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Uni‐Etat 2011 auf Sparflamme

Uni‐Etat 2011 auf Sparflamme

In der neuen Ausgabe des Ottfried ist der Studierendenrekord ein Themenschwerpunkt. Ein Studierendenzuwachs bringt aber immer auch Schwierigkeiten mit sich. Deshalb haben wir für euch bei der Kanzlerin der Uni Bamberg, Dagmar Steuer‐Flieser und dem Vizepräsidenten, Sebastian Kempgen nachgefragt, wie die Uni mit dem Doppeljahrgang fertig werden will.

Frau Steuer‐Flieser, Herr Kempgen, wie erklären Sie sich den hohen Studentenzuwachs in diesem Wintersemester?

Kempgen: Wegen der geburtenstarken Jahrgänge konnte man einen Zuwachs schon lange prognostizieren. Außerdem gab es in den vergangenen Monaten viele Infoveranstaltungen, in denen ich wegen des doppelten Abiturjahrgangs riet, bereits zum Wintersemester 2010/11 ein Studium zu beginnen. Das haben offenbar viele Studierende beherzigt.

 

Es war also absehbar, dass es zu dem Studentenzuwachs kommt. Gab es deshalb im Vorfeld Maßnahmen bezüglich des Wohnungsmarktes?

Steuer‐Flieser Es gab Gespräche mit der Stadt  sowie mit dem Studentenwerk, das ja für alle sozialen Belange zuständig ist und als selbstständige Einheit von uns getrennt funktioniert. Wir haben das Studentenwerk über den zu erwartenden Zuwachs von Studierenden informiert, dennoch ist nicht in der Art und Weise Wohnraum zur Verfügung gestellt worden, wie wir uns das gewünscht hätten.

 

Wie erklären Sie sich die Tatsache, dass sich das Studentenwerk weigert, weitere Wohnungen zu bauen?

Kempgen Wir hatten in Bamberg früher ein leicht überproportionales Angebot an Wohnheimplätzen. Das Studentenwerk fragt sich also, ob sich ein Neubau langfristig überhaupt rentiert.

 

Kann die Universität auf das Studentenwerk einwirken?

Steuer‐Flieser Wir sind in ständigen Gesprächen und natürlich machen wir unsere Interessenlagen deutlich;  wir haben aber keine Weisungsbefugnis. Aus Sicht des Studentenwerks ist der private Wohnungsmarkt noch nicht gesättigt. Es gibt ja eine Privatzimmervermittlung, auf der anscheinend immer noch Wohnraum zur Verfügung steht.  Allerdings liegen viele der dort angebotenen Wohnungen außerhalb Bambergs und das ist fürdie Studenten wegen der schlechten Verkehrsanbindung natürlich nicht so attraktiv.

 

Welche Maximalkapazität an Studienplätzen wird für die Uni Bamberg mit den derzeitigen Räumlichkeiten und dem derzeitigen Personal überhaupt veranschlagt?

Steuer‐Flieser Das ist eine ganz komplizierte Frage und relativ schwer zu beantworten, weil es da verschiedene Parameter gibt, also flächen‐ und personalbezogene Studienplätze. Es gab schon mehrere Untersuchungen dazu, die aber nicht mehr aktuell sind. Gerade wird ja auch auf dem Markus‐ und ERBA‐Gelände gebaut, was uns räumlich einen sehr großen Schritt voran bringen wird. Wir werden die Zahl jetzt nochmals berechnen lassen, haben aber noch keine Ergebnisse vorliegen.

 

Werden diese Bauvorhaben rechtzeitig zum nächsten Wintersemester fertig gestellt sein?

Steuer‐Flieser Die Fertigstellung des Markusgeländes ist zum Sommer 2011 geplant. Damit wird zum Wintersemester im Innenstadtbereich schon eine größere Entlastung vorhanden sein, insbesondere was Hörveranstaltungsräume betrifft. Das ERBA‐ Gelände wird dann im Februar 2012 fertig sein.

 

Werden diese Maßnahmen bis zum nächsten Wintersemester genügen?

