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Swap your playlist: BIPOC-Musik auf die Ohren!

Swap your playlist: BIPOC-Musik auf die Ohren!

Wir müssen nicht nur den Rassismus in uns hinterfragen, sondern auch unsere bisherigen Entscheidungen. Dazu zählt auch, welche Musik wir gehört und welche Musiker*innen wir unterstützt haben. Wir machen den Swap: verwerfliche Musik raus aus der Playlist und Musik von Black, Indigenous und People of Color rein!

Collage: Kim Becker (Fotos aus den Instagram-Profilen der Künstler*innen)

Schwarze Musik ist überall. Nicht nur weil Hip-Hop, Rap, Techno und etliche weitere Genre ihren Ursprung in der Schwarzen Community haben. Sie ist überall abrufbar, hörbar. Dir fällt grade neben Beyoncé und Kanye West kaum jemand ein? Vielleicht kommst du jetzt so langsam auf internationale Musiker*innen, aber wie sieht es aus mit Artists, die in Deutschland ansässig sind? Theoretisch müsste BIPOC-Musik ebenso wie weiße auf unseren Playlisten und in den deutschen Charts zu finden sein, aber das ist oft nicht der Fall.

Weiße profitieren vom internalisierten Rassismus, also auch weiße Musik. Die Struktur der Musikindustrie ist rassistisch. BIPOCs haben sich ihre Bühnen für Musik erarbeitet, aber Weiße halten den Vorhang zu. Das kann auch passieren, ohne dass wir es so wollen. Denn: Wer nicht aktiv supportet, sorgt letztendlich dafür, dass dieser diskriminierende Zustand bleibt. Weiße müssen ihre Playlists updaten, upgraden. Dass wir das in Bezug auf eine Quotierung der Geschlechter tun sollten, haben wir bereits in einem anderen Artikel vorgeschlagen. In diesem Artikel findest du Inspiration deine Playlisten zu überarbeiten für ein gerechteres Support-Verhältnis von weißer und BIPOC-Musik.

Aber zunächst noch ein Gedanke: Wenn du schon dabei bist, Musik hinzuzufügen, kannst du gleich hinterfragen, ob die Tracks in deiner Liste ihren Platz (und durch die Streams deinen Support) verdient haben, oder? Letztendlich musst du das allein abwägen, aber wir geben dir hier einen kleinen Anstoß. Künstler*innen wie Xavier Naidoo, die sich durch rechte Hetze ihren Weg in die Schlagzeilen gebahnt haben, sollten nicht weiter unterstützt werden. Mit jedem „Dieser Weg“-Hören hältst du einen zu verachtenden Mann im Spotlight, während andere immer noch im Backstage warten müssen. Ebenso solltest du reflektieren, ob sexistische Musik in deiner Bibliothek stattfinden darf. Rapper, die Frauen online androhen, handgreiflich zu werden, verdienen keine Achtung. Fler kann also gekickt werden. Auch die 187 Straßenbande ist für ihre frauenverachtende Texte und Einstellung zu erfolgreich: weg damit! Wer gerne Deutschrap hört, hat sicherlich gleich ein paar weitere Musiker*innen im Kopf. Warum nicht auch gleich die noch aus den Playlists löschen? Bei der immer eindeutiger werdenden Beweislage um die Anschuldigungen gegen Michael Jackson muss auch hinterfragt werden, ob seine Musik weiter konsumiert werden soll.

Stattdessen gibt es so viel Musik, die noch zu wenig Beachtung findet. Für die Genres rund um Hip-Hop und Rap, sowie Pop und Soul findest du hier eine Auswahl einiger in Deutschland ansässigen BIPOC-Künstler*innen. Also klick dich einfach durch die Links oder hör in unsere Spotify Playlists rein.

