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Stilnomadin: Illustration und Kram

Stilnomadin: Illustration und Kram

#supportyourlocalartists — Fragen an eine Künstlerin aus Bamberg. 

Fotos: Petra Heber

 „Illustration & Kram“ heißt es in der Profilbeschreibung von Stilnomadin, der Instagram-Seite von Petra Heber, die den Begriff Illustratorin oder Grafikerin für sich selbst dem der Künstlerin vorzieht. Weniger Ansprüche seien damit verbunden, weniger Vorurteile – sie wolle einfach nur ihren „Kram machen“, der keinen Ansprüchen genügen muss. Einfach kreativ sein.
Scrollt man durch ihr Profil  wechseln sich Aquarellzeichnungen ab mit Kartographien Bambergs und Line-Art Illustrationen. Mal bunt, mehr schwarz-weiß.

Petra hat ein paar Fragen über sich, ihre Kunst und ihre Hugs-to-go-Aktion beantwortet.

Seit wann zeichnest du?
Seit meiner Jugend. Ich habe schon immer gerne Menschen und Portraits gezeichnet und irgendwann habe ich angefangen alles wild auszuprobieren.

Lieblingsplatz in Bamberg?
Auf jeden Fall die Untere Brücke. Vielleicht ist es auch eine Corona-bedingte Sehnsucht, aber die Untere Brücke verkörpert für mich Geselligkeit, Leichtigkeit und laue Bamberger Sommerabende.

Studierst oder arbeitest du?
Ich habe Landschaftsarchitektur und Stadtplanung studiert. Im Februar habe ich mein Studium in Berlin beendet und bin erst seit März wieder in Bamberg. Corona-bedingt ist es gerade schwierig mit der Jobsuche, deshalb versuche ich meine Zeit kreativ zu nutzen.

Lieblingstageszeit?
Der Abend. Die tiefstehende Abendsonne hat das schönes Licht. Ich bin im Kreativbereich ganz klischeehaft eher die Eule und kann abends nochmal richtig produktiv und kreativ werden. Zwischen 21 und ein Uhr nachts kann man tolle Dinge schaffen oder aber auch schöne Gespräche haben.

Lieber glänzend oder matt?
Lieber matt, dafür aber mit Haptik.

Lieber farbig oder schwarz-weiß?
Tatsächlich lieber schwarz-weiß. Ich habe das Gefühl, es gibt mir mehr Sicherheit im Umgang damit.

Lieber Routine oder Spontan?
Instinktiv lieber spontan, aber ich zwinge mich öfter auch zur Routine, weil ich merke, dass sie mir gut tut.

Was inspiriert dich für deine Kunst?
Der Alltag, mein Umfeld, die Menschen um mich herum und meine Gefühle. Eigentlich möchte ich häufig nur das teilen, was mich selbst berührt, und hoffe, dass es auch andere berührt, und wir das teilen können.
Bamberg, meine Heimat, inspiriert mich oft auch zu lokal spezifischen Illustrationen. Diese Stadt ist so voll mit Erinnerungen, Geschehnissen und Erlebnissen, die mich inspirieren und berühren.

Auf ihrer Instagram-Seite sieht man feine Zeichnungen von Blumen, Blättern und Zweigen. Mal bunt, mal schwarz weiß. Mit Aquarell gemalt, mit Details und Schattierungen. Tulpen, Narzissen, Kirschpflaumzweige.

Was zeichnest du am häufigsten und warum?
Karten und ähnliches, weil ich die Kartographie für eine noch unterschätzte Darstellungsform halte. Botanik, weil mir das durch mein Landschaftsarchitektur-Studium nahe gekommen ist. Und Menschen, weil ich den Menschen generell einfach wunderschön finde.

Legst du viel Wert darauf, dass eine Zeichnung eine Message übermittelt oder eher die “Schönheit der Welt” darstellt?
Eine Message ist wichtig, aber ich finde es auch absolut legitim, wenn etwas (augenscheinlich) einfach “nur schön” ist. Ich glaube, dass viel Leichtigkeit verloren geht, wenn man sich daran festkrallt, dass etwas immer unbedingt tiefgründige Messages haben muss. 

Die Corona-Quarantäne-Zeit — dieser verwirrende, emotionale Zustand, in dem sich gerade die ganze Gesellschaft befindet, zwischen Unsicherheit und Ängsten schwebend — spiegelt sich auch in Petras Kunst wieder: Viel wird durch Illustrationen, durch kreativ- Werden kompensiert. Ihre Umarmungen, Fernweh-Gedanken oder eine Reihe zu ihren Bamberger Lieblingsorten – das, was ihr gerade fehlt, wird auf Papier gebracht.
Läuft man durch Bamberg kann man an einigen Orten, Geschäften oder Laternen Zettel mit Abreißstreifen sehen: Umarmungen – zum Mitnehmen und zum Verschenken. Umarmungen, die Petra gemalt und verteilt hat. 

Hugs-to-go – was steckt dahinter? Was hat dich auf die Idee gebracht, was soll es “bewirken”?(:
Die kleine Aktion Hugs-to-go ist total spontan und aus dem Bauch heraus entstanden. Dass es im Endeffekt eine kleine Streetart-Aktion geworden ist, war gar nicht so geplant. Zuerst hatte ich nur das starke Bedürfnis, mich mit Umarmungen und der physischen Berührung von Menschen zu beschäftigen, weil mir das in Corona-Zeit so fehlt. Ein paar Skizzen später, hatte ich die zwei Motive von sich umarmenden Armen fertig, und habe sie, als Ersatz für eine echte Begrüßungs- und Abschiedsumarmung, einer Freundin geschenkt.

