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Die E‐Mail‐Antwort von Unipräsident G. Ruppert über seinen Chauffeur

Die E‐Mail‐Antwort von Unipräsident G. Ruppert über seinen Chauffeur

Nachdem ich die Frage, ob der Universitätspräsident, einen Dienstwagen braucht, mit der Pressestelle der Universität Bamberg und der Büroleitung des Präsidenten diskutiert hatte, wendete ich mich mit einer E‐Mail direkt an den Präsidenten. Dass dieser Humor hat, beweist er hier:

Sehr geehrter Herr Schakib‐Ekbatan,

die Art der Fragestellung verdeutlicht mir nicht, ob ich sie ernst nehmen soll (ich beherrsche die Orthografie: ich meine sie = die Fragen, nicht Sie). Sie kennen offenbar weder meine Aufgaben, noch die mit dem Amt verbundenen Verpflichtungen. Glauben Sie wirklich, dass es eine reine Freude ist, 60.000 km im Jahr z.T. zu nachtschlafender Zeit durch die Republik gekarrt zu werden, um Termine wahrzunehmen? Für diese Strecke brauchen andere mehrere (der Durchschnittsautofahrer in Deutschland mindestens 4) Jahre und erreichen sie auch nur, weil der größte Teil der Strecke Urlaubsfahrten sind. Wohlgemerkt Fahrten von der Wohnung zur Arbeitsstätte sind nicht inbegriffen, dafür benutze ich den Dienstwagen nicht, das stünde mir rechtlich gegen Kostenerstattung zwar zu, ich nutze es aber nicht. In der Stadt wird der Wagen auch so gut wie nicht gebraucht…

Was Ihre Fragen angeht, kann ich Ihnen zwei Arten von Antworten geben; ich versuche sie und Sie zunächst mal ernst zu nehmen:

1. Was ist es für ein Gefühl einen eigenen Chauffeur mit einem chicen Wagen zu haben? Hatten Sie solche Vorzüge im Blick, als Sie das Amt des Präsidenten antraten?

Zu Frage (1) kann ich nur sagen, dass ich zu Unrecht gewählt worden wäre, wenn das ein Motiv gewesen wäre – und ich bin inzwischen viermal gewählt worden. Mal unter uns: Muss ich mir Sorgen machen, weil Sie mich für einen derart kranken Charakter halten?

Im Übrigen sind das auch keine Vorzüge, das ist eher eine Notwehrmaßnahme.

2. Kann ich als Student etwas tun, um auch einen Dienstwagen zu bekommen? Können Sie da was machen?
Ich hätte in Wahrheit nämlich gerne auch  so etwas. Das könnten wir dann gerne privat besprechen, damit nicht gleich jeder “Ich auch!” schreit. Oder zumindest ein Fahrrad?

Frage (2) ist so abgründig, dass ich sie nur als Versuch schlechter Satire, falsche Ironie oder unangebrachten Zynismus einschätzen kann. Darauf bin ich nicht bereit, zu antworten.

3. Was ist ihre persönliche Meinung dazu, dass der Ottfried in einem Artikel satirisch die Frage behandelt, ob ein Universitätspräsident bzw. die Universitätsleitung wirklich einen Chauffeur braucht?

Zu Frage (3) kann ich nur sagen: Das spielt doch gar keine Rolle, was ich denke. Bei meinem Erfahrungen mit Ottfried wäre ich überrascht, wenn das tatsächlich jemand interessiert; anderenfalls würden Sie sich ja versuchen mit dem Alltag eines Präsidenten auseinanderzusetzen. Und: Satire ist eine von mir hoch geschätzte Form der Kunst, aber nicht jeder beherrscht sie. Dafür fällt es den Menschen in der Regel leicht, schlechte von guter Kunst zu unterscheiden. Frage (2) ist übrigens nicht mal schlechte Satire.

Ich hätte Ihnen auch auf eine andere Art antworten können:
1. Was ist es für ein Gefühl einen eigenen Chauffeur mit einem chicen Wagen zu haben? Hatten Sie solche Vorzüge im Blick, als Sie das Amt des Präsidenten antraten?

