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„Qualität der Lehre verbessern”

Am 21. Juli hatte die Uni Bamberg hohen Besuch: Der bayerische Wissenschaftsminister  Dr. Wolfgang Heubisch kam zum Nationalen Bildungspanel (NEPS). Wir nutzten die Gelegenheit und stellten ihm vorab schriftlich einige Fragen, unter anderem zu den Studienbeiträgen. Ottfried: Bayern verlangt neben Niedersachsen bald als einziges Bundesland Studienbeiträge. Befürchten Sie nicht, dass die Studierenden dann an die kostenlosen Unis in anderen Bundesländern abwandern werden? Dr. Wolfgang Heubisch: In Bayern haben wir uns für Studienbeiträge entschieden, weil wir dadurch die Qualität der Lehre entscheidend verbessern konnten. Dies alles nun wieder abzuschaffen, nur weil andere Landesregierungen dies tun, erscheint mir wenig plausibel. Zumal verschiedene Studien belegen: Der Zuspruch bayerischer Hochschulen hat durch die Beiträge nicht gelitten. Vielmehr ist die Zahl der Studienanfänger konstant gestiegen und auch die Zuwanderung aus anderen Bundesländern an bayerische Hochschulen hat sich weiter erhöht. Es gibt übrigens auch keinerlei Hinweis, darauf, dass es seit der Einführung der Studienbeiträge Veränderungen bei der sozialen Herkunft der Studierenden gegeben hat. Das mag vielleicht auch daran liegen, dass Bayern ein zinsgünstiges Studienbeitragsdarlehen anbietet, das sehr sozial ausgestaltet ist. Die Studierendenzahlen wachsen, dennoch bleiben Restbeträge aus Studienbeiträgen auf den Konten der bayerischen Unis. Wenn die Studienbeiträge so notwendig sind, wieso werden sie nicht auch komplett ausgegeben? Die Diskussion um die angeblich so hohen Restbeträge beruht zum großen Teil auf einem Missverständnis. Momentan erheben wir den Saldo bei den Studienbeiträgen am 31.12. Ein wesentlicher Teil der Einnahmen eines Jahres darf aber an diesem Tag noch gar nicht ausgegeben sein, weil das Wintersemester ja nicht am 31.12., sondern erst am 31.03. endet. Zudem wird mit der Rückmeldung im Dezember des alten Jahr bereits ein großer Teil der Studienbeiträge für das darauffolgende Sommersemester eingezahlt. Wir überlegen, ob wir da etwas verändern können, damit das deutlicher wird. Aber auch wenn der Stichtag zum Beispiel auf 31. März ist, kann der Saldo nicht bei Null liegen. Vielmehr müssen circa 80 Millionen Euro (Anteil der Studienbeiträge für das Sommersemester) auf den Konten sein. Wenn man sich das klar macht, sind die Rücklagen also gar nicht so groß. Trotzdem werde ich weiterhin sehr genau darauf achten, dass die Hochschulen die Studienbeiträge zeitnah für die Verbesserung der Studienbedingungen einzusetzen. Darauf lege ich großen Wert. Die bayerische FDP-Generalsekretärin, Miriam Gruß, hat die Studienbeiträge in Frage gestellt. Schon ein Wahlkampfmanöver? Ich weiß nicht, was Frau Gruß bewogen hat. Ihr Vorstoß hat allerdings sehr schnell gezeigt, dass sich die Mitglieder der Regierungsfraktionen im Bayerischen Landtag mit überwältigender Mehrheit ganz klar für die Beibehaltung der Studienbeiträge sind. Daran gibt es nichts zu rütteln. Wie sollten sich die Hochschulen auf den doppelten Abijahrgang vorbereiten? Die Hochschulen bereiten sich bereits seit Jahren intensiv auf den doppelten Abiturjahrgang vor. Bereits 2008 haben wir mit jeder einzelnen Hochschule in Bayern Zielvereinbarungen geschlossenen. Dort ist genau festgelegt, wie viele zusätzliche Studienplätze an jeder Hochschule entstehen und welche Baumaßnahmen vor Ort dafür nötig sind. Zum Wintersemester werden an den bayerischen Hochschulen daher 38.000 zusätzliche Studienplätze und 122.000 Quadratmeter zusätzliche Räumlichkeiten zur Verfügung stehen. In Bamberg sollte zum Abfangen der Studierendenflut unter anderem das Erba-Gelände fungieren, das über die Immobilien Freistaat Bayern in Auftrag gegeben wurde. Dieser Bau wird jetzt erst ein Semester später, zum Wintersemester 2012/13 nutzbar. Ist von Seiten des Ministeriums eine Zwischenlösung geplant? Das Erba-Gelände entsteht nicht im Rahmen des Ausbauprogramms zur Bewältigung der steigenden Studierendenzahlen. Für diesen Zweck bauen wir das neue Instituts- und  Verfügungsgebäude auf dem Markusgelände. Beide Baumaßnahmen werden termingerecht fertig. Es ist jedoch richtig, dass sich die Übergabe des Bestellbaus auf der Erba-Insel um einige Monate verzögern wird. Ich gehe davon aus, dass sich die zuständigen Stellen, die Immobilien Freistaat Bayern und die Universitätsleitung, geeignete Schritte überlegen werden. Welche Wichtigkeit messen Sie dem Nationalen Bildungspanel (NEPS) deutschlandweit und international bei? Die Forschungsergebnisse des Panels sind sowohl national als auch international von höchster Bedeutung. In unserer sich schnell verändernden Gesellschaft ist die stete Verbesserung der Bildungssysteme ausschlaggebend für die Zukunftsfähigkeit eines Landes. Nur die langfristige Beobachtung von Bildungswegen von der Wiege bis zum Rentenalter, wie in den Bamberger Längsschnittuntersuchungen vorgesehen, kann uns die Antworten auf zentrale bildungspolitische Fragen geben und damit die Grundlage für politische Entscheidungen schaffen. Das Forschungsprojekt besitzt für mich eine einzigartige gesellschaftliche Bedeutung - denn Bildung ist der Schlüssel für die Wahrnehmung von Bildungschancen. Foto: Stefanie Dietzel Das Interview entstand in Zusammenarbeit mit dem Würzburger Hochschulmagazin Max & Julius (www.maxundjulius.de). Vielen Dank dafür!
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