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Occupy University Bamberg soon?


New York machte im September den Anfang, seither hat die Occupy-Bewegung gegen die Macht der Finanzmärkte unzählige Städte auf dem ganzen Globus erfasst. Wird die Occupy-Welle bald auch auf Bamberg überschwappen? Ottfried hat sich in Berlin bei demonstrierenden Studierenden schon mal umgehört.

„Dem Deutschen Volke“ kann ich in großen Lettern über dem Eingang des Bundestages in Berlin lesen. Am vergangenen Samstag war das Volk dort – und es war wütend. Dass die amerikanische Anti-Börsenbewegung „Occupy Wallstreet“ nach Deutschland überschwappt, hat die Demonstration „Banken in die Schranken“ am 12. November gezeigt. Ich war am Bundestag in Berlin und erlebte Wut und Unmut der jungen Leute aus nächster Nähe.

Im kalten Novemberwind flattert die schwarz-rot-goldene Flagge unserer Nation über dem futuristisch glänzenden Kuppelbau des Bundestags. Unweit vom Hauptbahnhof der Bundeshauptstadt steht ein Monument, das mit seiner Verbindung von klassischem Prunkbau und post-moderner Architektur als Symbol unserer modernen Demokratie gelten soll. Der Ort, wohin Bundeskanzlerin Angela Merkel jeden Tag zur Arbeit geht – oder besser von ihrem persönlichen Chauffeur gefahren wird.

Die frische Luft ist erfüllt von Stimmenchören und Paukenschlägen. Eine Gruppe von Demonstranten trommelt voller Unmut auf gelbe Tonnen mit dem Atom-Logo. „Hallo Frau Merkel, Frau Merkel jetzt reicht es uns“, brüllt ihre Wortführerin in ein Megafon. Dann gleitet ein Wagen mit Reggae Musik vorbei und Bob Marley übertönt die Aktivisten mit seiner Revoluzzer-Hymne „Get up, Stand Up: stand up for your rights!“ Rote Banner der Linkspartei schwenken im Wind, neben den grünen vom Bündnis 90. Ein Stück weiter werden Unterschriften gegen die Privatisierung der S-Bahn gesammelt. Jeder scheint wegen etwas anderem hier zu sein.

Wenn man dem Zug aus wütenden Demonstranten folgt, sieht man drei junge Männer auf der Straße stehen. Sie halten ein Plakat mit der Aufschrift: „Occupy University“. Statt Wut strömen die Studierenden der Humboldt-Universität Berlin stoische Gelassenheit aus. Eine Tugend, die sie sicher durch das Anstehen vor überfüllten Vorlesungssälen und Seminarräumen gelernt haben. Sie brüllen oder schreien nicht, sie stehen einfach nur da, mit erhobenem Haupt. Sie zeigen ihren Missmut durch Präsenz. Es gibt einiges, über das Studierende unserer Generation unzufrieden sind. Als ich Oskar Stolz frage, warum ihn die Occupy-Bewegung als Studierenden überhaupt betrifft, antwortet er: „Ich glaube, dass die Wirtschaftskrise und die damit zusammenhängende Bankenrettung direkte Konsequenzen für uns Studierende haben. Es gibt Prioritäten wofür es Geld in unserer Gesellschaft gibt. Für die Rettung von Banken. Und wofür gibt es kein Geld: für Bildung. Die Konsequenzen kriegen wir heute zu spüren.“ Man hört den Unmut in Oskars Stimme, als er mir erzählt, dass es mittlerweile so viele Studierende an der Berliner Universität gibt, dass die Mensa nur noch Plastik-Geschirr ausgibt, weil sie mit dem Abspülen nicht mehr hinterher kommt. Und wofür gibt es kein Geld? Für Bildung, sagt der HU-Student Oskar Stolz.