Später dachte ich mir, dass vielleicht auch andere Menschen so empfinden, und ich diese, wenn auch nur grafischen, Umarmungen gerne teilen würde. Dafür habe ich rasch kleine Abrisszettelchen aufgesetzt, die ich dann, zunächst ziellos, in Bamberg verteilt habe. Doch beim Herumfahren bin ich an vielen tollen Orten vorbei gefahren, die ich, wie ich dann gemerkt habe, total vermisse. Das Odeon Kino, Bars, Cafés, und viele andere tolle Gastronomien und Kulturorte, die momentan leider geschlossen sein müssen. Daraufhin habe ich in einer abendlichen Fahrradrunde meine Umarmungen an diese meine Lieblingsorte gebracht und habe gehofft, dass da ein bisschen Solidarität und Wärme ankommt. Ich hoffe, alle kommen durch diese Zeit und ich leide grad so mit ihnen. Es wäre schlimm, wenn die Corona-Zeit vorbei ist und es all diese tollen Orte nicht mehr gäbe.

Im Nachhinein habe sie viele schöne Rückmeldungen zu ihrer Aktion erhalten. Nachrichten oder Fotos hätten sie erreicht – die ihr gezeigt haben, dass sich doch in dem Gefühl vereint fühlen, gleich fühlen:

„Das ist ein schönes Gefühl und schafft doch eine gewisse Gemeinsamkeit in Zeiten in denen wir viel alleine tun müssen. Außerdem hoffe ich, dass durch meine kleine, “einfach-mal-machen” Aktion auch andere Menschen sich trauen kreativ zu werden und Solidarität und Kreativität in den Straßenraum zu bringen. Mit wenig Ausstattung und ein bisschen Hingabe kann man schon einigen Menschen ein Lächeln ins Gesicht bringen, oder es ein bisschen warm um’s Herz werden lassen.“

Die neuesten Posts auf ihrer Instagram-Seite zeigen Bamberger Figuren und Statuen mit Mundschutz – die Centurione I (der halbe Kopf auf der Unteren Brücke) oder die Liegende mit Frucht am Heumarkt. „Neue Normalität“ lautet der Hashtag darunter.

Hast du Vorbilder oder gibt es Werke oder Künstler*innen, die dich besonders beeindruckt oder geprägt haben?
In der klassischen Kunst bin ich großer Fan von Picasso und liebe die Vielfalt in seinen Werken. Aber auch die Werke René Magritte finde ich äußerst beeindruckend; sie schaffen es gleichzeitig zeitlos und modern zu wirken.

Ich liebe bei zeitgenössischen Künstlern, wenn klare politische oder gesellschaftsrelevante Themen aufgegriffen werden – ich glaube keiner bestreitet, dass Banksy genial ist. Da finde ich auch Aktionskunst wie vom peng! Kollektiv sehr beeindruckend und gut gemacht.

Petra zeichnet gerne analog, mit Fineliner, Bleistift oder dünnen, schwarzen Filzstiften – immer schwarz und mit klaren Linien. Manchmal aquarelliere sie auch. Ansonsten wird aber auch viel digital gemacht: Mit ihrem Zeichenpad kann sie die Dinge gleich gut digital festhalten, ihre Adobe Creative Suite sei wie eine „Erweiterung ihrer Hand und ihres Kopfes“. Vielseitigkeit, Abwechslung, Probieren – ein Kreativwerden auf verschiedene Arten.

Hast du eine Routine beim Zeichnen? Hast du dir selbst Regeln für deine Kunst aufgestellt?
Keine Regeln, keine Routine. Wenn es mich packt, dann mach ich was – und dann sitze ich meistens in einem Chaos aus Papieren, Stiften, Pinseln, meinem Laptop und dem Zeichenpad und mache einfach. Gemacht ist besser als perfekt. Jede schlechte Skizze baut die Basis für richtig Gutes auf, deswegen muss man sich auch unbedingt trauen schlechte Dinge zu machen.

Reach to the stars: Wo wärst du gerne in fünf Jahren?
Sehr gerne würde ich im Bereich Illustration aktiv bleiben und so wie jetzt ehrenamtliche Projekte mit kleinen Zuarbeiten unterstützen und ansonsten meinen kleinen Kunst-Kram machen. Wenn dabei die eine oder andere professionelle Auftragsarbeit reinkommen würde, wäre das schön, aber kein Muss. Ich liebe auch meine eigentliche Profession der Landschaftsarchitektur und Stadtplanung und freue mich, wenn ich wieder in dem Bereich arbeiten kann.

Wie man Petra bei ihrer Kunst unterstützen kann? Ihr auf Instagram folgen, up-to-date bleiben. Auch eine kleine Ausstellung in einem süßen Café könnte sie sich vorstellen – mit ein paar Grafiken und Illustrationen vielleicht, mit oder ohne Bamberg-Bezug. Sie sei aber auch offen für mehr Möglichkeiten, Inspirationen, für Neues-Ausprobieren. Könne sich vorstellen für Bamberger Veranstaltungen Eintrittskarten zu gestalten, zum Beispiel. Stilnomadin, Illustration & Krams, ein Instagram-Profil und sehr viel mehr als das.

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