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400 Partywütige Studierende randalieren alles weg?

400 Partywütige Studierende randalieren alles weg?

Ein Kommentar von Dominik Schönleben

„Nur mit einem enormen Polizeiaufgebot gelang es, die zum Teil aufgeheizte Stimmung der mehreren hundert Feiernden zu beruhigen.“ So beschrieb der dem studentischen Milieu fremde Redakteur von inFranken.de das Ereignis von gestern Nacht. Bei seiner lebhaften Beschreibung bekommt man den Eindruck, das provinziale Bamberg glaube, es wäre von den Krawalldemonstranten des ersten Mais besucht worden und nur durch einen heldenhaften Einsatz ihres Freundes und Helfers, der Polizei, vor einer Tragödie bewahrt worden. Auch der BR folgte, ganz im Stile einer hörigen Berichterstattung der Meinung der Polizei, und suggeriert, dass Studierenden die Absicht besessen hätten, sich gegen eine gestoppte Bierausgabe der Veranstalter, mit einer Straßensperre zu rächen. Ich finde es fast lobenswert, dass man uns Studierenden selbst im betrunkenen Zustand weiterhin so viel Organisationstalent zutraut 400 Kommilitonen dazu zu bewegen eine Straße zu sperren. Die Party mag zwar maßlos überfüllt gewesen sein – zivilisiert haben sich trotzdem alle verhalten.

Als ich gegen 23 Uhr 30 auf die Party kam, waren dort bereits drei der vier Stockwerke, auf denen die Party stattfand, ziemlich voll, aber in keinster Weise in beunruhigendem Maße. Höchstens die Schlange auf dem Weg zur Toilette ließ ein erstes Ausmaß der „Katastrophe“ erahnen. Des Überfüllungsproblems  wurden wir erst gewahr, als sich erste Gerüchte rumsprachen, dass die Polizei gekommen wäre. Wir dachten dabei an die von der Nachbarschaft alarmierte, obligatorische Streife, die verzweifelt versucht, mit zwei überforderten Polizisten eine Party dazu zu zwingen, die Musik leiser zu machen, bis sie wieder um die Ecke weiter gefahren sind, nur um dann eine halbe Stunde später das Spielchen zu wiederholen. Wir entschlossen uns dann, zum Rauchen nach draußen zu gehen, um ein bisschen frische Luft zu schnappen. Das war unser fataler Fehler. Kaum hatte ich das Treppenhaus verlassen und wollte mich zu meinen Freunden umdrehen, schrie mich ein Typ an der Tür mit den Worten an: „Du kommst hier nicht mehr rein! Deine Jacke kannst du dir morgen abholen!“ Als ich mich verwirrt umdrehte und durch den Vorhof torkelte, wurde mir schlagartig die Tragweite der Situation bewusst: Die gesamte Straße war voll mit trinkenden Studierende, die keinen Platz mehr auf der Party gefunden hatten. Irgendwo in der Mitte jubelten einige Studierende einem Kommilitonen zu, der auf der abgesperrten Straße unter allgemeinem Beifall ein paar Flick-Flacks vorführte. Im Hintergrund versuchte ein Bus ein Wendemanöver, während die Polizei auf der gegenüberliegenden Straßenseite Stellung bezogen hatte und scheinbar nicht so recht wusste, wie sie auf die Situation reagieren solle. Während sich das Gerücht verbreitete, dass langsam das Bier ausgehe, weil man nicht mehr nach innen käme, sorgte ein Typ neben mir mithilfe einer Mundharmonika für die passende musikalische Untermalung.


Ich fing an, wie dutzende andere Studierende um mich herum, Fotos und Videos mit dem Handy zu machen, woraufhin die Polizei sich endlich entschloss in Aktion zu treten. „Was würden Sie davon halten, wenn ich meine Bierflasche auf Ihr Auto stelle“, motzte mich ein bulliger Polizist an. Und das dann auch noch zu fotografieren, wäre ja eine Unverschämtheit. Nachdem er zu merken schien, dass es quasi zwecklos ist und andere Studierende bereits anfingen, ihn mit der Kamera zu filmen, reihte er sich wieder zu seinen Kollegen ein. Dort stand die Polizei dann unschlüssig und ratlos, wie sie mit der Situation umgehen solle. Während die Studierenden, vorzüglich unterhalten, keine Anstalten machten, die Straße zu verlassen, wartete jeder darauf, was als nächstes passieren würde. Ein perfektes Stalemate.


Irgendwann, so gegen 3 Uhr, hatten es die Veranstalter fertig gebracht, alle Gäste aus dem Haus auf die Straße zu schleusen. Sie redeten auf die Leute ein, sie sollen nach Hause gehen, was auch immer mehr in die Tat umsetzten. Die Polizei stand weiterhin einfach nur auf der anderen Straßenseite und zeigte Präsenz. Ich glaube, es war weitaus mehr der besonnenen Organisationsleistung der Veranstalter geschuldet, anstatt der Deeskalationsmaßnahmen der Polizei, dass alle Studierenden irgendwann doch wieder friedlich nach Hause gingen. Es kam weder zu Verletzungen noch zu Straftaten. Selbst der Rettungswagen, der am Ende der Straße stand, war ohne Zusammenhang aufgrund eines Zwischenfalls in einer Kneipe ausgerückt. Aus dem Ruder gelaufen ist hier nichts, es waren einfach nur ein paar Leute zu viel da.

Fotos: Dominik Schönleben

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