Oskar Stolz ist von der politisch unabhängigen Hochschulgruppe „Occupy HU“ (http://www.occupy-university.de), die sich erst in den letzten drei Wochen gebildet hat. „Es ist das gespürte Demokratie Defizit und die Angst vor dem sozialen Abstieg, was alle auf die Straße treibt“, meldet sich Oskars Kumpel Max Manzey zu Wort und die anderen beiden nicken zustimmend. Da ist man sich einig.

Seit Oktober gibt es die „Occupy University“ Bewegung in Deutschland. Bis jetzt machen vier deutsche Unis mit: die Freie Uni Berlin, die Humboldt Uni Berlin, die Uni Marburg und die Uni Köln. Eine Aktionsgruppe kann jede Universität gründen. Die Gruppen veranstalten Infoabende („Teach Ins“) und Aktionen wie „Occupy Seminarzentrum“ (FU Berlin). Sie sind unzufrieden: Weil die Hörsäle überfüllt sind, die Lehrbedingungen immer schlechter werden und die Hochschule mehr und mehr zu einem Betrieb verkommt, der durch NCs und Studiengebühren die Studierenden selektiert. Dazu kommt die Sorge, nach dem Studium keinen Job zu finden.

Zurück in Berlin werden am Siegestor Reden gehalten. „Wir sind wütend, wir sind sauer“, sagt etwa Christoph Bautz, der Geschäftsführer von Campact (Demokratie in Aktion). Nach den Reden folgt Musik: Den Beat legt DJ Yellow Pride vor. Darauf rappen MC Rating und MC Triple A satirische Zeilen über die Erfolgsgeschichte der Randgruppenpartei FDP. Man lacht. Als die Band die Bühne verlässt, rufen alle nach Zugabe. Die mangelnde Ernsthaftigkeit, die der Bewegung anhaftet kommt wieder zum Vorschein, als sich ein Stimmenchor bildet: „Echte Demokratie jetzt. Zugabe!“ Bei solchen Forderungen gilt bloß zu hoffen, dass die 68er damals auch viel Humor hatten – sonst sehe ich schwarz für blödel Demonstration mit spaßigen Wortspielen und Trollface-Plakaten. Doch obwohl derzeit viele der Occupy-Camps temporär von der Polizei geräumt werden, scheint die Bewegung nicht aufzuhalten zu sein. Stellt sich die Frage: Wann kommt „Occupy University” nach Bamberg?

Fotos von der Demo in Berlin: Dominik Schönleben

„Dem Deutschen Volke“, kann ich in großen Lettern über dem Eingang des Bundestages in Berlin lesen. Am vergangenen Samstag war das Volk dort – und es war wütend. Dass die amerikanische Anti-Börsenbewegung „Occupy Wallstreet“ nach Deutschland überschwappt, hat die Demonstration „Banken in die Schranken“ am 12. November gezeigt. Ich war am Bundestag in Berlin und erlebte Wut und Unmut der jungen Leute aus nächster Nähe.

Im kalten Novemberwind flattert die schwarz-rot-goldene Flagge unserer Nation über dem futuristisch glänzenden Kuppelbau des Bundestags. Unweit vom Hauptbahnhof der Bundeshauptstadt steht ein Monument, das mit seiner Verbindung von klassischem Prunkbau und post-moderner Architektur als Symbol unserer modernen Demokratie gelten soll. Der Ort, wohin Bundeskanzlerin Angela Merkel jeden Tag zur Arbeit geht – oder besser von ihrem persönlichen Chauffeur gefahren wird.

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Die frische Luft ist erfüllt von Stimmenchören und Paukenschlägen. Eine Gruppe von Demonstranten trommelt voller Unmut auf gelbe Tonnen mit dem Atom-Logo. „Hallo Frau Merkel, Frau Merkel jetzt reicht es uns“, brüllt ihre Wortführerin in ein Megafon. Dann gleitet ein Wagen mit Reggae Musik vorbei und Bob Marley übertönt die Aktivisten mit seiner Revoluzzer-Hymne „Get up, Stand Up: stand up for your rights!“ Rote Banner der Linkspartei schwenken im Wind, neben den grünen vom Bündnis 90. Ein Stück weiter werden Unterschriften gegen die Privatisierung der S-Bahn gesammelt. Jeder scheint wegen etwas anderem hier zu sein.

