“Leute geht wählen!”

„Leute geht wählen“ appelliert Stefanie Neumann (21), Spitzenkandidatin der Liste ‘Grüne HSG / JUSO HSG / Liste AStA und Fachschaften / USI e.V.’ . Kurz vor den anstehenden Hochschulwahlen spricht sie mit uns über die Themen die ihr besonders am Herzen liegen und warum Studierende ihre Stimme nutzen sollten.

 

 

Ottfried: Die Meinung, dass der studentische Senator sowieso keinen Einfluss hat scheint ja selbst unter den Kandidat(inn)en weit verbreitet zu sein. Du hast zum Beispiel auf der Podiumsdiskussion am 05. Juni gesagt, es sei den Profs eh scheißegal was der studentische Senator sagt…

Stefanie Neumann: …ja aber das wollte ich nicht so hart formulieren. Mich hat einfach geärgert, dass der Kandidat von RCDS und LHG immer davon geredet hat, Programme durchbringen und Entscheidungen für Studierende treffen zu wollen. Im Senat ist das aber so nicht möglich, da die studentische Vertretung kein wirkliches Veto- und Stimmrecht hat.

Also bringt das Ganze wirklich nicht viel, da fast alle Abstimmungen acht zu eins ausgehen, wie auch auf der Podiumsdiskussion gesagt wurde?

Nein, das stimmt nicht. Auf einem informellen Weg kann es durchaus gelingen Professor(inn)en und andere Vertreter(innen) des Mittelbaus „auf unsere Seite zu ziehen“ und so dafür zu sorgen, dass Abstimmungen nicht acht zu eins ausgehen. In lockeren Gesprächen im Unialltag zum Beispiel können wir den Professor(inn)en unsere Seite, also die Seite der Studierenden, darlegen.

Spiegelt sich der (scheinbar) geringe Einfluss der gewählten Vertreter auch in der geringen Wahlbeteiligung wieder?

Das denke ich eher nicht. Die Leute, die nicht wählen gehen, informieren sich auch nicht und wissen somit auch nicht, dass wir nur bedingt Einfluss haben. Für mich liegt die Ursache der niedrigen Wahlbeteiligung im Nichtwissen und Nichtinformieren.

Ließe sich das nicht ändern?

Ich habe vor, Möglichkeiten durchzugehen, die Studierendenvertretung nach außen lebendiger und interessanter zu gestalten. Die Arbeit, die Aktionen und die Ziele der Studierendenvertretung müssen mehr nach außen getragen werden, um bei den Studierenden mehr Interesse zu wecken.

Beim Betrachten der Listen fällt auf, dass lediglich einer der fünf Kandidaten aus der FEKI kommt. Dabei sollte doch gerade unter den Politikwissenschaftlern das Interesse höher sein, selbst Politik betreiben zu können…

…das ist einfach Zufall. Es hat sich kein anderer bereitgestellt. Es wurde nicht vorher überlegt, aus welchen Fakultäten die Kandidat(inn)en kommen sollen.

Wenn du gewählt wirst, wofür willst du dich besonders einsetzen?

Ich möchte mich besonders für ein barrierefreies Studium einsetzen. Barrieren sehe ich dabei in zweierlei Hinsicht. Zum einen natürlich in den sozial selektiven Studiengebühren sowie den Zulassungsbeschränkungen, die meiner Meinung nach ungerecht sind. Aber auch insgesamt Barrierefreiheit für Seh-, Hör- und Gehbehinderte, sowie eine familienfreundliche Hochschule mit vielen Kinderkrippen- und Teilzeitstudienplätzen – darunter fällt dann auch die bessere Vereinbarkeit von Studium und Berufsausübung.

Welche Ziele sind deiner Einschätzung nach auch wirklich zu erreichen?

Ich werde mich aktiv dafür einsetzen, dass die Studiengebühren auf 300 Euro gesenkt werden. Dann müssen wir die Wahl 2013 abwarten, ob die Studiengebühren nicht eh wegfallen – ein weiteres realistisches Ziel, die Studierendenvertretung nach außen zu tragen. Außerdem geht es als Senator(in) in erster Linie auch darum, Ansprechpartner für Studierende zu sein. Dafür möchte ich offen sein und ständig in Kontakt mit den Hochschulgruppen, Referaten und natürlich den einzelnen Studierenden stehen.

Was sind für dich die wichtigsten Probleme die angegangen werden müssen?

Das größte Problem das ich sehe ist, dass Leuten mit Abitur aus sozial selektiven Überlegungen der Zugang zur Uni verwehrt wird. Das geht für mich nicht. Durch diese Art der Selektion ist keine Chancengleichheit gegeben und ich halte die Abiturnoten für ein ungerechtes Mittel, Studierende auszusuchen.

Hast du andere Vorschläge?

Das ist eine sehr schwierige Frage, auf die ich auch noch keine Lösung gefunden habe. Langfristig muss der Freistaat Bayern dafür sorgen, dass genügend Studienplätze für alle mit Abitur, egal was sie studieren wollen, zur Verfügung stehen. Kurzfristig sehe ich keine Möglichkeiten.

Wo siehst du Chancen für konkrete Veränderungen?

Ich denke, wenn die Studierenden zusammenhalten und sich gemeinsam für ein Thema engagieren, sind Veränderungen möglich. Ich appelliere an die Studierenden ein Zeichen zu setzen, denn nur so gibt es Veränderungen. Ich als Einzelne kann nichts bewegen – Studierende steht auf! (lacht)

In eurem Wahlprogramm fordert ihr mehr Mitbestimmung der Studierende. Wie genau soll diese aussehen?

Langfristig ist das große Ziel, die Wiedereinführung einer verfassten Studierendenschaft, bei der sich Studierende in einem Studierendenparlament engagieren können. Kurzfristig wäre vielleicht anzudenken Professor(inn)en darauf anzusprechen, das auch der zweite studentische Vertreter im Senat ein Stimmrecht bekommt. Mir ist auch wichtig, dass Studierende sich in der Unilandschaft mehr für ihre Ziele einsetzten. Beispielsweise die Aussage des Wissenschaftsministers Wolfgang Heubisch, dass ja alles gut laufen müsse mit den doppelten Abiturjahrgängen, man höre ja nichts von den Studierenden müsste doch eigentlich ein guter Grund für die Studierenden sein laut zu werden.

Ein weiterer Punkt eures Programms ist die externe Einflussnahme auf Lehre und Forschung…

…was diesen Punkt betrifft ist mein persönliches Anliegen die Abschaffung der Konkordatslehrstühle. Die Einflussnahme hat zum einen nichts mit dem Kompetenzbereich der Kirche zu tun und widerspricht zum anderen dem Grundgesetz, nach dem Kirche und Staat getrennt sein müssen.

Noch ein Abschlussstatement?

Ja! Leute geht wählen!

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