Steuer‐Flieser Das Grundproblem der Uni Bamberg war immer schon eine hohe Diskrepanz zwischen den tatsächlich Studierenden und dem flächenmäßigen Ausbau, der ein deutliches Manko aufweist. Deshalb kämpfen wir nach wie vor für zusätzliche Flächen, etwa für die Teilbibliothek 4. Es gibt also sicher noch mal einen zusätzlichen Bedarf; allerdings sind wir da im bayernweiten Wettbewerb, weil es vielen anderen Unis genauso geht. Obwohl man das in München nicht gerne hört, muss trotzdem immer wieder darauf aufmerksam gemacht werden, dass wir mit der Zeit einen Berg vor uns hergeschoben haben, der abgetragen werden muss. Da muss schon noch weiter etwas getan werden, aber ich bin erst einmal froh über das große Gebäude auf der ERBA. Ohne diese Möglichkeit würde es nämlich noch viel schlechter aussehen.

 

Welche Studiengänge sind von der hohen Zahl an Erstsemestern besonders betroffen?

Kempgen Im Grunde lässt sich das auf drei große Blöcke aufteilen: zunächst BWL, dann Anglistik, Germanistik und KoWi; zuletzt Fächer wie Pädagogik und Psychologie.

 

Wird es wieder eine Verlängerung der Einschreibefrist geben?

Kempgen Zum nächsten Sommersemester bietet es sich natürlich an, die Einschreibefrist nochmals zu verlängern, da die Abiturienten ja am 1. Mai ihre Zeugnisse bekommen, am 2. Mai aber die Vorlesungen anfangen. Daher ist es gut möglich, dass es eine Verlängerung bei allen Fächern ohne Zulassungsbeschränkung geben wird.

 

Denken Sie darüber nach, die Zulassung einiger Fächer wieder zu beschränken, um dem erwarteten Ansturm im Wintersemester 2011/12 gerecht zu werden?

Kempgen Wir selbst denken erst mal nicht daran, die Schranke wieder zuzumachen; die Initiative müßte von den Fächern ausgehen. Sache der Unileitung ist es, einer Zulassungsbeschränkung zuzustimmen. Dann geht der Antrag noch ans Ministerium. Aber wir wollen auf keinen Fall die Abiturienten späterer Jahrgänge schlechter stellen als die bisherigen.

 

Angenommen, die Studienqualität würde sich durch den hohen Zuwachs an Studenten verschlechtern. Wäre dann eine Zulassungsbeschränkung nicht der bessere Weg?

Kempgen Jein. Wir haben neulich ein Gespräch der Fachschaftvertreter mit der Unileitung gehabt, in dem sich herausgestellt hat, dass auch die Studierenden ganz gespalten sind in dieser Frage. Der Vorschlag der Studierendenvertreter war, dass die Studierenden zusammenrücken und versuchen, mit den Einschränkungen klarzukommen, die uns nun mal gegeben sind. Das ist auch unsere Grundhaltung: nicht den Nächsten die Chancen zu verbauen.

 

Gibt es von Seiten der Uni konkrete Pläne, um Platz auf dem Wohnungsmarkt zu schaffen?

Steuer‐Flieser Der Uni sind in dieser Hinsicht leider die Hände gebunden; es ist gesetzlich festgelegt, dass sie kein Geld für diese Angelegenheiten ausgeben darf. Ich würde gerne Wohnraum schaffen, darf ihn aber nicht finanzieren. Derzeit sind meines Wissens aber 80 Wohnungen zur Fertigstellung auf dem ERBA‐ Gelände geplant.

Kempgen Eine weitere Möglichkeit wäre es, modern eingerichtete Container aufzustellen. Zusätzlich spricht die Stadt insgesamt von etwa 300 bis 400 Wohneinheiten, die bis zum nächsten Jahr fertig werden sollen.

 

Welche Maßnahmen ergreift die Uni, um den doppelten Abiturjahrgang abzufangen?

