„Wir haben das Fass zum Überlaufen gebracht”

Die Studiendekanin der Fakultät Sozial- und Wirtschaftswissenschaften, Professorin Susanne Rässler, spricht im Ottfried-Interview über die Zwischenlösung Hegel-Saal, Live-Streaming aus dem Hörsaal und darüber, wie lange der Studierendenansturm andauern wird.

Ottfried: In der Uni schien man am Montag von den überfüllten Hörsälen überrascht. Wurde mit der großen Studierendenzahl nicht gerechnet?

Prof. Rässler: Doch. Meine Hochrechnungen im Juli waren 1200 Erstsemester, ich hatte aber nur mit 800 BWLern gerechnet, jetzt sind es ja fast 400 mehr. Meine Kollegen haben schon vor Semesterstart die Vorlesungen gedoppelt. Da das Audimax deshalb so voll belegt war, konnte aber zum Beispiel Professor Egner für die Vorlesung Einführung in die BWL keinen passenden Termin mehr finden. Wir haben leider das Fass zum Überlaufen gebracht.

Haben die Maßnahmen also nicht ausgereicht?

Es ist schon sehr viel im Vorfeld getan worden. Mit dem Ausbauprogramm wurde einiges mehr an Professuren geschaffen. Vor vier Semestern gab es zum Beispiel noch neun BWL-Lehrstühle, jetzt sind es 14. Nur vom neuen Marcushaus profitieren wir eben leider nicht. Man hätte zwei Dinge machen könnten: Erstens, einen NC auf BWL setzen. Wenn man das gut findet, kann man darüber diskutieren. Oder man hätte zweitens die Einschreibefrist verkürzen können. Aber damit bestraft man die angehenden Studierenden für politische Entscheidungen. Und wir sehen uns als studentenfreundliche Universität.

Eine Zwischenlösung sind ab nächster Woche Vorlesungen im Hegel-Saal in der Konzerthalle, der 669 Plätze hat. Wie kann man sich das vorstellen?

Wir können den Hegel-Saal montags fast durchgehend nutzen. Dort werden zusätzliche Vorlesungen künftig die Vorlesungen Mathematik I, Personalmanagement, Buchführung und Einführung in die BWL abgehalten werden. Herr Egner wird zum Beispiel nach seiner Vorlesung im Audimax noch eine zusätzliche Veranstaltung im Hegelsaal von 16 bis 18 Uhr halten. Wir haben die Zeiten so gelegt, dass die Studenten nicht zwischen den verschiedenen Standorten wechseln müssen. Die Lehrstühle Makroökonomik und Mikroökonomik bieten ja schon zusätzliche Vorlesungen an der Feki an.

Gibt es weitere Lösungen?

Wenn im neuen Marcushaus noch Plätze sind, buchen wir die natürlich. Das konnten wir jetzt mit einer Wirtschaftsenglisch-I-Vorlesung so machen. Im Audimax und den anderen zwei größeren Hörsälen an der Feki findet am Freitag eine Begehung vom städtischen Bauamt statt. Wir hoffen, dass wir die Sitzplätze dann noch aufstocken können, im Audimax etwa auf bis zu 700.

Wie stehen Sie zu Live-Streaming?

Ich lehne das nicht grundsätzlich ab, wir sind immerhin Teil der virtuellen Hochschule Bayern. Wir würden Übertragungen dann machen, wenn wir die Studierenden wirklich nicht mehr anders unterbringen. Derzeit machen Live-Übertragungen aber keinen Sinn, weil wir ja keinen Hörsaal haben. Natürlich ist die Situation jetzt für die Studierenden etwas nervig, aber Ende nächster Woche sollen die Lehrpläne dann endgültig feststehen.

Bis wann wird sich die Situation beruhigt haben?

Das kann man ganz schwer sagen. Ich gehe davon aus, dass wir kommendes Sommersemester wieder mehr Zulauf als im Sommersemester 2011 haben werden. Es ist ganz einfach: Bis die jetzigen Erstsemester in sechs oder sieben Semestern fertig sind, werden wir es mit großen Mengen zu tun haben.

Vielen Dank für das Gespräch.

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