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Von der Schreibmaschine zur ISS

Von der Schreibmaschine zur ISS

Jenseits von Tablet, iPhone und Co. Im Bamberger Museum der Kommunikations- und Bürogeschichte wird gezeigt, wie sich die Kommunikation entwickelte. Beginnend bei der Zeit, als das Touch-Pad noch eine Steintafel war.

Auch wenn man denkt, dass es nichts Langweiligeres gibt, als die Mischung aus Büro und Museum, erfährt man im Museum der Kommunikations- und Bürogeschichte auf sympathische Weise immer wieder etwas, das einen stutzen lässt.
Zum Beispiel, dass Johannes Gutenberg nicht das Telefon und Graham Bell nicht den Buchdruck erfunden hat und, das ist wirklich das Überraschende, andersherum stimmt es auch nicht. Das Plagiieren liegt wohl im Wesen der Gut(t)enbergs, denn der Buchdruck wurde bereits 500 Jahre, bevor Johannes lesen konnte, in China erfunden. Das Telefon erfand in Wirklichkeit Philipp Reis. Bell, der alte Ganove, hat es nur weiterentwickelt und das Patent angemeldet.

3000 Exponate
Martin Kutz, der Sohn des Museumsgründers Artur Kutz, hat die Schreibmaschinen mit der Muttermilch aufgesogen. Und nicht nur Schreibmaschinen, sondern auch Füllfederhalter, Papier, Rechenapparate und Walkie-Talkies.
Seit dem Tod seines Vaters führt er durch die zwei Stockwerke. Die Exponate hat Artur Kutz (der zusammen mit seiner Frau ein Bürogeschäft in Bamberg führte) in über 25 Jahren zusammen gesammelt. Das Museum befindet sich immer noch im Privathaus der Familie Kutz. Dort beherbergt sind über 3000 Exponate.
Beginnend bei einem Abdruck des Steins von Rosetta, dank dem man heute die Hieroglyphen lesen kann, über das erste Touch-Pad aus dem Jahr 1993, bis hin zur Raumstation ISS. Diese ist auch im Museum ausgestellt – aus Platzgründen allerdings nur als Modell.Außerdem: Federkiele, Buchungs- und Rechenmaschinen, mechanische Schreibapparate und Agentenzubehör aus der Kriegszeit. Sogar eine Sekretärin aus längst vergangenen Zeiten gab es dort zu sehen. Schnell stellte sich aber heraus, dass es sich bei letzterer nur um eine Besucherin handelte. „Da hab ich drauf gelernt“, ruft Sie beim Anblick einer exponierten Schreibmaschine aus. „Da haben Sie drauf gelernt?“, fragen wir erstaunt und bewundernd.

Vergangenheit und Gegenwart
Und so schafft es das Museum, ein Band zu ziehen, das die Generationen verbindet. Denn nur all zu oft vergessen wir, wenn wir nach einiger Zeit beim Versuch, unseren Großeltern das Schreiben einer SMS zu erklären, ungeduldig werden,  was wir von ihnen über Kommunikationsgeräte lernen können. Welches Wissen von Stenographie, Schreibmaschinenschreiben und Buchungsmaschinen in ihren Köpfen steckt.
Denn tatsächlich sind sie doch das Fundament, auf dem das Haus unseres Lebens halt findet, diejenigen, die das Dach unserer Kommunikation stützen. Sie sind die Gesprächspartner an den Telefonhörern der Vergangenheit, die auf eine Art erzählen können, die von keiner App ersetzt werden kann.
Allerdings werden sie nicht ewig sprechen. Ein Grund mehr, genauer zuzuhören. Grundlage für so ein Gespräch könnte ein Besuch im Museum der Kommunikations- und Bürogeschichte sein.
Auch Artur Kutz wollte bewahren. Nicht nur um des Bewahrens willen, sondern um der nächsten Generation auch einen Dienst zu erweisen.
„Die vornehmste und ehrenvollste aller Pflichten, die uns das Leben auferlegt, ist das Heranziehen der nächsten Generation und dabei die Weitervermittlung der rechten menschlichen Werte“,  hat er es einmal zusammen gefasst. Sein Geist und sein Drang zu erzählen – nicht nur zu konservieren, sondern auch verstehen zu machen – ist immer noch im Museum zu spüren. So ist der Besuch seiner alten Wirkungsstätte auch eine Würdigung des Mannes, dem noch posthum die Stadtmedaille für sein beinahe lebenslanges Bewahren und Erklären verliehen wurde. „Meine Mutter und ich haben uns dann, für ihn, ins goldene Buch der Stadt geschrieben. Das war schon eine Ehre!“, erzählt sein Sohn.

Mensch und Maschine
Anhand der Exponate beschreibt er heute in der Tradition seines Vaters die Entwicklung der Kommunikationswerkzeuge vom Keil bis zum Keyboard. Die Ausstellung ist dabei in vier Hauptgruppen gegliedert: Schreiben, Drucken, Kommunikationsgeräte, Zeichnen  und Messen. Überall wird bei den Anfängen des jeweiligen Mediums begonnen und bis zu der Zeit geführt, ab der wir das Verständnis der Kommunikation selbst weiter führen können. Teilweise muten die Gegenstände an, wie aus einem Fantasyfilm. Oder wie soll man ein kommodengroßes Diktiergerät, das die Stimmschwingung in eine Wachsrolle ritzt heute beschreiben?
„Um das Neue zu verstehen, muss man das Alte kennen“, sagt uns die ehemalige Sekretärin während der Führung durch das Museum, das sich passender Weise direkt über dem Copy-Shop am Kranen befindet.
Und so bekommt man nach der Führung, die mehr von der Geschichte der Menschen dahinter als von den Geräten lebt, zu einem ähnlichen Schluss, wie einst Elbert Hubbard: „Eine Maschine kann die Arbeit von fünzig gewöhnlichen Menschen leisten, aber sie kann nicht einen einzigen außergewöhnlichen ersetzen.“

Fotos: Jonas Meder und Tarek J. Schakib-Ekbatan

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