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Party-Warriors: Bambergs 300

Party-Warriors: Bambergs 300

Anm. d. Red.: Dieser Artikel ist die originale (und etwas fluffigere) Version des heute im Fränkischen Tag unter dem Titel “Überfüllte WG-Party in Bamberg birgt Zündstoff” erschienenen Artikels unseres Redakteurs. Der besagte Artikel auf inFranken.de findet sich hier.

Patente Studierende aus einer Wohngemeinschaft in der Luitpoldstraße luden in der Nacht von Freitag auf Samstag zu einer Feier in ihr mehrstöckiges Wohnhaus. Was gegen 22.30 Uhr als gut organisierte Party begann, entwickelte sich binnen zweier Stunden zu einem Andrang, der an  den auf die Thermopylen im Film 300 erinnerte. Heerscharen von Studendierende drängten durch die schmale Eingangstür ins Haus der Wohngemeinschaft. Natürlich ohne Schwerter und Schilde, höchstens mit Bierflaschen bewaffnet.


Gegen 1 Uhr waren schließlich die Kapazitäten des Hauses so sehr erschöpft, dass niemand mehr hinein passte. Das führte dazu, dass sich eine lange Schlange von Feierwütigen vom Innenhof des Hauses bis auf die Luitpoldstraße erstreckte. Die Feierwilligen waren zum Teil frustriert, dass sie nicht mehr hinein kamen, zum anderen Teil einfach nur angeheitert und drängten mit spartanischem Gebrüll um Einlass. Einige Nachbarn riefen die Polizei.

„Als die Polizisten uns aufforderten, die Party zu beenden, haben wir sofort kooperiert“, erzählt einer der Veranstalter. Wie Schafe trieben sie die Studierenden vom obersten Stockwerk des Hauses hinaus auf die Straße. Dort standen  dann schließlich 300 Partyaspiranten einem Polizeiaufgebot der Bamberger Polizei, plus Verstärkung aus Unter- und Mittelfranken, gegenüber.

„Da sind wir als Polizei natürlich gefordert. Der Verkehr war komplett blockiert. Es bestand die Gefahr von Ausschreitungen“, sagt Alexander Czech, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Bayreuth, „Aber die Kollegen haben deeskalierend und vorausschauend gearbeitet“.


Einige Gäste und solche die es werden wollten sind da allerdings anderer Meinung. In einem Kommentar auf der Internetseite der Studierendenzeitschrift Ottfried werden die Beamten als ratlos und unbeholfen beschrieben. „Die Polizei stand einfach nur da und zeigte Präsenz“, heißt es dort. „Es war weitaus mehr der besonnen Organisationsleistung der Veranstalter geschuldet, anstatt der Deeskalationsmaßnahmen der Polizei, dass alle Studierenden irgendwann doch wieder friedlich nach Hause gingen“.

Die Polizei hätte nach Berichten von Augenzeugen hauptsächlich Druck auf die Veranstalter ausgeübt, indem sie diesen androhte, sie müssten den Einsatz zahlen, wenn sie nicht dafür sorgten, dass die Straße bald frei werde. Andere meinten, die Polizeipräsenz hätte einige Feiernde erst angestachelt, die sich zwischen beinahe vergessener studentischer Demonstrationstradition und Pöbelei zum Ausrufen von Anti-Polizei-Parolen hinreißen ließen.
„Die Kollegen mussten sich einiges gefallen lassen. Aber die haben ein dickes Fell“, bestätigt Czech, der es den Veranstaltern ihre Kooperation hoch anrechnet. Gegen 3 Uhr sind schließlich auch die letzten Party-Krieger abgezogen, ohne dass jemand zu Schaden gekommen war.

„Wir haben sogar noch nachts die ganze Straße geputzt und dafür ein Lob von der Stadtreinigung bekommen“, erzählen die Veranstalter. Sie waren enttäuscht, dass die Party so sehr aus dem Ruder gelaufen ist. „Außerdem war ich traurig, weil einige Freunde noch spontan abgesagt hatten“, witzelte einer. „Während der Party-Vorbereitungen machten wir uns noch Sorgen, ob überhaupt genügend Gäste kommen würden. Jetzt tuen uns die Unannehmlichkeiten natürlich leid“. Am Tag nach der Party sitzen die WG-Bewohner zusammen und schauen sich die Fotos der vergangenen Nacht an.

„Der Trubel tut uns leid, allerdings liegt es auch an der Sperrstundenpolitik der Stadt, dass die WG-Partys in Bamberg immer so überfüllt sind. Das sind die einzigen Feiern, bei denen man nicht spätestens um 4 Uhr rausgeschmissen wird“, beklagt sich einer. „Wenn nicht die Polizei kommt!“, scherzt ein anderer.

Rechtliche Folgen oder eine Strafe hätten die Veranstalter laut Czech nicht zu befürchten, so lange kein Vorsatz nachgewiesen werden könne, „und davon gehe ich nicht aus“, erklärt er, „schließlich können die Veranstalter ja nichts dafür, wenn fremde Leute kommen“. Das Problem wurde nicht durch eine unachtsame Facebook-Einladung hervorgerufen.

„Für solche Situationen ist es auch schwierig Tipps zu geben“, erklärt der Pressesprecher. Zur Not müsse man eben jemanden an der Tür postieren. Die Veranstalter kommen also mit dem Schrecken davon und können ihren Enkeln erzählen, wie eine 300-köpfige Partytruppe ihre Haustür belagerte.

Fotos: Tarek J. Schakib-Ekbatan und privat

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