Nein, im Gegenteil, ich war entsetzt. Es war damals ein alter Mercedes, der schon mehr als 200.000 km unter meinem Vorgänger gelaufen war. Und als wir dann geleast haben, war ich brutal enttäuscht: ein Phaeton, aber bitte, auf der Haube steht: VW. Eigentlich hätte ich erwartet, dass ich einen Diensthubschrauber bekomme und lange Strecken nicht mit Linienflügen machen muss, die Flugbereitschaft des Bundes hätte es schon sein dürfen. Und für die engen Bamberger Gassen, hatte ich mir eigentlich eine Sänfte gewünscht, ist ja — bis auf die Emissionen der Träger — auch viel umweltverträglicher. Und nebenbei: Sie finden den Audi chic? Kommt da etwa eine unterdrückte Sehnsucht nach kapitalistischen Konsumgütern zum Ausdruck?

2. Kann ich als Student etwas tun, um auch einen Dienstwagen zu bekommen? Können Sie da was machen?... Oder zumindest ein Fahrrad?

Klar können wir da was machen: Ich schlage vor, Sie zahlen als Studierende jährlich den Studienbeitragssatz von Harvard (liegt so bei 50.000 USD), dann bekommen alle einen Renault Twizy (im Bachelor ohne Tür, im Master mit), den erhöhten Stromverbrauch decken wir in Teilen durch Tretmühlen, die wir in jeden Seminarraum und Hörsaal installieren.

Ein Dienst‐Fahrrad lässt sich durchaus arrangieren. Die Mitarbeiter im technischen Dienst schrauben von Zeit zu Zeit aus den halblädierten Fahrrädern, die von Studierenden mindestens ein Jahr lang stehengelassen und nicht abgeholt wurden, Dienst‐Fahrräder zusammen (so eines nutze ich auch, damit wir keins kaufen mussten). Wenn Sie ein ordentliches Amt wahrnehmen —  etwa: studentischer Harlekin vom Dienst, dann können Sie auch ein solches Dienst‐Fahrrad bekommen.

3. Was ist ihre persönliche Meinung dazu, dass der Ottfried in einem Artikel satirisch die Frage behandelt, ob ein Universitätspräsident bzw. die Universitätsleitung wirklich einen Chauffeur braucht?

Ich wäre hoch erfreut, denn ein Universitätspräsident ist ja auch nichts großartig Anderes als ein Politiker. Und Politiker sind immer dankbar, wenn sie in Publikationen auftauchen, zumal am nächsten Tag ohnehin niemand mehr weiß, was in der Zeitung stand, sondern nur noch wer.

Vielen Dank für Ihre Wochenendwünsche. Ich werde das Wochenende in Teilen im Dienstwagen verbringen und in noch größeren Teilen im Flugzeug, Linie versteht sich, nicht Privatjet oder Flugbereitschaft, obwohl ich mit dem Staatsminister unterwegs bin im Dienste des Freistaats.

Übrigens erhalten Sie die Antwort aus dem Dienstwagen auf der Rückfahrt von Augsburg, mit dem Fahrrad war es zu anstrengend, da kann man auch keine Mails beantworten, und mit dem Zug sind die Verbindungen so bescheiden, da würde ich mal wieder nicht den nächsten Termin schaffen. Davon ganz abgesehen, dass ich dann nicht mehr zum Kofferpacken käme. Da müsste man dann jemanden anstellen, aber das kostet ja schon fast so viel wie der Chauffeur und der mag nicht umschulen.

Ich grüße Sie mit dem Ausdruck größter Freude, weil ich nun weiß: Der Nachwuchs für den investigativen Journalismus stirbt nicht aus. Bleiben Sie dran, suchen Sie den Skandal, man könnte sonst glatt auf die Idee kommen, es gäbe Wichtigeres: Gott bewahre!

Godehard Ruppert

Präsident der Otto‐Friedrich‐Universität Bamberg

 

Foto: David Ebener / Pressestelle Universität Bamberg

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