Das Stipendium ist eine gute Alternative zum BAföG oder Studienkredit. Wenn du nicht zu den Glücklichen gehörst, deren Eltern genug verdienen, um dein Studium zu finanzieren, solltest du darüber nachdenken, ob für dich ein Stipendium infrage kommt. Hast du gute Leistungen in der Uni vorzuweisen und engagierst dich im gesellschaftlichen, sozialen oder sportlichen Bereich, so stehen deine Chancen recht gut. Bis zur Aufnahme in eine der fast 2000 Stiftungen im In- und Ausland ist es allerdings ein weiter Weg. Redakteurin Laura Berger zeigt euch, wie ihr euch im Stipendien-Dschungel sowie im Bewerbungsverfahren zurechtfindet.

1. Informations- und Orientierungsphase:

logo1Wenn du nicht schon direkt nach dem Abitur für ein Stipendium vorgeschlagen wurdest, gibt es zwei Möglichkeiten:
a) entweder das Prüfungsamt der Uni fragt dich aufgrund deiner überdurchschnittlich guten Leistungen, ob es deine Daten an die Stiftungen weiterleiten darf. Nach deinem Einverständnis erhältst du daraufhin Post von verschiedenen Stiftungen, die dir raten, ihnen deine Bewerbungsunterlagen zukommen zu lassen.
b) oder du denkst, du hast das Zeug dazu und informierst dich, welches Stipendium am besten zu dir passt und welche Kriterien du dafür erfüllen musst. Viele Stiftungen lassen auch Selbstbewerbungen zu.
Einen Überblick kannst Du Dir hier verschaffen

Die Stipendienportale stipendienlotse.de oder mystipendium.de generieren mithilfe einer Datenbank eine Auswahl an Stipendien, die auf dich zutreffen könnten.

2. Schriftliche Bewerbungsphase:

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Die schriftliche Bewerbung ist die erste Hürde, die es zu überwinden gilt. Sie kann je nach Stiftung mehr oder weniger umfangreich und dementsprechend zeitaufwändig ausfallen. Plane daher genügend Zeit ein. Hier werden meist ein tabellarischer oder sogar ausformulierter Lebenslauf, ein ausgefüllter Bewerbungsbogen und jede Menge Zeugnisse verlangt. Oft gehört ein mehrseitiges Motivationsschreiben dazu, indem du begründest, warum du das Stipendium möchtest und verdienst. Auch ein kurzes, aussagekräftiges Anschreiben ist zu empfehlen, denn der erste Eindruck zählt.

3. Das Gutachten:

logo 4Bei einem Großteil der Stiftungen ist auch ein Gutachten durch einen Hochschulprofessor erforderlich, der darin erklärt, wodurch sich der Bewerber auszeichnet und warum er sich für eine Begabtenförderung eignet. Darum wählst du im Idealfall einen Professor oder Dozenten deines Vertrauens aus, denn er muss dich fachlich und persönlich beurteilen können.

4. Bewerbungsfrist:

logo 5Stelle sicher, dass du alle erforderlichen Unterlagen zusammengestellt hast. Meistens müssen diese der Institution in zweifacher Ausfertigung zugesandt werden. Kopien und Originale möglichst ohne Eselsohren und Kaffeeflecken rechtzeitig losschicken – manche lassen nur das Eingangsdatum und nicht den Poststempel gelten.

 

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5.Einladung zum Auswahlgespräch:

Hast du eine schriftliche Einladung zum Auswahlgespräch erhalten, bist du eine Runde weiter: Bingo! Nach einem Blick in deinen vollen Terminkalender musst du Bescheid geben, ob du am vorgeschlagenen Termin teilnehmen kannst – falls nicht, musst du unbedingt unter Nennung von Gründen einen Ersatztermin wählen. Plane deine Anreise per Bahn oder Auto. Manchmal gibt es auf der Homepage der Stiftungen sogar die Möglichkeit, Fahrgemeinschaften zu bilden. Auf jeden Fall solltest du genügend Zeitpuffer einbauen, damit du nicht abgehetzt beim Auswahlgespräch ankommst.

6. Gründliche Vorbereitung ist das A und O:

Bereite dich mental auf das Auswahlgespräch vor. Wichtig ist, dass du über die religiöse oder politische Einstellung der Stiftung Bescheid weißt und dich im tagesaktuellen Geschehen auskennst. Informiere dich außerdem auf der Homepage der jeweiligen Stiftung über die ideellen Förderungsprogramme: Welches Seminar könnte dich besonders interessieren? Wähle Kleidung aus, in der du dich wohl fühlst. Anzug oder Kostüm wird meist gar nicht erwartet.

 

7. Gruppendiskusion und Einzelvortrag:

logo 8Oftmals wird von den Bewerbern erwartet, dass sie einen mündlichen, freien Vortrag halten oder eine Präsentation zeigen. Hier kommt es auf deine Ausdrucksfähigkeit und dein Auftreten an. Bei der anschließenden Diskussionsrunde achten die Mitglieder der Auswahlkommission auf Diskussionsbeteiligung und das Verhalten innerhalb der Gruppe. Hier zählen weniger Inhalte als kommunikative und soziale Kompetenzen.

8. Persönliches Gespräch:

logo 9Ein Gespräch unter vier Augen mit einem Prüfer dient dazu, dich persönlich einzuschätzen. Überlege dir, wie du dich selbst ins rechte Licht rückst, ohne zu über- oder zu untertreiben. Bleib dir selbst treu, alles andere wirkt eh nicht glaubhaft. Mache dich auf Fragen wie „Warum sollte die Stiftung gerade dich aufnehmen?“, „Welche ideellen Förderungsprogramme interessieren dich besonders?“ oder „Hast du noch Fragen?“ gefasst.

 

9. Abwarten und Tee trinkien:

logo 11Die Antwort flattert nach dem Auswahlseminar meist recht schnell in schriftlicher Form in die Briefkästen. Falls es nicht geklappt haben sollte: Mensch, ärgere dich nicht! Zumindest hast du es schon in die engere Auswahl geschafft, du kannst also stolz auf dich sein. Immerhin hast du interessante Menschen aus anderen Studiengängen kennengelernt.

 

10. Stipendium – ich komme:

logo 10Gehörst du nun zu den glücklichen Auserwählten, so kannst du bei deiner Stiftung aus dem großen Angebot an Projekten, Seminaren, Workshops und Vorträgen wählen. Das Büchergeld kannst du in Bücher investieren oder auch in andere Dinge, die dein Herz begehrt. Die finanzielle Unterstützung, die nach BAföG-Richtlinien berechnet wird, soll dir den Rücken freihalten, damit du nebenbei Zeit für ehrenamtliches Engagement findest und das Förderprogramm ausschöpfen kannst.

Text und Grafik: Laura Berger
Foto: Dominik Schönleben