER, Das Lumpenpack, Trailerpark, Karftklub, Casper + Marteria, Alligatoah. Wir kennen und manche lieben sie. Es gibt nahezu keine WG-Party-Playlisten, auf denen sie fehlen. Wir fühlen ihre Texte – ob deep oder energetisch.

Bis hierhin klingt die Musik, die Bamberg hört, nach Porridge: einfach zu verdauen, aber manche Tracks müssen eine Nacht ruhen, bis sie die komplette Wirkung erzielen.

German und Austrian Indie(-Rock)

OK und auch das war vorhersehbar: Some Sprouts, Wanda, Giant Rooks, Von Wegen Lisbeth, KYTES, Rikas, Provinz, Leoniden, AnnenMayKantereit, Bilderbuch, JEREMIAS, Mighty Oaks.

(Cringe-Warnung!) Wir dancen gerne alone in unseren Rooms oder Bungalows bis der Lieferando-Mann klingelt und wir das bestellte Sushi zum Rest vom vietnamesischen Essen neben das Bett stellen. Für uns ist das schon okay so. Vielleicht, vielleicht sind wir eben einfach noch zu jung und können noch gar nicht richtig wissen, was wir wollen. Naja, fürs Erste reicht auch einfach gute Mucke und ein bisschen Sonnenschein!

Ich denke die Porridge Metapher passt weiter ganz gut: easy-going und smooth; oft gemischt mit ein bisschen Nostalgie – so gefällt es uns Bamberger*innen also.

Wo bleiben Mainstream-Tracks?

So weit so gut, aber wo bleiben Lieder, die gerade in den Charts und der Modus Mio zu finden sind? Capital Bra und ähnliche Rapper (gerne mit dem Ende –ero) sind in der Bamberger Playlist nicht auffindbar. Zugegeben, ein paar Tracks aus dem Mainstream haben einen Platz in der Playlist, beispielsweise „Vermissen“ von Juju und Henning May oder „New York“ von Trettmann und Kitschkrieg. Aber moderner Mainstream ist das nicht. Aktuelle US-Hits wie „Blinding Lights“ und „Toosie Slide“ haben es nicht in die Liste geschafft. Im Gegensatz dazu steht Bamberg wohl auf Underdogs. Zumindest sind dem Mainstream unbekannte Rapper wie dusy, Rex66, basi und $OHO BANI in der Playlist zu finden.

Tatsächlich sieht die Trackliste eher nach einer gegen-den-Strom-Mentalität aus als ein Anpassen und Mainstream hören. Denn statt Interpret*innen wie Loredana und Samra haben Frittenbude und Feine Sahne Fischfilet einen Platz in der Playlist.

Was sagt das über Bamberger*innen aus? Anscheinend haben wir nicht viel für Rolex-Daytona-Rap übrig und gönnen uns lieber ab und an Mucke mit Haltung. Und für den Porridge heißt das: Zimt? Nein! Natürlich kommt nichts Braunes in den Porridge. Vielmehr kommt ein bisschen Mandelmus drüber – weil wir so individuell und thoughtful sind.

… und massig Punchlines

Neben Studi-Rap findet man in der Playlist einige Artists, die den Fokus auf Beats und Punchlines setzen. Aus dem kantigeren Bereich sind BHZ, die 102 Boys, Lance Butters und Lugatti & 9ine dabei und mit Yung Hurn, LGoony und Money Boy kommt ein bisschen cloudy Swag dazu.

Das bedeutet: ein Topping fehlt noch auf Bambergs Musik-Porridge. Die saftigen Punchlines stehen natürlich für frisches Obst, das wir noch oben drauf drapieren.

Fazit:

Die Liste sieht nach einer bunten Mischung aus: softer Rap, Indie, Underdog-Mucke und Deutschrap. Die Charts kommen da viel eintöniger daher. Aber abgesehen vom Musikstil ist da noch deutlich Luft nach oben. Leider ist die Playlist sehr männlich geprägt. Wer die Quotierung der Musikwahl ein bisschen optimieren möchte, kann sich hier mal unsere Empfehlungen für weibliche und queere Musik anschauen!

Und hier findest du die Playlist:

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