„Bildung ist Menschenrecht“

Ein Jahr, nachdem der Senat die Studienbeiträge gesenkt hat, steht zur Debatte, sie wieder anzuheben. Eine Demo sollte aufrütteln.

 

Freitag, 10. Dezember, 14.45 Uhr: Die ersten Studierenden finden sich vor dem Markushaus ein. Unter ihnen ein Mann, auf dessen übergezogenen Jutesack „Ein Herz für Bildung!“ geschrieben steht. Im Hintergrund ein roter Pritschenwagen mit Lautsprechern auf der Ladefläche.
Der Grund: eine Demo gegen die Erhöhung der Studienbeiträge auf 500 Euro. Nachdem im Winter 2009 die Beiträge auf 400 Euro gesenkt wurden, überlegt der Senat nun, diesen Beschluss wieder rückgängig zu machen, endgültig wird er am 22. Dezember darüber entscheiden. Die Demo soll „ein Zeichen setzen“, erklärt eine Studentin, „ob `s wirkt oder nicht, zeigt sich ja erst, wenn man es ausprobiert“.
Um 15.10 Uhr, nach einigen kurzen Kundgebungen, setzt sich der Zug in Bewegung. Es geht von der Löwenbrücke über die Kettenbrücke hin zum Gabelmann. Aus den Lautsprechern dröhnt Musik und immer wieder stimmen Sprechchöre ein: „Wir sind hier und wir sind laut, weil man uns die Bildung klaut.“ Oder: „Nur was frei ist, ist gerecht, Bildung ist ein Menschenrecht!“ Unter diesem Motto steht auch die Demo. Denn Artikel 26 des Grundgesetzes besagt: Jeder hat das Recht auf Bildung.
Durch die Erhöhung der Studienbeiträge wäre dies allerdings nicht mehr für jeden möglich. „Ich demonstriere unter Anderem, weil ich Probleme hätte, Studiengebühren von 500 Euro trotz Nebenjob aufzubringen“, sagt ein Student und fügt hinzu: „Ich hoffe und glaube auch, dass die Demo etwas bringen wird, sonst wäre ich ja nicht hier.“

 

Bemitleidendes Lächeln für Demonstranten Hoffnungen wie diese werden in der anschießenden Pause an der Kettenbrücke bei einer ermutigenden Rede von Benjamin Bauer, einem Mitglied der Studierendenvertretung, geschürt: „Bildung ist ein Mittel zur Emanzipation des Menschen, zu einem freien Objekt und nicht zum Wirtschaftsobjekt“, sagt Bauer. Obwohl die Stimmung zu Beginn des Umzugs eher nüchtern war, wirken die Demonstranten nun deutlich motivierter. Dennoch – die wünschenswerte Teilnahme der Passanten bleibt aus. Die Demonstranten werden teilweise, so scheint es, bemitleidend angelächelt, vor allem als der Zug auf der Kreuzung Willy-Lessing-Straße/Lange Straße mit einer Sitzblockade den Verkehr für etwa fünf Minuten lahmlegt.  Trotzdem lassen sich die etwa 200 Studierenden weder von der beißenden Kälte noch von den unverständigen Blicken ihre Laune trüben. Sie pfeifen unverdrossen, trommeln, und hin und wieder tanzen sie auch.
Von den neugierigen Blicken der Weihnachtsmarktbesucher verfolgt, nähert sich die Demo ihrem Ziel, dem Gabelmann. Die abschließenden Reden sollen auch den Außenstehenden klarmachen, was die Studierenden meinen, wenn sie für ein „gerechteres Bildungssystem“ durch Bamberg ziehen.
Simon Dudek, studentischer Senator, zieht ein optimistisches Résumé: „Die Intention war, konkret zu sagen, dass die Studiengebührendebatte besteht. Allerdings soll es nicht nur um die Studiengebühren gehen, sondern wir wollen eine Verbesserung des Bildungs- und auch des Gesellschaftssystems als Ganzes. Die Demo hat total meinen Erwartungen entsprochen, die Menschen haben gezeigt, dass ihnen die Bildung nicht egal ist. Ich glaube auf jeden Fall, dass die Demo viele Leute erreicht hat, dafür waren wir laut genug.“
Jetzt heißt es abwarten und hoffen, dass auch die Senatoren das so sehen. Denn schon Konfuzius lehrte: „Bildung soll allen zugänglich sein. Man darf keine Standesunterschiede machen.“

 

 

Facebook-Kommentare

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>