Hip-Hop und Rap

Wenn dir an Tracks die Texte besonders wichtig sind, solltest du in Ansu, Ebow und OG Keemo reinhören. Sie rappen von Diskriminierungserfahrungen und kritisieren internalisierte Rollenbilder. Tracks wie „Bomberjacken“ von Ansu, „K4L“ von Ebow und „Geist“ von OG Keemo dürfen in keiner Playlist fehlen. Und für Texte, die nach vorne gehen, kannst du Ahzumjot und Megaloh checken. „Gut in der Nacht“ und „Was ist das?“ sind beispielsweise Songs, die durch starke Beats und direkte Texte auffallen. Give it a listen!

Für eine Mischung aus zeitgeisty Momenten und Vintage Vibes bist du bei badchieff und reezy richtig. Die beiden sind zudem auch als Produzenten tätig. Songs wie „No Way“ oder „Mad“ von badchieff zählen zu den Tracks, die man nicht skipped. 2000er Vibes bringt dir Elias in die Playlist. Mit „Benzo“, „Revenge“, „Underdog“ und „Jacob&Co“ hat er dieses Jahr schon vier erfolgreiche Lieder released.

Berliner Flair kommt mit Dead Dawg, der solo und in der Rap-Gruppe BHZ aktiv ist, und der Playboysmafia in deine Playlist. Mit „Airwaves“ hat Pashanim von der Playboysmafia gerade einen Track am Start, der Sommerhit 2020 werden kann. Anfang des Jahres konnte ein weiteres Mitglied der Playboysmafia mit „Angels sippen“ einen Charterfolg landen. Symba heißt er und ist sehr relatable; „Maxi King hat mich erzogen. Capri-Sonne ist wie Drogen“ rappt er in „Blockparty“. Unbedingt nachhören, wenn du das verpasst hast!

Sommerliche Vibes erhältst du durch viele von Nuras Liedern. Und wenn du nach Tracks suchst, die chill sind, solltest du beispielsweise „Mhmh“ und „Quarantine Bae“ von Chima Ede checken. Ein bisschen cloudy-chill wird es mit dem König der Alpen Crack Ignaz. Nach einer Pause ist er dieses Jahr mit „Herzschmerzgang“ zurückgekehrt.

Etwas fancy-phunkiger wird es bei Kwam.E, der vielen durch „Bist du down?“ mit Ace Tee aus 2016 bekannt sein dürfte. Die beiden haben zusammen einige Tracks und EPs released. Mucke von Ace Tee macht gute Laune und Bock auf Tanzen, also ab damit in die Playlist!

Und weiter mit der Frauenpower: check doch mal die Musik von Eunique, Layla, Mashanda und YAEL! Euniques Tracks sind ein Selbstbewusstseins-Boost. Nach dem Hören von „Wer ist so nice“ ist man zwangsläufig hyped und ready – für alles. Layla und Mashanda sind dagegen eher smooth unterwegs. Ihre warmen Stimmen umarmen dich beispielsweise in „24/7“ und „Gib mir mehr“. Yael steht für eine Mischung aus ehrlichen Nummern und lässigem Rap. Mit dem Album „Story of a Stranger“ lässt sie uns in ihre Seele blicken und bei „Daydream“ viben wir mit ihr. Unbedingte Empfehlung!

Und den Abschluss der Kategorie bildet Kelvyn Colt. Der Rapper darf in keiner Playlist fehlen. Er ist kein Geheimtipp mehr, viele seiner Tracks haben millionenhohe Klickzahlen, aber seine Fans beschreiben ihn dennoch als „underrated“. Aktuell hat er sich durch die Verwendung bekannter Lines zum Gesprächsthema gemacht: Er rappt in „4 am | Mein Block“ die Hook von Sidos Klassiker „Mein Block“. Kelvyn Colt ist einfach ein Icon. For real: cooler geht nicht. Hör dich einfach rein!

