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Neapolitanische Pizza und ein sprechender Papagei

Neapolitanische Pizza und ein sprechender Papagei

Die italienische Theatergruppe suchte den Weg zum Glück mit ihrem aktuellen Stück „Uccello loquace ma non troppo“.
Titelbild: privat

Sommerliche italienische Caféhausstimmung. Entspanntes Lachen und Diskutieren bei den Gästen. Obwohl meine Freundin und ich uns selten einen Theaterbesuch gönnen, sind die Aufführungen der italienischen Theatergruppe zum Ritual geworden.  Warum? Die Stückauswahl trifft stets den Geschmack derer, die eine Mischung aus kurzweiliger Handlung, Slapstick und tiefsinnigen Worten suchen. „Uccello loquace ma non troppo“ kann man übersetzen mit „Ein nicht allzu gesprächiger Piepmatz“. Muss man aber nicht. Denn „uccello“ ist auch das umgangssprachliche Wort für das männliche Geschlechtsteil. Wer so einen Titel schreibt? Stefano Giannascoli. Der Autor schwang bereits zum vierten Mal die Feder für die Theatralia und übte sein Werk ein paar Tage vor der Premiere mit den Studierenden ein.

Herausgekommen ist eine witzige, aber tiefgründige Geschichte samt Verwechslungen und Liebesglück. Alles dreht sich um den sonderbaren Papagei Romeo, der das Geschehen im Überblick hat und ungefragt seine Weisheiten mitteilt. Die Krux: Nur der Hauptcharakter Anselmo kann ihn sprechen hören, da der Vogel eine misslungene Wiedergeburt eines Menschen sei. Der Sultan der Brunei bietet einen hohen Preis für das Tier und so versuchen Nachbarinnen und andere zwielichtige Ganoven ihr Bestes, in dessen Besitz zu kommen.  Dann ist da noch Alice. Ein Teil von ihr ist unsterblich verliebt in Anselmo. Doch ihr anderer schizophrener Part hasst ihn und die Welt abgrundtief, was die Schauspielerin Isabel Penner perfekt zu vermitteln weiß. Aber Anselmo möchte nichts von Alice wissen und erst auf Drängen des Papageis finden die beiden zueinander. Dieser ist sozusagen der Philosoph des Weges zum Glück, dessen größte Aussageform die Liebe ist. Währenddessen versuchen die Nachbarin, ihre Freundin und ein neapolitanischer Gangsterboss und sein dümmlicher Handlanger den Vogel zu stehlen, wobei sie sich gegenseitig gewaltig in die Quere kommen. Es werden  krumme Geschäfte gelehrt (mithilfe von Vergleichen mit Leckereien aus der italienischen Küche), eine Freundin hintergangen und nach einer Verwechslung der kleine Zeh des Mafiosos abgehackt. Als scheinbar alles im Guten endet, hängt Giannoscoli noch eine Szene an, die alles infrage stellt: Anselmo ist sich immer noch nicht sicher, ob seine Ehe mit Alice der Weg zum Glück war. Wenn das sein Glück sei, möchte er nicht wissen, wie der andere Weg ausgesehen hätte.

AufderBühne4

Ob das Publikum den Weg zum Glück gefunden hat? Mit Sicherheit, wenn auch etwas zu verhalten. Denn die Studierenden der Romanistik und Organisatoren haben alles auf der Bühne gegeben und hätten mit noch mehr Applaus belohnt werden sollen. Vielleicht waren viele vertieft in ihren Spickzettel, in welchem die Handlung auf Deutsch erklärt ist und die wichtigsten Vokabeln festgehalten sind, sodass jeder locker das Stück versteht. Ein rundum stimmiger Abend, den man sich nicht entgehen lassen sollte. Auch wenn sich das eigene Vokabular auf Pizza bestellen, flirten und schimpfen beschränkt, trägt einen die Stimmung bis nach Bella Italia.

 

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