Schließen
Die Bamberger Kurzfilmtage: Hinter den Kulissen

Die Bamberger Kurzfilmtage: Hinter den Kulissen

Ein Blick hinter die Kulissen der Bamberger Kurzfilmtage: Volker Traumann spricht mit uns über die kulturelle Wüste Bamberg und wie er sie in eine Oase verwandelte.
Foto: Katharina Breinbauer

An einem Donnerstagmorgen in einem kleinen Hinterhof der Oberen Königsstraße treffen wir ihn, Volker Traumann. Er öffnet uns die Tür zu seinem Büro, bestehend aus einem großen Raum. An den Wänden stehen Regale, gefüllt mit verschiedensten Ordnern, hängen Whiteboards voller wichtig aussehender Notizen und bunte Plakate. Die Decke ist so hoch, dass sie kein Brose‐Bamberg‐Spieler ausgestreckt berühren könnte. Eine kleine Treppe führt hinauf in eine Küche im Hochparterre. Frisches Gemüse liegt bereit, um in der Spüle von Erde befreit zu werden; diverse Gewürze und ein Wasserkocher, plus Kaffeefilter warten auf ihre allmorgendliche Verwendung. Nur Milch fehlt. „Für die müsste ich nochmal zum Bäcker”, sagt Volker und macht sich auf den Weg, nachdem er uns zu verstehen gibt, dass er selbst welche in seinen Kaffee schütten wolle. Wir sind nun damit beauftragt, dem Kaffee beim durch‐den‐Filter‐tropfen zuzusehen und kommen schnell auf denselben Gedanken: Wie cool es wäre, hier zu wohnen. Genau das ist der Eindruck, den dieses Büro vermittelt: ein gemütliches Wohnzimmer. In der Ecke thront ein Sessel, gleich neben einer ausgedienten Kinositzreihe, auf der wir Platz nehmen.

Nebenbei Festivalleiter

Das Haus, in dem Volker seinem Minijob als Festivalleiter und Koordinator nachgeht, gibt durch die Klarinettenmanufaktur im ersten Stock ein recht musikalisches Ambiente ab. Doch der ehemalige Blues Harp Spieler einer Punkband konzentriert sich schon lange nicht mehr auf seine potenzielle Karriere in der Musikbranche. Wobei er das wahrscheinlich nie wirklich getan hat, da sich Punkbands leider nicht für Mundharmonika‐Spieler eignen. Volker wurde in Erlangen geboren und wuchs in Donauwörth im bayerisch‐schwäbischen Grenzland auf. Er studierte Theaterpädagogik in Berlin, bevor er, wie er selbst sagt, 1996 in die „kulturelle Wüste“ nach Bamberg kam. Verwöhnt vom reichhaltigen Theaterangebot der Hauptstadt war die neue Gegend für ihn in der ersten Zeit ein unbeschriebenes Blatt. Dies änderte sich schnell, als der Wahlbamberger begann, bei der Landesbühne Oberfranken als Schauspieler mitzuwirken; dadurch kam er während der Jahrtausendwende zu den Bamberger Kurzfilmtagen. Bald war klar, dass Volkers neues Lebensumfeld kulturell wesentlich mehr zu bieten hat, als anfänglich erwartet. Zu Beginn fand die meiste Arbeit ehrenamtlich statt. Volker, die einzige Person im Team mit Kind, hat vor allem Studierende als Angestellte. Seine achtjährige Tochter ist mitverantwortlich für die Veränderung seiner Work‐Life‐Balance. Früher sei er mehr gereist; er ist aber heute noch als Jurymitglied für Festivals in Berlin und Hamburg tätig. Seine Brötchen verdient er größtenteils in seinem Hauptberuf als Mitarbeiter des Zirkus Giovanni.

Volker und das Team der Bamberger Kurzfilmtage wollen Filmschaffenden eine Bühne bieten — sie wollen den Kurzfilm als künstlerische Ausdrucksform im nichtkommerziellen Sinne fördern.

Schreib, was dich bewegt und dich betrifft und nicht was du denkst, dass es die Zuschauer sehen wollen!

