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Vorgespielt: No pink, no blue

Vorgespielt: No pink, no blue

Kinder kriegen? Ja, nein, vielleicht? Aber was, wenn man gar nicht die Wahl und die Natur schon entschieden hat, dass nein. No pink, no blue: Wie ein Wunsch zur Manie wird. Nach Federico García Lorcas Yerma.
Foto: Theresa Fleckenstein

“It’ll get better. Soon. You’ll see.” Als wäre es eine Krankheit, deren Besserung man sich versichern müsse, spricht ihr Ehemann über ihren Kinderwunsch. Sie, das ist die Hauptperson, man erfährt ihren Namen nicht. Ihr Ehemann, das ist John, der nur sie will. Ihre Schwester, das ist jemand, der Kinder kriegen kann und ihre Mutter jemand, der keine wollte. Sie, ihre Schwester und ihre Mutter porträtieren drei ganz unterschiedliche Frauen: Die Karrierefrau, perfektionistisch in allen Lebensbereichen. Ihre Schwester, aus Versehen, aber dennoch bequem in einer unglücklichen Beziehung Kinder kriegend. Und ihre feministische Mutter, angeekelt von allem, das nach Verpflichtung aussieht, aber amüsiert davon, ihren Kindern beim Leben zuzusehen.

Auf einer minimalistischen Bühne, lediglich ausgestattet mit Stuhl, Couch und Pflanze, begleitet man sie in ihren Dreißigern. Der Wunsch nach einem Kind kommt auf und wird über die Jahre immer stärker. Ihre Ehe, die Beziehung zu ihrer Schwester und ihrer Mutter werden zunehmend überschattet, als sich dieser Wunsch nicht erfüllt. In ihrer Arbeit als Online-Journalistin trifft sie jedoch den Zeitgeist all derer, die ebenfalls dem gesellschaftlich vermittelten Bild zustreben: ein Spagat zwischen Karrierefrau und Mutter. Dieses Streben wird mehr und mehr zum Wahn, bis das Stück schließlich mit einem Blackout endet.

Foto: Theresa Fleckenstein

Mit ihrer schauspielerischen Leistung bringen die neun Studierenden der Bamberg University English Drama Group das Stück besonders eindringlich nahe. Das Publikum bleibt zurück, stumm beeindruckt. Unsicher, ob klatschen jetzt überhaupt angebracht ist, denn kann man das beklatschen, dieses Schicksal? Man schwankt zwischen Gefühlen des Verständnisses für sie, aber auch des Unverständnisses für ihre Manie. Es wird deutlich, wie zerrissen eine Frau im Selbstoptimierungswahn unserer Gesellschaft sein kann. Und, wie man etwas umso mehr möchte, weil man es nicht haben kann.

Am Donnerstag, den 19. Juli wird die Bamberg University English Drama Group das Stück “No pink, no blue” ein letztes Mal aufführen: um 20 Uhr in der Stadtbücherei Bamberg.

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