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Filmreview – Mein Blind Date mit dem Leben

Filmreview – Mein Blind Date mit dem Leben

Der Hotelfach-Azubi Saliya ist fast blind und niemand bekommt etwas davon mit. Die Verfilmung einer wahren Geschichte.
Titelbild: Bianca Taube

Heute ist der Deutsch-Singhalese Saliya Kahawatte Unternehmer und Autor. In jungen Jahren kämpfte er sich mit einer Lebenslüge durch die Ausbildung im Luxushotel. Seine außergewöhnliche Lebensgeschichte wurde nun in Form einer Komödie verfilmt.

Saliya (Kostja Ullmann) will als Hotelfachmann Karriere machen. Doch kurz vor dem Abitur wird bei ihm eine Augenkrankheit festgestellt, sein Sehvermögen sinkt innerhalb kürzester Zeit auf fünf Prozent. Von Hotels hagelt es Absagen, vom Arbeitsamt Erniedrigungen. Doch seinen Traum aufzugeben und stattdessen in einer Behindertenwerkstatt zu arbeiten kommt für Sali nicht infrage. Also verschweigt er in einem Fünf-Sterne-Hotel seine Sehbehinderung, bekommt einen Ausbildungsplatz und fängt voller Motivation an, sein Leben um die Lüge herum zu gestalten. Ganz nach dem Motto: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. In seinem täglichen Blind Date mit dem Leben muss Saliya alles ganz genau planen und jeden Schritt im Voraus auswendig lernen, oder sich eben auf seine übrigen vier Sinne verlassen. Beim Rest unterstützt ihn sein Kollege Max (Jacob Matschenz), der lange als Einziger sein Geheimnis kennt und ihm immer wieder aus der Patsche hilft. So schlägt sich Saliya durch die Ausbildung, mixt Drinks an der Hotelbar nach Gefühl, putzt Hotelzimmer mithilfe einer Lupe und schaut bei Gesprächen dahin, wo er die Augen vermutet. Das alles funktioniert zunächst erstaunlich gut, doch spätestens die Liebesgeschichte mit der Gemüselieferantin Laura (Anna Maria Mühe) bringt das Lügengerüst ins Wanken.

In Marc Rothemunds Verfilmung wird das Leben als fast Blinder unter Sehenden unglaubwürdig einfach dargestellt. Immer wieder filmt die Kamera aus Saliyas Sichtweise. Man sieht dann die Welt wie durch eine Milchglasscheibe und fragt sich nur: Wie macht der das? Bei seinem übertriebenen Optimismus und Durchhaltewillen fällt es einem als Zuschauer schwer zu glauben, dass es sich um die Verfilmung einer wahren Geschichte handelt. In der Vorlage zum Film, der Autobiographie von Saliya Kahawatte, waren mehrere Selbstmordversuche die Folge der Lebenslüge. Der Film-Saliya pumpt sich kurzzeitig mit Drogen voll, doch die meiste Zeit sieht man einen unverdrossenen Kämpfer ohne große Selbstzweifel und Misserfolge. Seine Behinderung wirkt manchmal eher wie Tollpatschigkeit.

Eigentlich also viel zu schön, um wahr zu sein. Der Film ist zu seicht für das eigentlich ernste Thema, hat aber genug Witz und Herz, um als romantische Komödie zu bestehen. Verglichen mit vielen anderen deutschen Komödien verdient „Mein Blind Date mit dem Leben“ einen Platz irgendwo im oberen Drittel. Könnte auch daran liegen, dass die Geschichte nicht komplett erfunden, sondern nur ein wenig aufpoliert wurde.

Trinkspiel:
Jedes Mal, wenn wir die Welt aus Saliyas Augen sehen und nicht 
glauben können, wie er geradeaus gehen kann, wird ein Shot 
getrunken. Mal sehen, wer am Ende noch geradeaus gehen kann.

 

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