Schließen
Whenever, wherever

Whenever, wherever

Während sich der restliche Unibetrieb im letzten Semester scheinbar erstmals mit der Online-Lehre auseinandergesetzt hat, haben seit dem Sommersemester 2000 über 1,5 Millionen Studierende einen vhb-Kurs belegt. Wir haben herausgefunden, wie so eine Hochschule im World Wide Web funktioniert.

Foto: Anna Siemer

Die Eröffnung der vhb-Geschäftsstelle in Bamberg hatte vor 20 Jahren durchaus eine symbolische Bedeutung. „Man wollte dadurch ein Statement setzen und zeigen, dass die virtuelle Hochschule nicht an eine Universität in einer Metropole angesiedelt sein muss“, erklärt Steffi Widera, Geschäftsführerin der vhb Geschäftsstelle in Bamberg. „Gerade weil unser Angebot virtuell ist, befinden wir uns eben nicht nur in Bamberg, sondern in ganz Bayern.“

Studieren? So individuell wie möglich!

Alle Studierende der Universität Bamberg bekommen am Anfang des Semesters eine E‑Mail, in der das Angebot der Virtuellen Hochschule Bayern vorgestellt wird. Für alle, die diese E‑Mail noch nie wahrgenommen oder aktiv ignoriert haben, folgt hier eine kurze Vorstellungsrunde: Auf der Seite der vhb werden Studierenden in Bayern 550 Online-Kurse zur Verfügung gestellt. Die Kurse werden von Dozierenden der 31 Trägerhochschulen erstellt. Das Angebot reicht von Veranstaltungen in der Medizin über Geisteswissenschaften bis hin zu 60 verschiedenen Sprachkursen. Man kann also auch Kurse aus Fachrichtungen belegen, die an der Uni Bamberg nicht vertreten sind. Entweder aus Interesse für das Studium Generale; manche Lehrstühle nutzen die vhb aber auch, um ihren Studierenden ein breiter gefächertes Lehrangebot anzubieten.

Die vhb soll Studierenden ermöglichen, ihr Studium so individuell wie möglich zu gestalten. Die Kurse werden asynchron unterrichtet. Das heißt, alle können elbst entscheiden, ob sie die Kursinhalte über das Semester verteilt lernen oder den Kurs auf den letzten Drücker absolvieren wollen. Deshalb bleiben die Teilnehmer*innen in vielen Kursen eher anonym. „Um Leute kennenzulernen, eignet sich ein vhb-Kurs nicht so gut. Ich habe die Veranstaltungen für mich selbst belegt, quasi als persönliche Weiterbildung”, erzählt Nina. Sie hat dieses Semester den Kurs „Sucht und Drogen“ aus der Psychologie besucht. In den vergangenen Semestern hat sie schon zwei andere vhb-Kurse für ihr Studium Generale belegt. Sie rät, sich direkt am Semesteranfang darüber zu informieren, ob man sich die Kurse anrechnen lassen kann. „Ich kann es nur empfehlen, es gibt so viele interessante Kurse, die in Bamberg einfach nicht zur Verfügung stehen.“

Es gibt so viele interessante Kurse

Wer sich jetzt denkt, dass er*sie nach dem Corona Semester erstmal genug von Onlinekursen hat, dem erwidert Nicole K. Konopka, dass vhb-Kurse sich grundlegend von kurzfristig digitalisierten Kursen unterscheiden. „Die Mehrzahl der Kurse in diesem Sommersemester musste relativ spontan von Präsenz- auf Fernlehre umgestaltet werden”, sagt Konopka. Sie ist Dozentin für Amerikanistik und unterrichtet pro Semester mehrere Präsenzveranstaltungen, sowie den Kurs „In the Spotlight: A Survey of US-American Literary History“, den man auf der Plattform der vhb abrufen kann. Die Erstellung des Online-Kurses habe etwa zwölf Monate in Anspruch genommen. Unterstützung bei der Realisierung bekommen die Dozierenden von Medien- und Rechenzentren an ihren Universitäten und den Mitarbeiter*innen der vhb. „Ein vhb-Kurs wird über einen längeren Zeitraum sorgfältig geplant, schrittweise getestet und schließlich nach eingehender Prüfung implementiert”, erklärt onopka. „Die Mehrheit des Online-Angebots in diesem Semester war dagegen eine Notlösung.“

„Online-Lehre wird oft mit aufgezeichneten Vorlesungen gleichgesetzt”, meint Widera. Neben der Finanzierung setzt sich die vhb-Geschäftsstelle für das Qualitätsmanagement der Kurse ein. Um die Online-Kurse ansprechender zu gestalten, sollten Dozierende zum Beispiel darauf achten, unterschiedliche Medien einzusetzen. Um Interaktionen zwischen Dozierenden und Studierenden zu ermöglichen, gibt es Foren, in denen man sich austauschen kann. Häufig gibt es am Ende einer Lerneinheit Tests, mit denen die Studierenden ihr Verständnis des Gelernten überprüfen können. „Es gibt aber kein Schema F bei der Erstellung eines Online-Kurses, genauso wenig wie bei der Präsenzlehre”, sagt Widera.

Sie betont, dass Präsenzveranstaltungen natürlich weiterhin wichtig sind. „Die Kurse auf der vhb-Plattform sollten als Ergänzung zum Präsenzangebot der Universitäten gesehen werden, wir sind keine Fernuniversität.“ Dennoch sei man schon vor der Corona-Pandemie in einer Welt angekommen, in der man das Präsenzangebot der Universitäten und das virtuelle Angebot der vhb brauche. „Wir können denen mehr Flexibilität bieten, die nicht am regelmäßigen Unterricht teilnehmen können oder möchten“, erklärt die Geschäftsleiterin. Durch die gezwungene Auseinandersetzung mit der Online-Lehre im Sommersemester erhofft sie sich, dass mehr Leute von den Vorteilen der virtuellen Lehre überzeugt werden. „Die Entwicklungen in den nächsten Semestern werden auf jeden Fall spannend sein.“

Dieser Text war Teil unserer Digital-Ausgabe. Zum ganzen Heft kommst du hier.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Schließen