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Stadtführung ausprobiert: Bamberg für Fortgeschlemmte

Stadtführung ausprobiert: Bamberg für Fortgeschlemmte

Teil 2 unserer Serie über Stadtführungen in Bamberg:
Hörnla, Bier und Zwiebeltreter – oder die Passion Bärbels.
Titelbild: Miriam Fischer

 

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Ich stehe am Grünen Markt und beiße in ein Stück Süßholz, als mir von rechts die Weisheit des Tages ins Ohr schallt: „Naaa, unter Neptunbrunnen kennt den hier kaaner! Des is der Gabelmooo!“. Bärbel (Name von der Redaktion geändert) ist Urfränkin mit bester Ortskenntnis. Deshalb besteht sie auch den fränkischen Vokabeltest ohne Probleme: „Dsälood, ach mei, des is ja einfach.“ Für den Rest der Gruppe, von der gut drei Viertel zu Besuch in Bamberg sind, erklärt Julia, dass es sich dabei um „Salat“ handelt.
Julia, unsere eigentliche Führerin, ist vom Verein „Geschichte für alle e.V.“, der neben dieser noch zehn weitere Themenführungen anbietet. Mithilfe vieler Bilder, Fotos und Abbildungen erklärt sie uns die innovativen Anbaumethoden der Bamberger Gärtner, typisch fränkische Gemüsesorten und die Namensherkunft der „Zwiebeltreter“. Aus ihrer gut gefüllten Mappe zaubert Julia bunte Kärtchen hervor: Wir müssen Gemüsesorten wie „Gedüll“, „Dsiefl“, „Örpfl“ und „Musärol“ erraten und dürfen einige davon als Belohnung auch probieren.
Vorbei an gitarrespielenden Weintrinkern und singenden Studierendengruppen geht es weiter auf die Untere Brücke. Julia plaudert, passend zu ihrem bunten Fischhaarband, über die Fischerei und die Fischerhäuser in Klein Venedig. Auf dem Weg zum Schlenkerla in die Sandstraße hält Bärbel derweil Parallelführungen, um die anderen Führungsteilnehmer an ihrem trivialen Wissen der Geschichte Bambergs teilhaben zu lassen. Als sich Julia wieder Gehör verschafft, erzählt sie uns davon, dass man früher sogar Kindern Bier gegeben hat, weil dessen Qualität besser war als die des Wassers. Auch die Legende um die Entstehung des Rauchbiers darf in einer kulinarischen Stadtführung durch Bamberg nicht fehlen. Leider ist sich die Gruppe einig, dass es nicht schmecke. Gut, dass Bärbel uns versichert, dies ändere sich ab dem zweiten und ungefragt auf das weniger derbe „Spezi“-Rauchbier verweist. Unsere Hoffnungen auf eine kühle Halbe werden aber leider zu diesem Zeitpunkt noch nicht erfüllt.

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Von Bierboykott und Silvaner
Der knallpinken und wasserstoffblonden, aber männlichen Mischung aus Cindy aus Marzahn und Miss Piggy, die plötzlich wie selbstverständlich über die Schulter meines Nebenmannes linst, erging es wohl anders. Dieser schräge Vogel scheint bereits mehrere intus zu haben. Dass er sich von seinem eigenen Junggesellenabschied davongeschlichen hat und lieber Julias Erklärungen lauscht, scheint seine betrunkene Mädelsbande aber wenig zu stören. Während wir ein original Bamberger Hörnla genießen, erfahren wir vom historischen Bierboykott, der auf eine Preiserhöhung von zehn auf elf Pfennig zurückgeht. Im Moment würden wir auch ein Vielfaches des heutigen Preises zahlen, um in den Genuss eines Bamberger Bieres zu kommen.
Ein letztes Mal motiviert uns Julia, noch ein bisschen durchzuhalten. Auch Bärbel treibt uns voran, indem sie uns vor ihrem nicht enden wollenden Monolog flüchten lässt.

Im Rosengarten angekommen, kostet die Gruppe stilecht aus Plastikbechern einen echten Bamberger Silvaner. Bärbel probiert zwar nicht, merkt aber an, dass der Weißwein ein schönes Bouquet habe. Ich beschließe, mich Bärbels Erzählschwall über ihren kommenden Frisörtermin zu entziehen und mir einen zweiten Wein zu gönnen. Nach eineinhalb Stunden Führung kehren wir erheitert im Torschuster ein und bestellen alle endlich die langersehnten Halbe — alle außer Bärbel.
Alles in allem war es eine liebevoll gestaltete Führung, die absolut weiterzuempfehlen ist — nicht nur für Ortsfremde und Bierfans!

Hier erfahrt ihr mehr über Führungen in Bamberg und den Verein Geschichte für alle e.V.

 

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