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Polizei räumt Untere Brücke

Polizei räumt Untere Brücke

Die Polizeiinspektion Bamberg Stadt rollte am Dienstagabend an, um das große Übel zu beseitigen: Alkoholkonsumierende Studierende auf der Unteren Brücke.

So richtig will es keiner glauben, als das Polizeiauto auf die Untere Brücke fährt und die Polizisten ihre Absicht durch Lautsprecher äußern. Zuerst hört niemand wirklich hin, doch dann fällt der allesentscheidende Satz: „In der Ordnungssatzung der Stadt Bamberg steht geschrieben, dass der Alkoholkonsum in der Innenstadt verboten ist. Die Untere Brücke zählt zu diesem Bereich. Wir fordern alle Anwesenden auf die Brücke zu verlassen.“ Circa 150 Augenpaare sind auf die Polizisten gerichtet. Keiner kann so wirklich glauben was hier gerade passiert. „Den eventuell produzierten Müll gilt es zu beseitigen. Aktuell herrscht eine Ruhestörung über die sich Anwohner beschwert haben“, schallt es aus den knarzenden Lautsprechern. Drei Mal hält das Auto und die Polizisten verkünden ihre einstudierten Sätze. Die Ungläubigkeit der Anwesenden wandelt sich in Belustigung. „Ist das gerade wirklich ihr Ernst?“ „Das dritte Mal rücken sie mit dem Knüppel an oder was?“, fragen zwei Studenten. Dann ertönt Applaus. Die Aktion der Polizisten wird ironisch beklatscht und niemand fühlt sich veranlasst zu gehen. Die Polizei ist sich jedoch nicht zu schade, das ganze Prozedere eine viertel Stunde später noch ein zweites Mal durchzuziehen. Jetzt scheint es zu wirken und langsam leert sich die Brücke.

Es passierte das, was jeder für unmöglich hielt: Das Alkoholverbot in der Innenstadt wird durchgesetzt. Das angebliche Abkommen zwischen Stadt und Polizei, den Konsum zu dulden und lediglich Ausschreitungen zu beaufsichtigen, wurde gebrochen. “Polizei und Verwaltung sind übereingekommen, das momentan überaus friedliche und entspannte Publikum auf der Unteren Brücke mit Augenmaß zu beobachten. Gegen störende Begleiterscheinungen würde die Polizei sehr wohl vorgehen”, sagte Oberbürgermeister Andreas Starke noch vor drei Wochen gegenüber dem Ottfried. Das bestätigte damals auch Polizei Hauptkommissar Holger Dremel, der darauf verwies, die Polizei gehe verantwortlich mit der Alkoholregelung an der Unterten Brücke um und würde nur bei Exzessen oder massiven Beschwerden eingreifen. Welcher Exzess am Dienstag stattgefunden haben soll bleibt für die Anwesenden ein Rätsel.

Auch die umherziehenden Flaschensammler können es nicht nachvollziehen. So etwas ist noch nie vorgekommen. „In einer Stadt, in der die Studenten so einen großen Anteil der Bevölkerung ausmachen, muss man ihnen doch die Möglichkeit bieten abends in Ruhe zusammen zu sitzen und zu feiern“, bemerkt eine ältere Frau die jeden Abend auf die Brücke  kommt und durch das Flaschensammeln ihren Lebensunterhalt mitfinanziert. Nach einer halben Stunde ist kaum mehr jemand hier. Es bleibt für alle rätselhaft was gerade passiert ist. Die letzten hartnäckigen Besucher machen sich auf den Heimweg und zurück bleibt nur die Frage, was jetzt wohl aus den guten alten Zeiten auf der malerischen Brücke Bambergs wird.

*Update 17.07.13 (18:57)
Die Stadt Bamberg äußert sich in einer Stellungnahme auf Facebook zu dem gestrigen Polizeieinsatz. Dass es sich tatsächlich um eine Räumung handelt wird bekennend dargestellt. Nur leider beruht die veröffentlichte Aussage auf falschen Tatsachen. Das hochgeladene Video von dem zweiten (!) Einsatz der Polizei wurde bereits um 23:55 Uhr gedreht. Der erste Einsatz fand schon 15 bis 20 Minuten vorher statt. Nach dem zweiten Auffahren der Polizei dauerte es circa 30 Minuten und die Brücke war bis auf 20 verbleibende Personen leer. Wann also genau die Anrufe bei der Polizei eingegangen sind und wie viel Zeit bis zum letztendlichen Einsatz vergangen ist, können wohl nur die Beamten selbst beantworten. Klar ist aber, dass sich die ganze Aktion noch vor Mitternacht abgespielt hat.

Mehr Hintergründe zum Bamberger Alkoholverbot findest du hier

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