Zurzeit hat der Verein der Bamberger Kurzfilmtage knapp 40 Mitglieder, von denen viele ehrenamtlich und mit viel Herzblut wichtige Teile der Arbeit übernehmen. Vier davon sind festangestellte Mitarbeiter, die das ganze Jahr über beschäftigt sind. Volker nennt Sie die „Wissenden”; sie sind essentiell für Organisation und Struktur und bestehen zum Großteil aus Leuten, die permanent in Bamberg arbeiten und leben. Eine gewisse Kontinuität, bestätigt er uns, ist an vielen Stellen von Nöten, um ein solches Festival effizient und erfolgreich zu planen beziehungsweise durchzuführen.

Früher stemmten sie das Festival zu viert

Doch der Umfang, den die Bamberger Kurzfilmtage sowie das Team jetzt einnehmen, war nicht immer so breit. Bis zu Volkers Einstieg wurde das Festival von nur vier Personen betrieben und organisiert; außerdem gab es den Verein dahinter noch nicht. Ein kleines Plenum, welches für die gesamte Struktur und Öffentlichkeitsarbeit der Kurzfilmtage verantwortlich war. Mit ihm als fünftes Mitglied kam es 2006 zu einer grundlegenden und richtungsweisenden Strukturänderung: Das Team um Volker entschloss sich, zu expandieren und einen höheren Bekanntheitsgrad anzustreben. Sie gründeten den Verein Bamberger Kurzfilmtage e.V. und sind seitdem auch auf dem Papier ein offizielles Team und Projekt mit offiziellen Zielen. „Schreib, was dich bewegt und dich betrifft und nicht was du denkst, dass es die Zuschauer sehen wollen!”, sagt Volker und macht eine kleine Pause. Was einen guten Film ausmacht, sei eine sehr subjektive Empfindung, gibt er uns zu verstehen und erklärt im nächsten Satz, dass das Team versuche, feste Kriterien für eine Vorauswahl von potentiellen Kurzfilmen zu festzulegen. Doch da sich viel „im Bauch” abspiele, sei das in manchen Kategorien nicht möglich.

Von Bamberg zu den Oscars

Nach der Aufnahme in die Förderprojekte der Bayerischen Staatskanzlei kann aus einem Festival mit guter Reputation das vorhandene Potential besser ausgeschöpft werden. Das Team arbeitet nun mit einem Budget, das dem Rahmen und der Größe des Bamberger Kurzfilmfestivals besser entspricht. Es schafft die Möglichkeit, die verschiedenen Aufgabenbereiche der Organisation, dank der Größe des Teams, besser zu verteilen. Nach dem Mauerfall fanden Vernetzungen mit Filmhochschulen aus Ost und West statt; so konnte eine neue Vielfalt an verschiedenen Kurzfilmen und Künstlern gezeigt werden. Außerdem hat das Festival bereits den ein oder anderen zukünftigen Oscargewinner hervorgebracht: Es spielten beispielsweise Pepe Danquart (Schwarzfahrer) und Jochen Alexander Freydank (Spielzeugland) ihre Werke in Bamberg und gewannen zwei Wochen später den Oscar in der Kategorie „Bester Kurzfilm”. Auch in Bamberg kämpfen die Regisseure in unterschiedlichen Kategorien um einen Preis: den Bamberger Reiter. Aber nicht um den, der sich im Bamberger Dom befindet, sondern um eine Neuinterpretation, die aus Schokolade gegossen sowie mit Gold überzogen ist und von Publikum und Jury‐Mitgliedern vergeben wird.

Hilf mit

Du hast Lust selbst Preisträger zu werden oder das Kurzfilmfestival zu besuchen? Du bist daran interessiert, die Bamberger Kurzfilmtage mit deiner Hilfe zu unterstützen? Alle wichtigen Infos findest du hier. Dort findest du neben Neuigkeiten auch das Programm der kommenden Kurzfilmtage (21.1. – 27.1.2019) sowie alle Möglichkeiten zur Kontaktaufnahme.

Schließen