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Weggegangen, Platz gefangen!


„Keine Panik!“ – wie oft haben wir das jetzt gehört? Allerdings: die Wirkung scheint nicht bei jedem anzuschlagen. Während sich mehr und mehr Studierende durch die Türen quetschen, sollte man auf gar keinen Fall darüber nachdenken, inwiefern die Brandschutzverordnung eingehalten werden kann. Dann doch lieber: keine Panik.

„In der Universität kannst du alles genau so legen, wie du es willst.“ – Pustekuchen.

Anlass zur Sorge ist aber nicht nur aufgrund von den weniger komfortablen Bedingungen innerhalb der Vorlesungen gegeben, viel mehr sorgt sich ein jeder darum, dass überhaupt die wichtigsten Veranstaltungen besucht werden können. Der Kampf um den Sitzplatz beginnt früh. Eine halbe Stunde vor Beginn ist der Saal gefüllt. Müde Gesichter werden vom viel zu frühen Klingeln ihres Weckers verfolgt und finden den einzigen Trost in reichlich Nervennahrung. Frühstück to go, statt gemütlich in den Tag starten.

Über 216 Neulinge im Fach Kommunikationswissenschaft müssen auf einführende Seminare und Übungen aufgeteilt werden. Viel mit Eigenverantwortung ist da nicht. Wer anfangs seinen Traum-Stundenplan ganz nach seinen Bedürfnissen zusammengestellt hat, wird diesem mit Tränen in den Augen hinterher trauern. Schon in der Eröffnungsveranstaltung der Fakultät werden Listen ausgeteilt, die eine willkürliche Zuteilung voraussagen. Und weil unsere Dozenten ja so toll sind, alle sich um uns bemühen, darf sich auch bloß niemand über das ganze Verfahren beschweren. Wenn man doch erst einmal das Verfahren nachvollziehen könnte…heute werden Zettelchen gezogen,  morgen entscheidet dann wieder dein Geburtsmonat über deinen Stundenplan – die Frage, die sich stellt: in wie weit entscheidet sich dadurch auch etwas für unsere Zukunft?

 

„Einführungen in das Fach oder Grundlagen Seminare sind für den Beginn deines Studiums gedacht.“ – Pustekuchen.

Kommunikationswissenschaft hat in Bamberg keinen NC. Die Zulassungsbeschränkung schließt ein achtwöchiges Vollzeit-Praktikum ein. Von dieser Regelung profitieren zahlreiche Studierende, die keine eins vor dem Komma stehen haben. Keine Studie der Welt kann belegen, dass die Abinote Aussage über deine Qualifikation für einen bestimmten Studiengang trifft. Ein Praktikum, welches einschließt, dass man sich intensiv mit einem Bereich auseinander gesetzt hast, kann darüber schon eher urteilen. Deshalb macht die Regelung auch durchaus Sinn. Nur leider: im Moment bereitet das angefangene Studium den meisten mehr Bauchschmerzen als Grund zur Freude über den zulassungsfreien Studiengang. Es sei ganz normal, dass nicht jeder zum Wunschseminar zugelassen wird, heißt es. Schön und gut, nur: Grundlagen sammeln – wenn nicht jetzt, wann dann?

Wie lange interessierte Bewerber von einem NC verschont bleiben, steht derweil in den Sternen. Ob die Universität dann allerdings weniger Studierende – in Hinblick auf die Einnahmen der Studiengebühren – annehmen würde, bleibt fraglich.

 

„Mit so einem Andrang konnte wirklich keiner rechnen.“ – Pustekuchen.

Erfahrungen aus den letzten Jahren, weisen auf keine allzu großen Zahlendifferenzen hin. Ein Dozent versucht, seine Studierenden mit Geschichten aus dem persönlichen Nähkistchen zu beruhigen: „Die eher angespannte Lage ist eigentlich nix Neues.“

Der Lehrstuhl hat sich auf diesen Ansturm eingestellt, warum allerdings die Verantwortlichen in der höheren Verwaltung nicht mit derartigen Zahlen geplant haben, sei vielen ein Rätsel. Der Wettbewerb ist groß, und jeder kämpft um einen Stundenplan, in dem auch das Kombinationsfach nicht zu kurz kommt. Improvisation und hohe Kompromissbereitschaft ist gefragt. Sowohl von Seiten der Fachschaft, als auch von uns – den Studienanfängern. Nach der ersten Woche werden die Ausmaße erst richtig deutlich. Alle sind genervt von ständigen Verschiebungen, Ungewissheit, Überfüllungen…dementsprechend schlägt sich das Ganze auf die Stimmung nieder. In der „Generation der zu vielen“ ist jeder grundsätzlich auf sich angewiesen, versucht so viel wie möglich für sich herausholen – ein herzliches Miteinander ist unter diesen Bedingungen kaum möglich. Wer zuerst kommt, lernt zuerst.

Der Ärger ist groß, eine gute Nachricht gibt es aber: zu 99,9 % wird es für jeden KoWi-Student möglich sein, das Grundlagenseminar zu besuchen. Zusätzliche Termine werden immer wieder angeboten. Es scheint, als entspanne sich die Lage hier in den nächsten Wochen. Der Andrang in den Vorlesungen wird nach Prophezeiung der Dozenten spätestens in der dritten Woche nachlassen, so dass jeder einen Sitzplatz bekommt. Hoffentlich! Denn länger ist dieser Zustand nicht zumutbar. Es fehlt nicht nur an Sitzplätzen, sondern auch der Raum für die individuelle Entfaltung. In momentaner Atmosphäre werden die Wurzeln unserer zukünftigen Kommunikationswissenschaft nicht zu sprießen beginnen. Es wird Zeit, die Keime mit den richtigen Nährstoffen zu versorgen.

Auch wenn es einem schwerfällt, die Enttäuschung in den ersten Tagen groß ist, man das Gefühl nicht los wird, dass Bamberg (die Universität?, die Stadt?, ganz Bayern?) versagt – es ist wohl noch etwas Geduld gefragt. Abwarten und Tee trinken – die richtigen Temperaturen dafür hat es ja schon.

Ach ja, eine Anmerkung soll noch fallen.  In diesen chaotischen Tagen scheinen einige der Studierenden grundsätzliche Werte zu vergessen. Spätestens eine Viertelstunde vor Schluss entsteht allgemeine Aufbruchsstimmung. Die Sorge, in einer Anschlussveranstaltung etwas Wichtiges zu verpassen ist nachvollziehbar. Wer aber, um endlich heimzukommen, seinen Dozenten – der Dozent überzieht natürlich mit Absicht, weil er seinen Feierabend auch noch am liebsten mit einer kampfhungrigen Meute Studierenden im stickigen Hörsaal verbringt -bereits in der ersten Sitzung anlügt, hinterlässt die falsche Botschaft. Die Saat der „Generation-der-zu-vielen“ in unfruchtbares Land verschulden andere.





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