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Vom Anfang bis zum Ende

Vom Anfang bis zum Ende

Die weltberühmte „Körperwelten-Ausstellung“ macht zurzeit in Regensburg Halt und fasziniert ihre Besucher mit dem „Zyklus des Lebens“. An plastinierten Menschen kann man eine Vorstellung davon gewinnen, was in unserem Inneren so vor sich geht.
Foto: Gunther von Hagens’ Körperwelten, Institut für Plastination, Heidelberg

Erbsengroß beginnen wir im Mutterleib heranzuwachsen. Gliedmaßen, ein Gesicht, die wichtigsten Organe und sogar winzige Finger bilden sich bereits in den ersten Wochen eines Fötus aus. Nach 40 Wochen sind wir soweit, dass wir unsere „Höhle“ verlassen und uns auf die Reise des Lebens begeben können. Wir lernen laufen, sprechen, wachsen immer weiter. Mit der Pubertät wird der menschliche Körper geschlechtsreif und bildet sich vollkommen aus. In der Mitte unseres dritten Lebensjahrzehnts sind wir am Höhepunkt unserer Leistungsfähigkeit angelangt und fangen danach an zu altern. Davor sollte man allerdings keine Angst haben. Dass der Körper faltig und schwächer wird ist der normale Lauf der Natur. Ganz am Ende, wenn der Körper alle Phasen durchlaufen hat und die Zellerneuerung ausgeschöpft ist, stirbt der Mensch. „Der Zyklus des Lebens“ bereitet uns bei einer Geburt Freude, aber auch Trauer, wenn ein Leben endet.

Gunther von Hagens und Angelina Whalley sind die Gründer der Ausstellung und faszinieren seit 23 Jahren ihre Besucher. Sie wollen darüber aufklären, wie der menschliche Körper funktioniert und dass auch Krankheiten und der Tod im „Zyklus des Lebens“ eine normale Rolle spielen. Möglich ist die Ausstellung von echten Menschen nur durch die Erfindung der Plastination, mit der von Hagens Unglaubliches gelang. „Durch die Technik der Plastination kann heute das Innere des Körpers detaillierter denn je dargestellt werden“, schreibt die Ausstellung „Körperwelten“ auf ihrer Webseite. Bei diesem Vorgang wird der Verwesungsprozess direkt nach dem Tod gestoppt. Haut, Muskeln, Sehnen, Nerven, Organe und Bindegewebe werden vom Skelett getrennt. Danach wird der Körper in ein Azetonbad gelegt, welches dem Leichnam das gesamte Wasser entzieht. Der zentrale Schritt bei der Plastination ist, dass Kunststoff durch eine gewisse Vakuum-Technik bis in die letzten Zellen des Körpers eindringt und so die ‚Figur‘ flexibel macht, um Knochen, Muskeln und Gelenke für die Ausstellung in eine bestimmte Position zu bringen. Das Ausstellungsstück wird gehärtet und bleibt so vor der Verwesung geschützt und für unbegrenzte Zeit haltbar. Verwendet werden für die „Körperwelten“ die Leichname von Menschen, die sich zu Lebzeiten dafür entschieden haben, ihren Körper der Wissenschaft zu spenden. Auf der ganzen Welt sind die „Körperwelten“ mit mehr als 45 Millionen Besuchern eine der erfolgreichsten Ausstellungen.

Foto: Gunther von Hagens‘ Körperwelten, Institut für Plastination, Heidelberg, www.koerperwelten.de

Es ist ein mulmiges Gefühl, inmitten der Toten zu stehen und jede Faser ihres Körpers betrachten zu können. In kleinen Gläsern schwimmen winzige Embryonen in einer chemischen Lösung. Von den ersten Wochen bis hin zum „fertigen“ Baby kann man den Wachstumsprozess anschauen. Die erwachsenen Ausstellungskörper sind in unterschiedlichen Positionen aufgestellt, sodass man den Körper in jeder Form kennenlernen kann. Die Exponate wirken allerdings durch die kräftigen Farben und den Glanz des Kunststoffes als wären sie unecht. Man vergisst beim Durchlaufen der Ausstellung immer wieder, dass diese Figuren einmal gelebt haben sollen. Faszinierend ist es aber allemal, jeden einzelnen Nervenstrang, Muskel und die Organe genauestens bestaunen zu können.
Neben dem Aufbau des Körpers klärt die Ausstellung ihre Besucher darüber auf, wie man den Alterungsprozess herauszögern und sich vor manchen Krankheiten wappnen kann. Gesunde Ernährung, ausreichend Schlaf, Lust und Liebe, sowie regelmäßige Bewegung sind für ein gesundes, langes Leben laut „Körperwelten“ elementar.
Pickel, Falten, Gelenkprobleme oder Rückenschmerzen sind im „Zyklus des Lebens“ ein ganz normaler Reifungsprozess, vor dem sich niemand von uns fürchten muss.

Bis zum 6. Mai kann die Ausstellung „Körperwelten“ noch in Regensburg im Donau-Einkaufszentrum besichtigt werden.

KÖRPERWELTEN AUSSTELLUNG
Wo: Im Donau-Einkaufszentrum, Regensburg Wann: 18.Februar bis 6.Mai 2018 Ticketpreise: 15€ für Studenten Öffnungszeiten: Mo-Fr 9-18 Uhr, Sa-So 10-18 Uhr Wie kommt man hin: Von Bamberg aus mit dem RE nach Regensburg, Fahrtdauer 2 Stunden Kosten für das Bayernticket: 25€/Person + 6€ je Mitfahrer Weitere Informationen: koerperwelten.de
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