“Den Profs ist scheißegal, was der Senator sagt”
Für oder gegen Studiengebühren? Ja oder nein zum NC? Hat der studentische Senator überhaupt was zu sagen? Am Dienstag, den 5. Juni, stritten sich die Kandidaten für Konvent und studentischen Senator in einer Podiumsdiskussion. Wirklich neue Themen wurden dabei nicht angesprochen.
Eigentlich gab es nur zwei große Themen an diesem Dienstagabend, als sich ungefähr 50 Zuhörer zwischen den schwarzen Bänken des großen Hörsaals im neuen Markushaus verloren. Es ging um Studiengebühren und Zulassungsbeschränkungen; Themen, die die Studierendenvertreter spalten wie keine anderen.
Dieses Jahr gibt es nur zwei Listen, die um das Senatorenamt wetteifern: Die Liste ‘Grüne HSG / JUSO HSG / Liste AStA und Fachschaften / USI e.V.’ mit Spitzenkandidatin Stefanie Neumann (JUSO/ Liste AStA und Fachschaften) und die Liste ‘RCDS, LHG. Deine Uni, deine Wahl.’ Von deren Spitzenkandidat Adrian Witt (RCDS) hörte man allerdings wenig – er wurde eloquent von Hadrian Silberer (LHG), dem 2. Kandidaten derselben Liste, in die Ecke gedrängt.
Neumann betonte vor allem, dass es ihr wichtig sei, die Arbeit des Senats bekannter zu machen. Ihrer Meinung nach ist der Hauptunterschied zwischen den beiden Spitzenkandidaten, dass sie für die Abschaffung von Studiengebühren steht. Auch ihr Verständnis von den Machtverhältnissen im Senat war klar: “Den Professoren ist es scheißegal, was der studentische Senator sagt”, meinte sie. Da im Senat acht Vertreter der Universität gegen einen Studierenden stimmen, würden sich, laut Neumann, viele der Senatsmitglieder gar nicht erst mit dem studentischen Vertreter beschäftigen.
Hier war Witt anderer Meinung: “Man darf nicht mit der Meinung in den Senat gehen, dort eh nichts zu bewirken.” Er möchte sich vor allem für die Barrierenfreiheit einsetzen und Fahrradwege ausbauen. Bei seiner Stellungnahme wurde er von Silberer an die Wand gespielt, der als erster das Wort ergriff und betonte, dass auch innerhalb der Senatsstrukturen ein Dialog zwischen allen Senatoren möglich ist.
Aber auch die Kandidaten um ein Amt im studentischen Konvent ließen es krachen. Hier waren tiefe Grabenkämpfe zu erkennen, vor allem zwischen Jusos und RCDS. Bei der Frage um die Initiation der Postkartenaktion “Raumnot” lieferten sich ein Zuschauer, der behauptete, der RCDS hätte die Postkarten vorgeschlagen, und der Vertreter der Jusos, der darauf entgegnete, der Text sei von seiner Liste gekommen, eine regelrechte Wortschlacht.
Bei der Vorstellung der fünf Listen drängte sich der Eindruck auf, dass der Moderator, der Vorsitzende des amtierenden Konvents Jonas Klinner, es nicht immer schaffte, neutral zu bleiben. Als der Vertreter der LHG als Ziel Transparenz bei den Studiengebühren nannte, deren Verwendungszwecke leicht online auffindbar sein sollten, fiel er ihm ins Wort und verbesserte, anstatt als Beobachter zu agieren.
Bemerkenswert war hier auch, dass die meisten Zuschauer den Eindruck vermittelten, schon vor der Podiumsdiskussion genau gewusst zu haben, wen sie am Ende wählen würden. Anstatt neugierige Fragen zu stellen, warf das Publikum mit Behauptungen um sich. Bei der Frage, ob Zulassungsbeschränkungen verfassungsrechtlich seien, fand der Schlagabtausch fast komplett im Publikum statt. Während ein Zuschauer, der im Lager der eher links anzusiedelnden Listen saß, sich vehement auf ein Verfassungsurteil berief, das NCs als verwassungswidrig auslegt, verteidigte diese ein Mitglied des RCDS feurig.
Am Ende der Diskussion betonte Neumann, wie wichtig es ihr ist, im Falle eines Wahlsieges ihrem Leitfaden und ihren Prinzipien treu zu bleiben. Witt möchte vor allem beide Standorte der Universität, Feki und Innenstadt, gleichermaßen repräsentieren.
Die Hochschulwahlen finden am 12. und 13. Juni statt. Die genauen Standpunkte der einzelnen Listen findet ihr unter:
‘JUSO Hochschulgruppe / Liste AStA und Fachschaften’
‘Liberale Hochschulgruppe (LHG)’
‘USI – Unabhängige Studierendeninitiative’