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Wenn man dem Zug aus wütenden Demonstranten folgt, sieht man drei junge Männer auf der Straße stehen. Sie halten ein Plakat mit der Aufschrift: „Occupy University“. Statt Wut strömen die Studierenden der Humboldt-Universität Berlin stoische Gelassenheit aus. Eine Tugend, die sie sicher durch das Anstehen vor überfüllten Vorlesungssälen und Seminarräumen gelernt haben. Sie brüllen oder schreien nicht, sie stehen einfach nur da, mit erhobenem Haupt. Sie zeigen ihren Missmut durch Präsenz. Es gibt einiges, über das Studierende unserer Generation unzufrieden sind. Als ich Oskar Stolz frage, warum ihn die Occupy-Bewegung als Studierenden überhaupt betrifft, antwortet er: „Ich glaube, dass die Wirtschaftskrise und die damit zusammenhängende Bankenrettung direkte Konsequenzen für uns Studierende haben. Es gibt Prioritäten wofür es Geld in unserer Gesellschaft gibt. Für die Rettung von Banken. Und wofür gibt es kein Geld: für Bildung. Die Konsequenzen kriegen wir heute zu spüren.“ Man hört den Unmut in Oskars Stimme, als er mir erzählt, dass es mittlerweile so viele Studierende an der Berliner Universität gibt, dass die Mensa nur noch Plastik-Geschirr ausgibt, weil sie mit dem Abspülen nicht mehr hinterher kommt.

Oskar Stolz ist von der politisch unabhängigen Hochschulgruppe „Occupy HU“ (www.occupy-university.de), die sich erst in den letzten drei Wochen gebildet hat. „Es ist das gespürte Demokratie Defizit und die Angst vor dem sozialen Abstieg, was alle auf die Straße treibt“, meldet sich Oskars Kumpel Max Manzey zu Wort und die anderen beiden nicken zustimmend. Da ist man sich einig.

Seit Oktober gibt es die „Occupy University“ Bewegung in Deutschland. Bis jetzt machen vier deutsche Unis mit: die Freie Uni Berlin, die Humboldt Uni Berlin, die Uni Marburg und die Uni Köln. Eine Aktionsgruppe kann jede Universität gründen. Die Gruppen veranstalten Infoabende („Teach Ins“) und Aktionen wie „Occupy Seminarzentrum“ (FU Berlin). Sie sind unzufrieden: Weil die Hörsäle überfüllt sind, die Lehrbedingungen immer schlechter werden und die Hochschule mehr und mehr zu einem Betrieb verkommt, der durch NCs und Studiengebühren die Studierenden selektiert. Dazu kommt die Sorge, nach dem Studium keinen Job zu finden.

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Zurück in Berlin werden am Siegestor Reden gehalten. „Wir sind wütend, wir sind sauer“, sagt etwa Christoph Bautz, der Geschäftsführer von Campact (Demokratie in Aktion). Nach den Reden folgt Musik: Den Beat legt DJ Yellow Pride vor. Darauf rappen MC Rating und MC Triple A satirische Zeilen über die Erfolgsgeschichte der Randgruppenpartei FDP. Man lacht. Als die Band die Bühne verlässt, rufen alle nach Zugabe. Die mangelnde Ernsthaftigkeit, die der Bewegung anhaftet kommt wieder zum Vorschein, als sich ein Stimmenchor bildet: „Echte Demokratie jetzt. Zugabe!“ Bei solchen Forderungen gilt bloß zu hoffen, dass die 68er damals auch viel Humor hatten – sonst sehe ich schwarz für blödel Demonstration mit spaßigen Wortspielen und Trollface-Plakaten. Doch trotz allem – bald wird es „Occupy University“ wohl auch in Bamberg geben.





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