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„It’s not about Amy“

„It’s not about Amy“

Es gibt einen Ort hier in Bamberg über den scheiden sich die Geister. Die einen feiern ihn, die anderen umgehen ihn mit einem großen Bogen – den Morphclub. Heimat der Jogginghosen und Adidas- Kappenträger, der Wände- Beschmierer und überall-Sticker–hin-Kleber. Von außen fast unsichtbar zwischen Teppichladen und Sportgeschäft, von innen alternativ. Die perfekte Location für eine edle Weinprobe, fand Michael Thiel, Student der Uni Bamberg und Bekannter vom Besitzer des Morphclubs, und veranstaltete dort am 27. November prompt eine Weinprobenparty – dieses Jahr bereits zum vierten Mal.

Es könnte ein Widerspruch in sich sein, solch eine exquisite Veranstaltung in einem so verkommenen Club abzuhalten. Doch das sei, laut Michael, der ganze Witz der Sache. Niemand ist hier zu schlecht angezogen um den lieblichen Geschmack der gehobenen Gesellschaft zu kauen und sich wie ein Weinkenner zu fühlen. Wobei die meisten zugegebenermaßen nicht unbedingt gekommen sind, um sich hinterher einen der acht exzellenten Weine für 12 € mit nach Hause zu nehmen, sondern eher weil sie sich schlichtweg die fünf Schlücke kostenlosen Alkohol nicht entgehen lassen wollten. So ist zumindest der Eindruck, wirft man einen Blick ins Innere des gemischten Publikums. Überwiegend pleite Studierende, aber auch einige Berufstätige schickten ihre Geschmacksnerven auf Weltreise.

Nicht des Weines wegen gekommen zu sein ist dabei nichts Verwerfliches. Der Veranstalter ist glücklich über jeden einzelnen Gast und äußert dies durch einen liebevoll gezeichneten Smiley auf dem Weinprobenpapier nach jedem Schluck feinen Genusses. Michael nimmt seine Arbeit sehr ernst, immerhin hat er sieben Jahre lang mit Weinen gearbeitet, kennt sich in der Materie sehr gut aus und steht seinen Gästen gerne Rede und Antwort. Diese Leidenschaft sieht man ihm auch an, wenn er mit viel Fingerspitzengefühl und stets einem Lächeln auf dem Gesicht seinen Gästen den Wein serviert. Dieses Mal sind mit knapp 80 Leuten sogar mehr Leute da als sonst, erzählt er begeistert. Bei dieser gastfreundlichen Atmosphäre, untermalt mit dem luxuriösen Flair von Deep House Musik ist es verwunderlich, wieso trotzdem im Vergleich zu anderen Veranstaltungen im Morph verhältnismäßig wenig Leute aufgekreuzt sind. Zu Veranstaltungsbeginn kam man sich sogar hochexklusiv vor, weil man einer von 5 Leuten war die in den Genuss von Chardonnay aus Frankreich kommen durften. Eine halbe Stunde später jedoch füllte sich der Morph langsam, etwa eine Stunde später wagen die ersten vom Wein leicht Beschwipsten das Tanzbein zu schwingen.

Nach null Uhr, gesättigt von allerlei interessanten Geschmäckern, rückt die Musik in den Vordergrund, zu der auch Michael Thiel alias Pink Mike wie gewohnt leidenschaftlich seinen wertvollen Beitrag leistet. Zu den tiefen Bässen von The XX und Kölsch darf sich das teilweise exzentrische Publikum nun auslassen. Auch DJ X- Gun, ist – im wortwörtlichen Sinne – gut dabei und erobert mit den elektronischen Klängen seiner Playlist mit dem aussagekräftigen Namen „It’s not about Amy“ die Tänzerherzen im Sturm. Nicht selten hat man im Morph das Gefühl, dass jeder in seiner eigenen Welt lebt, umhüllt von den dumpfen Bässen der Musik die sogar komplett nüchtern sehr angenehm und vor allem tanzbar ist.

Als das Licht angeht und der ganze Zauber vorbei ist, sitzen die Letzten noch auf dem Boden und wollen nicht gehen. Kein Wunder, wenn man so viel Leidenschaft an einem Abend erlebt und sogar fürs Leben etwas über Wein gelernt hat.

Nächstes Mal Wine House im Morph Club: 18.12.2013

Fotos: David Osburg

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