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Mehr als nur ein Club

Mehr als nur ein Club

„Ich bin hier vorhin vorbeigegangen und hab mich gefragt was die ganzen Grablichter an der Schwelle zu bedeuten haben.“ Auch gestern trauerten wieder zahlreiche Anhänger an der Ecke Obere Königsstraße um das Ende des Morphclubs. Wir haben nachgefragt, wie die Fans des Kultclubs zu der plötzlichen Schließung stehen.
Titelbild: Simon Groß und Emre Aksu

Hier eure Stimmen:

Anhang 4 (1)

Peter Sedlmeier – Gelernter Steinbildhauer, arbeitet bei Dombauhütte:

„An der Schließung vom Morphclub stört mich am allermeisten, dass damit eine Diskothek verloren geht, die wirklich Ahnung von Clubkultur hatte. Der Morphclub hat sämtliche Musikrichtungen bedient und es wurde immer Wert auf die Qualität der Musik gelegt, was sich beim Publikum auch gezeigt hat. Im Gegensatz dazu bleiben andere Läden in der Stadt, die wirklich nur schlechte Musik oder einfach den Mainstream spielen. Denen geht es doch nur darum Gewinnmaximierung zu erzielen nach dem Grundsatz: ‚Je weniger sich die Leute amüsieren, umso mehr saufen sie und umso mehr Geld machen wir.‘ Die Perle der Diskothekenlandschaft, weit über die Grenzen von Bamberg hinaus bekannt, geht kaputt. Ich kann das nicht verstehen und finde das sehr traurig.“

 

Anhang 2 (1)

Sebastian Weidmann – Tischler:

„Ich bin erschüttert. Ich bin hier vorhin vorbeigegangen und habe mich gefragt was die ganzen Grablichter an der Schwelle zu bedeuten haben. Da wird einem echt ein Stück Kultur aus der Bamberger Szene gerissen. Der Morphclub war hier schon eine Art Institution für Leute, die Tanzen und Spaß haben wollen. Das macht mich ein Stück weit traurig.“

Am Donnerstag ging die Mahnwache in die zweite Runde.
Am Donnerstag ging die Mahnwache in die zweite Runde.

 

Anonym – studiert Berufliche Bildung:

„Ich glaube, dass mit dem Morphclub ein sehr wichtiger Ort in Bamberg verloren geht. Einen gleichwertigen gibt es hier nun mal nicht, ich sehe das als großen Verlust an. Es wäre wünschenswert, dass die Sperrzeitregelung geändert oder zumindest nochmal darüber nachgedacht wird. Das würde ich von den RepräsentantInnen der Stadt erwarten. Wenn schon so viele Leute hier hin kommen, um zu zeigen, dass sie damit nicht zufrieden sind, finde ich es wichtig, dass diese Stimme von den Bamberger PolitikerInnen wahrgenommen wird.“

 

Matthias Schröter

Matthias Schröter – Lagerist:

„Früher war ich viel unterwegs und habe auch eine Zeit lang in Hamburg gelebt. Ich hatte immer das Gefühl der Morph ist ein Wahnsinns Club, der mit Hamburger Locations locker mithalten kann. Es war einfach heimelig und sehr angenehm hier feiern zu gehen. Dass er jetzt dicht gemacht hat, ist zwar unverständlich und traurig, aber die Schuld ist nicht nur bei der Stadt oder den Anwohnern zu suchen. Es liegt halt auch an den Leuten. Wenn die das Angebot nicht mehr annehmen wollen, dann kann sich so ein Club mit ein paar Stammgästen nicht halten. Das ist klar.“

 

Anhang 5 (1)

Andreas Klenk – Diplomsoziologe:

„Ich finde es sehr schade. Ich habe hier so viel Gutes erlebt und hatte sehr viel Spaß. Leider habe ich in letzter Zeit allerdings auch gemerkt, dass es mit den Konzerten in der Stadt etwas Berg ab ging. Es wurde immer schwieriger spannende, aber unbekannte Bands zu pushen. Ich war hier zum Teil auf Konzerten mit 10 Zuschauern und habe mich dann schon manchmal gefragt wie sie durchkommen. Trotzdem glaube ich, dass eigentlich niemand damit gerechnet hat, weil auch nicht wirklich darüber diskutiert wurde. Die Initiative „Rettet den Morphclub“  kommt jetzt posthum sozusagen. Und ich bin ebenfalls traurig, dass so ein Hort der anderen Kultur in der Stadt wegfällt, das wird erst einmal fehlen. Es gibt zwar auch noch zwei, drei andere Läden in der Stadt, in denen man sich wohlfühlen kann, wenn man nicht so auf die Locations abfährt, hinter denen viel Geld steckt. Aber insgesamt gab es früher mehr davon. Das erzählt man ja immer gerne, diesmal wird es nur leider zu einem sehr großen Teil wahr sein – und das ist bitter.“

 

Anhang 1 (1)

Anna‐Mitschka Dietrich – studiert Germanistik:

„Ich denke, das ist der traurige Beweis dafür, dass die jahrelangen Restriktionen und Einschränkungen der Stadt auch die Großen in die Knie zwingen können.  In meinen Augen geht eines der größten Stücke Kultur, wie wir sie auffassen, verloren.“

 

Anhang 3 (2)

Benedikt Brückner – studiert Berufliche Bildung:

„Ich habe es gestern mitgekriegt und war schon ein bisschen schockiert. Bamberg verliert die Club‐Location, die es ausgemacht hat. Jetzt bleibt nicht mehr viel von dem, was die Subkultur von Bamberg auszeichnet.“

 

Valentin Jahn – studiert Kommunikations‐ und Politikwissenschaft, hat mit HainSein im Morphclub aufgelegt:

„Das ist wirklich sehr schade, weil Bamberg nun eine Bühne fehlt und es jetzt weniger Platz für verschiedene Kulturangebote gibt. Ich wusste schon länger, dass es nicht so gut um den Morphclub steht, aber dass er jetzt wirklich zugemacht hat ist einfach nur traurig.“

 

Lena Gauss – studiert Kommunikationswissenschaft, Europäische Ethnologie und Philosophie:

„Bamberg ohne Morph ist auf jeden Fall nicht Bamberg. Ich dachte immer ich werde den Club erst vermissen, wenn ich hier weggehe. Und jetzt... das ist einfach zu früh.“

 

Holger Rauh – Industriemechaniker:

„Da wird uns das, meiner Empfindung nach, größte Stück unserer Bamberger Kulturgeschichte genommen. Ich kenne ansonsten keinen Club oder Verein, der mich einfach so empfangen hat wie ich bin und mir so viele Möglichkeiten gegeben hat mich auszuleben.“

 

An dieses Bild werden sich die Anhänger gewöhnen müssen.
An dieses Bild werden sich die Anhänger gewöhnen müssen.

 

 

Interviews: Simon Groß

Fotos: Simon Groß und Emre Aksu

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