Kempgen Eine Maßnahme ist sicherlich, dass die Studierenden regulär auch schon zum Sommersemester anfangen können. Außerdem haben wir alle zusätzlichen Gelder beantragt, die wir beantragen konnten und diese auch bekommen. Aus unserer Sicht haben wir all das getan, wofür wir direkt verantwortlich sind.

 

Stellen Sie sich auf Einsparungen im nächsten Jahr ein?

Steuer‐Flieser Der Haushaltsplan wird von der bayerischen Landesregierung erst am 21. Dezember im Ministerrat beraten, verabschiedet wird das Ganze dann im März 2011. Ich bin schon gespannt, was das für ein Weihnachtsgeschenk wird. Bis dahin sind die im September verfügten Sperren einzuhalten. Auf Grund der Sperren gehen wir auch davon aus, dass im nächsten Jahr womöglich weniger Geld zur Verfügung stehen wird. Wir werden deshalb vorläufig nur etwa 50 Prozent Prozent des Etats, der im Vorjahr zu diesem Zeitpunkt vorhanden war, zur Bewirtschaftung zur Verfügung stellen. Außerdem ist zu beklagen, daß auch die dringenden Sanierungsfälle wie etwa die Dominikanerkirche oder das Gebäude Kranen 14 im Moment auf Eis gelegt sind.

 

Hat die hohe Studierendenzahl Einfluss auf die internen Diskussionen in Sachen Studienbeitragssatzung?

Kempgen Sie hat nur Einfluss  auf unsere Schätzungen, mit wie viel Studienbeitrag wir im nächsten Jahr rechnen können.  Darüber hinaus haben die Studierendenzahlen selbst keinen Einfluss auf eine Erhöhung.

Frau Steuer‐Flieser, Herr Kempgen, vielen Dank für das Gespräch.

 

4 Kommentare

  1. Ich schätze ehrlich gesagt, der Eintrag war ironisch gemeint.

    Dieser hier ist es zumindest. 😉

  2. Ich fände weiterhin interessant, welches Bild (Imageschaden) die NC‐Freiheit der Uni Bamberg als solches bringt.
    So etwas spricht sich leider nicht nur unter Schulabgängern und in der Hochschullandschaft rum, sondern leider auch bei den Unternehmen.

    Dies dürfte wohl nicht nur für die SoWi‐Fakultät gelten.

    1. Zur weitestgehend unbegründeten Angst junger Akademiker vor einer schlechten Stellung auf dem Arbeitsmarkt siehe Seite 12 (kann auch auf der Startseite durchgeblättert werden). Im übrigen weiß ich angesichts dieser Aussage nicht, ob ich lachen oder weinen soll.

  3. Schade, dass folgende Fragen nicht gestellt wurden bzw. in den Angelegenheiten nicht weiter nachgebohrt wurde:

    - Liegt der Studierendenzuwachs nicht vielmehr an der NC‐Freiheit in den Massenfächern und der verlängerten Anmeldezeit, die viele an der FH abgewiesen Schüler nach Bamberg gebracht haben (z.B. in die Pädagogik)?

    - Warum kann die Uni nicht zusammen mit den Studierenden auf das Studentenwerk einwirken? Meines Wissens sind Studentenwerke zwar von den Hochschulen formell unabhängige, rechtlich selbstständige Einrichtungen, aber grundsätzliche Entscheidungen werden doch im Beirat getroffen und da sitzen auch Vertreter der Uni sowie der Studierenden mit dabei.

    - Für wen werden die Wohnungen auf dem ERBA‐Gelände gebaut, d.h. wie teuer werden diese Wohnungen sein? Ich habe Zahlen von 400 Euro/1‐Zimmer‐Wohnung und mehr gehört, was also dagegen sprechen würde, dass es sich hier um Wohnungen explizit für Studierende handelt.

    - Aus welchem Jahr sind die Zahlen zur Maximalkapazität und wie lauten sie? Dann hätte man ziemlich einfach (z.B. via UnivIs) errechnen können, wie viele Plätze seit dem dazugekommen sind.

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