Hier die Playlist für die Kategorie Hip-Hop und Rap:

Pop und Soul

Viele Sängerinnen befinden sich zwischen Rap und Pop. Sie droppen Features mit Capital Bra, Samra und Co., entscheiden sich bei ihren eigenen Tracks aber oft für softere Pop-Nummern. Hava wird von vielen als Top-Newcomerin gehandelt. Mit „Kein Schlaf“ aus 2019 mit dem Rapper Nimo hatte sie ihren Durchbruch. Im 2020 erschienenen Song „Krank“ singt sie über die Liebe einer Stalkerin. Die Sängerin Elif könnte man noch aus der Castingshow „Popstars“ kennen. Seitdem hat sie sich mehrfach neu erfunden und präsentiert. Bis vor einigen Jahren teilte sie ihre Musik noch in Form von Alben, aktuell kommen regelmäßig neue Tracks als Singles. Sie singt am häufigsten über Liebe(skummer), wie beispielsweise in „NUR MIR“ oder dem kürzlich erschienen „KANN DAS BITTE SO BLEIBEN“.

Durch Hits wie „Lieblingsmensch“ oder „Je ne parle pas français“ kennen wir sie: Namika. Neben diesen bekannten Liedern hat sie viele weitere Tracks released. Tipp: Hör mal in „Que Walou“ aus 2018! Auch die Sängerin Rola verschönerte mit ihrer sanften Stimme schon einige Rap-Songs. Im Benefiz-Song für Hanau „Bist du wach?“ singt sie über den Kampf gegen Rassismus. Ihr Part berührt und bleibt im Kopf. Falls du den Track verpasst hast, solltest du das Anhören unbedingt nachholen!

Emilio ist als Schauspieler aus diversen Teenie-Filmen bekannt geworden. Seit einigen Jahren erfreut er seine Fans zudem mit Pop-Tracks. Er macht Musik mit modernen Beats und feinfühligen Texten. „Bisschen Allein“ erinnert zwar an „Magic“ von Coldplay, bleibt aber auch genauso lange im Kopf.

Mit ihrem Feature auf „So wie du bist“ von MoTrip hatte Lary ihren Durchbruch. Ihr Album „hart fragil“ ist mystisch, cool und intim. Lary setzt sich außerdem für viele politische und gesellschaftliche Themen, wie beispielsweise Klimaschutz, ein.

Soulig wird es mit Joy Denalane, Ami Warning, Ivy Quainoo und Noraa. Sie verbinden soulige Elemente mit eingängigen Melodien. Tracks wie „Alles leuchtet“ von Joy Denalane, „Jungle“ von Ami Warning, „Wildfires“ von Ivy Quainoo und „Lie to me“ von Noraa tun sicher jeder (Pop-)Playlist gut! Starke Frauen, starke Themen, starke Gefühle und starke Stimmen, also: reinhören!

Außerdem solltest du in die Alben von AMANDA und Luna Simao reinhören. Warum? Die beiden sind super authentisch und sympathisch und das hört man schon in ihrer Musik. Bei „Blau“ von Amanda geht direkt die Sonne auf – und bei „Frühling“ von Luna Simao strahlt sie dir ins Gesicht.

Hier die Playlist für die Kategorie Pop, Raop, Soul und Indie:

Andere Genre

In den beiden bisherigen Kategorien haben diese drei Acts noch keinen Platz gefunden: der Tchari Squad, Salwa Houmsi und Ilgen-Nur.

Musik von den Schwestern vom Tchari Squad kannst du zwar nicht auf Spotify streamen, aber schau dir doch einfach die Instagram Seite der drei DJs an, um informiert zu sein, wann du sie live unterstützen kannst. Salwa Houmsi legt auch auf, zudem ist sie Moderatorin und Podcast-Host. Aktuelle Gigs und Dates dazu findest du auf ihrer Insta-Seite.

Im Genre Indie(-Rock) ist die Sängerin Ilgen-Nur zu Hause. Sie bringt dir Coming-Of-Age-Vibes und Texte, die man direkt fühlen kann. „And just because I’m twenty doesn’t mean I know what to do“, singt sie in „Cool“ – kann man einen Songtext mehr fühlen? Klare Empfehlung!

Mit unseren Spotify Playlists kannst du ganz easy in alle genannten Artists reinhören. Klick dich rein:

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