Die Uni platzt
Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch und Uni-Präsident Godehard Ruppert hatten bei der Einweihung des Marcushauses nur eines im Sinn: Möglichst gut dazustehen. Die Studierenden waren in ihren Augen nur Mittel zum Zweck, die 12 000er-Marke zu reißen.
Die Regentropfen trommelten am Montagmorgen auf das nagelneue grau-grüne Marcushaus, trotzdem war der Uni-Präsident Godehard Ruppert bei der Einweihung des Gebäudes gut gelaunt. Er platzte schier vor Stolz, als er vor Honoratioren aus München und Bamberg lautstark verkündete, in diesem Wintersemester die 12 000 Studierenden-Marke geknackt zu haben. Schließlich sei ihm noch vor einigen Jahren prophezeit worden, mit der Bamberger Fächerkombination nie über die 11 000er-Marke zu kommen. Und dann bauchpinselten er und der bayerische Wissenschaftsminister Dr. Wolfgang Heubisch sich gegenseitig, was für ein tolles Gebäude das Marcushaus sei und wie unglaublich es die Lehrsituation in Bamberg verbessere.
Das stimmt. Allerdings nur für zwei Fakultäten: Geistes- und Kulturwissenschaften (GuK) und Humanwissenschaften (HuWi). Dabei studiert fast die Hälfte der diesjährigen Erstsemester BWL. Bei den Erstsemestereinführungstagen an der Feki am Tag darauf stapelten sich die Studierenden wie die Sardellen in der Büchse. Vorlesungen wie Statistik I werden ab kommendem Montag nicht anders aussehen. Wer einen Fensterbankplatz im Audimax ergattert, wird ihn verteidigen wie eine Löwenmutter ihr Junges.
Und nicht nur in den Hörsälen wird es eng, die Wohnsituation in Bamberg ist katastrophal. Auf WG-Gesucht herrscht Krieg. Katharina bietet 500 € für 5 m², Marcello fordert 405 € für ein 20 m²-Zimmer nahe des Bahnhofs. Dr. Heubisch argumentiert, „zur Verbesserung gibt es das Projekt auf der Erba-Insel, wo in Kürze 400 neue Wohnungen auf den Markt kommen werden“. Stimmt wieder. Allerdings sind Zimmerpreise des Wohnheims privater Investoren mit 350 bis 450 Euro rund doppelt so teuer wie Zimmer im Wohnheim Balthasargässchen, das vom Studentenwerk Würzburg betrieben wird.
Kommt es also zu einer sozialen Selektion der Bamberger Studierenden? Wer kann es sich noch leisten, hier zu wohnen? Selbst bei Voll-Bafög ist eine Wohnung auf der Erba-Insel unerschwinglich und dank des 6-Semester-Bachelors sind Nebenjobs schwer mit dem Stundenplan vereinbar. Ruppert und Heubisch umschiffen Probleme, die der Studierendenansturm nach sich zieht, in ihren Reden komplett. Stattdessen strahlen sie, wie sehr das neue Marcushaus die Fakultäten GuK und HuWi entlasten wird. Und lassen dabei die BWLer vorerst im Regen stehen.


Maximiliane Hanft
13. Oktober 2011
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7 Kommentare zu “Die Uni platzt”
Jetzt stellt euch mal nicht so an. Spätestens bis zum 3. Semester hat die Hälfte von euch doch eh aufgegeben.
http://www.youtube.com/watch?v=V0dLQbx50yk
Komme gerade aus dem Audimax an der Feki. Unglaubliche Zustände. Und dann sind die auch noch ernsthaft befugt Management zu lehren.
apropo Management: http://my.feki.de/index.php?option=com_content&task=view&id=2094&Itemid=160 Daumen hoch!
all about money..
Absolut unverständliche Politik. Man kann nur noch mit dem Kopf schütteln.
Sehr guter Kommentar, bringt alles kurz auf den Punkt. Man muss den Verantwortlichen einfach ‘Schönrednerei’ attestieren und nix anderes.