Schließen
Filmreview – Fifty Shades of Grey – Gefährliche Liebe

Filmreview – Fifty Shades of Grey – Gefährliche Liebe

Fifty Shades of Irrelevanz oder: Warum Fifty Shades of Grey 2 kein Porno ist, aber genauso wenig Handlung hat wie einer.
Titelbild: Bianca Taube

Pünktlich zum Valentinstag 2018 wird der dritte und letzte Teil der Beststeller Trilogie, die, wie wir hörten, alle feuchten Hausfrauenträume auf einen Schlag wahr werden lässt, in die Kinos kommen. Bevor es soweit ist, zeigt die USI am Montag nochmal den zweiten Teil der Reihe: Fifty Shades of Grey – Gefährliche Liebe.

Nachdem der Studentin Anastasia die SM-Spielchen ihres millionenschweren Sexgottes Christian am Ende des ersten Teils zu heftig wurden, ist sie nun zu Beginn des zweiten Teils Single. Nach Abschluss ihres Studiums, tritt sie jetzt eine Stelle als Redakteurin an. Sie will ein neues Leben als selbstbestimmte Frau führen, die von nun an ohne kontrollsüchtigen Freund auf eigenen Beinen steht – das erzählt sie zumindest ihrer Mutter. Diese Prinzipien wirft Anastasia aber bereits nach fünf Minuten wieder über den Haufen und schon beim ersten Wiedersehen mit Christian sind alle guten Vorsätze vergessen: Sie landet mit ihrem Ex im Bett – und das soll nicht das letzte Mal gewesen sein, dass die beiden Zärtlichkeiten (oder sollten wir eher Schläge sagen) austauschen.

Ähnlich irrelevant sind auch alle anderen Handlungsstränge, die so zahlreich im Film angefangen, aber leider allesamt nicht weitergeführt werden. Ob die psychopathische Ex-Gespielin von Christian, Anastasias aufdringlicher neuer Chef oder der Hubschrauberabsturz des superreichen Geschäftsmannes: alles eigentlich ganz spannend, aber bei keiner der angefangenen Geschichten, weiß man so richtig, was man damit anfangen soll. Wie auch, wenn jegliche Handlung nach drei Minuten abrupt beendet wird, weil die beiden Protagonisten sich lieber wieder mit Spielzeugen aus dem roten Zimmer vergnügen?

Auch Anastasias widersprüchliches Verhalten trägt nicht gerade zu einem konsistenten Handlungsaufbau bei: Zwar erzählt sie Christian ständig, dass sie eine normale Beziehung – ohne SM-Spielchen – will, rennt bei der erstbesten Gelegenheit aber sofort wieder in sein Spielzimmer, um sich von ihm irgendwelche bizarren Fesselwerkzeugen umschnallen zu lassen. Emanzipiert und unabhängig will sie auch sein, lässt sich aber gleichzeitig sündhaft teure Kleider von ihm schenken. Und dass sie nur wegen ihm in die Chefetage ihres Unternehmens befördert wird, scheint sie auch nicht sonderlich zu stören. Warum auch? Sie ist ohnehin so gut wie nie dort, weil sie ihre Zeit lieber auf Christians Segelboot oder halbnackt in seinem Luxusappartement verbringt.

Also seien wir ehrlich: Wer diesen Film wegen der spannenden und umfassenden Handlung ansieht, hat irgendwas nicht ganz verstanden. Es geht hier um Sex – zumindest sollte das so sein, denn auch von abstrusen BDSM-Spielchen sieht man im Film nicht allzu viel. Zwar haben Christian und Anastasia alle fünf Minuten Sex oder machen zumindest eindeutige Anspielungen darüber, aber außergewöhnlich viel passiert da auch nicht. Zudem bleibt fraglich, ob die Zuhilfenahme einer Paprika für besagte sexuelle Andeutungen wirklich nötig oder eigentlich eher lächerlich war.

Insgesamt sind die Sexszenen aber ganz schön gemacht und wesentlich hochwertiger als in einem Durchschnitts-Softporno, mit dem Kritiker die Shades of Grey-Reihe gerne mal vergleichen. Die Kameraeinstellungen sind toll, die Musik passt, das Ambiente auch und man sieht wesentlich mehr von Anastasias Brüsten als man es von einem Hollywood-Film erwarten würde. Spätestens beim spontanen Sex auf Christians überdimensionalem Billardtisch, gehen dann wohl alle geheimen Hausfrauenträume in Erfüllung – glauben wir mal.

Aber auch das zwanzigste Mal als die beiden sich tief in die Augen schauen, bevor sie übereinander herfallen, kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Chemie zwischen den beiden einfach nicht passt. Gerade Anastasias Versuche Christian zu verführen wirken oft ziemlich plump, irgendwie gezwungen und bei mancher ihrer Reaktionen auf Christians unkonventionelle Liebesspielchen muss man sich fast fremdschämen. Christian macht zwar in seiner recht eindimensionalen Rolle als superheißer BDSM-affiner Supermilliardär grundsätzlich alles richtig – wichtige Geschäftstelefonate führen, Sixpack trainieren und besorgt in die Ferne blicken – trotzdem fragt man sich, warum der Hauptdarsteller in einem eigentlich primär für Frauen gedachten Film beim Sex seine Hose nicht mal halb über den Hintern zieht. Wir wollen doch bitte auch mal was Anderes sehen als Anastasias Nippel.

Trotzdem: Zum Kopf ausschalten und dabei Brüste sehen ist der Film auf jeden Fall geeignet. Und für die Mädels lohnt sich das Ansehen wegen der Szene, in der Christian oberkörperfrei mehr als athletische Dinge in seinem hauseigenen Fitnessstudio vollbringt, allemal. Denn diese Szene ist zwar ebenso handlungsarm wie die anderen, aber vor allem eben eines: ziemlich heiß.

Trinkspiel:
Bei jeder sexuellen Anspielung einen Schluck von eurem Lieblings-
getränk. Bei jedem Mal, dass Anastasia und Christian Sex haben, 
einen Shot eurer Wahl. So vergisst man auch ganz schnell, dass es 
eigentlich keine andere Handlung gibt.
Schließen