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Vorgespielt: Ein Sommernachtstraum

Vorgespielt: Ein Sommernachtstraum

Eine Hochzeit, vier Liebende und ein Kobold, der alles durcheinanderbringt – das alles braucht es, um eins der beliebtesten Schauspiele auf die Bühne zu bringen. Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“ feierte am Samstag, den 30. Juni, in der Alten Hofhaltung Premiere. Die Inszenierung des E.T.A.-Hoffmann-Theaters zeigt, wieso es sich lohnt, diesem oft gespielten Klassiker erneut Aufmerksamkeit zu widmen.
Foto: Martin Kaufhold

Alles steht bereit, um in dieser lauen Sommernacht die Hochzeit von Theseus, Herzog von Athen, und der geraubten Amazonenkönigin Hippolyta zu feiern. Doch von Harmonie kann nicht die Rede sein. Während Theseus versucht, seine zukünftige Braut zu beruhigen, stattet ihm der wohlhabende Athener Egeus einen Besuch ab. Er bittet ihn darum, sein Recht als Vater geltend zu machen, denn seine Tochter Hermia will nicht tun, was er ihr sagt. Sie liebt Lysander, ist jedoch Demetrius versprochen. Dieser wird aber nicht von Hermia, sondern von der jungen Helena geliebt. Vor Angst, ihre Liebe nicht ausleben zu können, planen Hermia und Lysander ihre Flucht aus Athen. Gefolgt von Demetrius und Helena landen die vier Liebenden in einem magischen Hain, wo vier tollpatschige Handwerker bemüht sind, ein Theaterstück für die Hochzeitsfeier auf die Beine zu stellen und ein Ehekrieg zwischen dem Elfenkönig Oberon und seiner Königin Titania tobt. Die größten Irrungen und Wirrungen zeigen sich jedoch erst, als der freche Kobold Puck sein Unwesen mit den jungen Liebenden treibt und alle ins Chaos stürzt.

Passend zur wirren Geschichte: Die Inszenierung des E.T.A.-Theaters. Die Bühne des Stückes befindet sich unter freiem Sternenhimmel in der Alten Hofhaltung und verstärkt somit das Gefühl einer lauen Sommernacht. Dabei fügt sich auch das Bühnenbild ein: Die Kulisse besteht aus einem wolkigen Hintergrundbild, davor einzelne Baumstämme und Blumen, die die Bühne in einen Hain verwandeln.

„Oh ärgert euch an meiner Unschuld nicht! Die Liebe deutet, was die Liebe spricht.“

Doch nicht nur das Ambiente lässt das Schauspiel einmalig wirken. Es sind vor allem die Schauspieler und die Inszenierung des Stücks, die das Ganze sehenswert machen. Denn zwischen all den Reimen und Versen taucht auch mal das Wörtchen „dingsbums“ auf, Hermia nennt Lysander neckisch „Lülü“ und Lysander hält Helena zum Abschied die Faust hin. Diese modernen Details erzeugen eine gewisse Nähe zum Publikum, da der Zuschauer sich damit identifizieren kann. Die kluge Positionierung dieser humorvollen sprachlichen Einwendungen entlockt dem Zuschauer ein Lächeln. Genauso überzeugen auch die klassischen Szenen des Stücks, wie der leidenschaftliche Streit zwischen Hermia und Helena, der von den beiden Schauspielerinnen Marie Nest und Ronja Losert eindrucksvoll in Szene gesetzt wird.

Foto: Martin Kaufhold

Nicht etwa alte Kostüme, sondern modische Anzüge und Kleider tragen die jungen Darsteller, die im Kontrast zu Shakespeares Verssprache stehen. Durch die aufwendige Kostümierung des königlichen Elfenpaars kommt — neben dem Modernen — genügend Zauber auf die Bühne, denn als das Elfenpaar die Bühne betritt, erinnert die Kulisse an eine magische Feenwelt, was Shakespeares Schauspiel mit ausmacht.

Der Kobold Puck, eine der wichtigsten Figuren im Stück, wird von Eric Wehlan gespielt, der den Kobold grandios in Szene setzt und mit seinem schelmischen Grinsen und Lachen überzeugt. Für gleichermaßen viele Lacher sorgen auch die vier Handwerker, die verzweifelt ihr Theaterstück proben und es später vor Theseus und Hippolyta aufführen. Die Alte Hofhaltung wird als Schauplatz besonders genutzt, als Puck das bedeutsame Kraut sucht und es auf den Balkonen der umliegenden Häuser findet. Puck integriert auch das Publikum, als er sich, auf der Suche nach Demetrius, fragend durch die Reihen der Zuschauer schlängelt.

Foto: Martin Kaufhold

„Nun gute Nacht! Das Spiel zu enden, begrüßt uns mit gewognen Händen!“

Die Inszenierung des E.T.A.-Hoffmann-Theaters schafft aus Shakespeares beliebtester Komödie eine modernere Version, die jedoch mit Hilfe von vielen Details magisch bleibt und das Publikum in eine wilde, rauschhafte Sommernacht entführt, in der Traum zur Wirklichkeit wird. Durch Witz und Charme überzeugt das Ensemble und schafft das, was von einer Komödie erwartet wird: Es bringt sein Publikum zum Lachen.

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