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NPD sieht die Rote Karte

NPD sieht die Rote Karte

Freitag und Samstag hält die NPD einen Bundesparteitag in Bamberg ab. Im Vorfeld hat sich ein breites Bündnis an Gegnern gebildet, die den rechten Kadern Paroli bieten wollen. Eindrücke von den Gegenaktionen am Freitag.

Bereits 2008 fand gegen den Willen der Stadt ein NPD-Parteitag in der Bamberger Konzert- und Kongresshalle statt. Damals hatte eine Großzahl an Gegenveranstaltungen es mehr oder minder vermocht, den Fokus auf sich und weg von der NPD zu ziehen. Dieses Jahr soll es wieder gelingen. Nachdem der Widerstand gegen die Durchführung des Parteitags in Bamberg auf juristischem Weg gescheitert ist, soll die Zivilgesellschaft ein Zeichen gegen die Präsenz der gesetzlich immer noch erlaubten Partei setzen.

Wie im Vorfeld berichtet, müssen die Veranstalter dieses Jahr kürzer treten. So große Aktionen wie 2008 seien finanziell nicht machbar, stellte Werner Schnabel vom Bamberger Bündnis gegen Rechtsextremismus klar. Dennoch finden an beiden Tagen Veranstaltungen gegen Rechts statt.

Braun sieht Rote Karte Den ersten Schritt macht das collegium oecumenicum. Das Internationale Studentenwohnheim organisiert eine kleine Demo in der Musstraße. “Alarmstufe: Braun — Bamberger Studis sagen Stopp!”, ist der offizielle Titel. Hinter einer Absperrung versammeln sich die Demonstranten am Bürgersteig, ausgestattet mit Trommeln, Tröten und Rasseln. Bis zur Konzerthalle soll ihr Protest schallen.

Währenddessen reisen über die Musstraße die ersten NPD-Funktionäre an. Jedem vorbeifahrenden Auto halten die Demonstranten einen Roten Karton entgegen. Rote Karte, Platzverweis. Die Insassen schauen sich die Szene minenlos an, während sie in ihren Fahrzeugen an der Absperrung am Straßenrand vorbeifahren. Nummernschilder aus ganz Deutschland. Haben sie sich die Ankunft in Bamberg so vorgestellt?

Schon die Ankunft soll nerven „Wir hatten gemerkt, dass am Freitag bis zur Menschenkette eigentlich nichts los ist und die ungestört ihren Auftakt machen können“, erklärt Clemens Heuberger vom collegium oecumenicum die Idee der Veranstaltung. Daher wollte man ein entsprechendes Empfangskomitee bereitstellen und eine unangenehme Ankunft gestalten.

Auch Oberbürgermeister Andreas Starke ist erschienen, stellt sich allen Medienvertretern und lobt die Demonstration: „Man muss laut und deutlich sagen, dass die NPD in Bamberg nicht erwünscht ist, und dass jeder Tag, an dem die NPD in Bamberg ist, einer zu viel ist. Deshalb ist es auch so wichtig, dass man sie hier entsprechend empfängt.“

Das übliche Problem: Leute fehlen Man könnte von einer gelungenen Aktion sprechen: leicht umsetzbar, originell, friedlich. Wenn da nicht die Tatsache wäre, dass die Absperrung, die die Demonstranten von der Straße trennen soll, viel länger ist als die Menschenmenge. Wenn nicht die Sache wäre, dass in der TB4 etwa genau so viele „Studis“ lernen, als in der Musstraße „Stopp“ sagen. „Es könnten mehr Leute hier sein“, gibt Heuberger zu. „Aber der Brückentag gestern ist eben auch Pech. Die 50 bis 100 Leute, die hier sind, machen aber gute Stimmung. Wenn das so bleibt, bin ich zufrieden“

Doch es sind nicht nur Lethargie und Fronleichnam, die den Veranstaltern einen Strich durch die Rechnung machten. Es ist auch die umständliche Absperrung. Zwischen Weide und Musstraße steht quer über die Straße ein Zaun, auch die Querstraßen zur Weide sind dicht. Will man zur Demo gelangen, muss man erst eine große Runde über Hornthalstraße oder Weidendamm drehen. Und auch auf diesem Weg finden sich immer wieder Absperrungen. Am besten, man geht gleich über den Regensburger Ring.

 

„Dass die Sperrung der Musstraße so aussehen würde, war uns nicht bewusst“, erklärt Heuberger die ungünstige Situation. „Als wir es dann wussten, waren die Flyer schon gedruckt“, so der 25-jährige Student.

Hauptereignis folgt um halb fünf Trotzdem sind Menschen da, die trotz Uni-Stress oder Arbeitsalltag, sich die Zeit nehmen, für ihre Überzeugungen auf die Straße zu gehen. Und das lässt hoffen auf das Hauptereignis: die Menschenkette. Zwischen 16.30 und 18 Uhr sollen sich geschätzte 3000 Bürger die Hand geben und so einen Kreis über Regensburger Ring, Leinritt, Markusstraße und Weide schließen. „Aufgrund der Anzahl an Menschen, die mich angesprochen haben, glaube ich, dass die Menschenkette heute auch geschlossen wird“, lautet die Erwartung von Andreas Starke.
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