| Unibesetzung, zweiter Tag |
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von Jan David Sutthoff | Mittwoch, 18. November 2009 Die Besetzung in der Bamberger Uni hält an. Am Dienstagnachmittag haben Studierende den Hörsaal U7/105 eingenommen und zeigen seitdem friedlich, was sie vom Bildungssystem halten: nicht viel. Ottfried informiert euch über die wichtigsten Vorkommnisse vom Mittwoch.
Nachdem etwa 50 Leute die Nacht von Dienstag auf Mittwoch im Hörsaal verbracht hatten, gingen heute die Diskussionen in den Arbeitskreisen weiter. In diesen Gruppen werden die Forderungen erarbeitet, welche das Plenum in seiner Funktion als Entscheidungsorgan des Bamberger Bildungsstreiks beschließen soll. Das Plenum begann mit Verspätung, weil immer mehr Studierende in die Uni strömten. Gegen 20.30 Uhr waren Hörsaal und Flure voll. Zwischenstand der ArbeitskreiseDie Arbeitskreise stellten im Plenum ihre ersten Ergebnisse vor: AK Studiengebühren: Der AK diskutiert die Abschaffung der Studiengebühren als mittelfristiges bayernweites Ziel, die Senkung der Studiengebühren auf 300€ als kurzfristiges Ziel speziell für die Universität Bamberg. Ferner will man eine Umfrage zu Studiengebühren erstellen, welche nach Beschluss am Freitag durchgeführt und über das Wochenende ausgewertet werden soll. AK Demokratisierung: Der AK diskutiert die Forderung nach paritätischer Besetzung aller Gremien der Universität, um die bisherige Marginalisierung der Studierenden in den Entscheidungsstrukturen zu beenden. Die Frage nach der Notwendigkeit der gesetzlichen Festlegung dieser Mitspracherechte steht im Raum. AK Schule: Angeregt wird eine kostenlose Grundversorgung mit gesunden Nahrungsmitteln an Schulen, die Reduzierung der Klassenstärken auf 15-20 Schüler pro Klasse, keine weiteren Einschnitte bei Besoldung und den Gehältern von Lehrkräften, Abschaffung der Notenquotierung und kostenfreie Hausaufgabenbetreuung. AK Archäologie: Als Forderungen sind bessere interdisziplinäre Kommunikation, die Verbesserung der Lehrsituation durch Anwerbung von Drittmitteln durch Professoren, die Zusammenlegung der Archäologie an einen Standort und die Verhinderung von Lehrveranstaltungsüberschneidungen im Gespräch. AK Wohnen: Zur Diskussion stehen geringere Mietpreise für die Wohnheime, bessere Busanbindung, auch für die nähere Umgebung und die Einführung eines Anruf-Linientaxis. Der schlechte Zustand der Wohnheime wird kritisiert, Neubau von mindestens ein bis zwei Wohnheimen und Mieterschutz für Studenten sollen als Forderungen aufgenommen werden. AK Lehrsituation: Zur Diskussion stehen die Verbesserung der Lehrveranstaltungsqualität, gleichbleibende Studienbedingungen von auslaufenden Studiengängen sowie eine Überarbeitung des Online-Prüfungssystems FlexNow. Erste Forderungen formuliertNach teilweise hitzigen Diskussionen verabschiedete das Plenum die ersten drei konkreten Ziele: In Zukunft soll eine ärztliche Prüfungsfreistellung ausreichen und ein Attest nicht mehr von Unigremien gesichtet und beurteilt werden müssen. Die Anwesenheitspflicht soll abgeschafft werden. Außerdem sollen Klausuren zukünftig anonym, also ohne Angabe eines Verfassernamens, abgegeben und so unvoreingenommen beurteilt werden. Weitere Forderungen beschloss das Plenum noch nicht, damit sind die Arbeitskreise nun wieder am Zug. Sie wurden aufgefordert, für morgen weitere Thesen zu erarbeiten, die dann im Plenum behandelt und eventuell schon zur Abstimmung gestellt werden können. Aber: "Nur wenn alle, die heute da waren (und noch weitere), morgen wieder zu uns kommen, hat die Sache einen Sinn", verkündeten mehrere Studierende während des Plenums. Das Plenum am Donnerstag soll bereits um 18 Uhr beginnen. Der Arbeitskreise starten um 11 Uhr. Außerdem wurde bekanntgegeben, dass am Montag eine Podiumsdiskussion stattfinden soll. Viel Unterstützung für die BesetzerDie Aktionen der Studierenden stoßen auf immer neue Förderer: Der Dekan der Fakultät GuK, Professor Klaus van Eickels, hatte am Nachmittag bereits vier Stunden mit den Studierenden diskutiert. Er habe grundsätzlich Verständnis für die Forderungen, jetzt müsse man sich zusammensetzen und über Lösungsmöglichkeiten diskutieren. "Ich möchte mir Ihre Ziele anhören", sagte van Eickels. Seine Anwesenheit fand großes Lob der Studierenden. Dr. Michael Gerten ließ Berichten zufolge sein Politik-Seminar an der Feki ausfallen und hielt dort stattdessen einen Vortrag zum Thema Bildung. Er kündigte außerdem an, morgen zu den Besetzern zu kommen, um mit ihnen zu diskutieren. Aus der Feki sendete Gerten diese Grußbotschaft in die Innenstadt: "Manchmal muss man zur Vernunft zwingen." Infostand am GabelmannDie Studierenden errichteten einen Infostand am Gabelmann, der helfen soll, die Bamberger Bürger für die Ziele der Studierenden zu gewinnen. Rund 900 Menschen erklärten sich bereit, eine Solidaritätsbekundung zu unterschreiben. Weitere Unterstützung bekamen die Besetzer von Bäckereien und Marktverkäufern, die Brot, Brötchen, Obst und Gemüse spendeten. Marcel Escher, RCDS-Gruppenvorsitzender Bamberg, sprach sich derweil gegen die Besetzung aus: "Der Bildungsstreik schadet uns Studenten", so Escher. Die Kritik am Bologna-Prozess sei in Teilen richtig. Aber die konkreten Veränderungen würden in den Gremien unserer Hochschule durchgesetzt und nicht durch bloße Krawalle und das Schimpfen auf Politiker. "Bei den Organisatoren vom Streik scheint noch immer die Hoffnung auf die Weltrevolution vorhanden zu sein und sie sind zu bequem um sich mit den Realitäten an den Hochschulen auseinandersetzen." Eschers Äußerungen sorgten für Unmut bei den an der Besetzung beteiligten Studierenden. Passau als AnspornDass die aktuellen Studierendenproteste Wirkung haben, zeigt sich an der Uni Passau. Dort sicherte der Präsident unter anderem zu, sich dafür einzusetzen, dass die Studierenden zukünftig einen zweiten Platz im Senat bekommen, dass die Anwesenheitspflicht in Seminaren abgeschafft wird, dass Klausuren beliebig oft wiederholt werden dürfen und dass Universität und Studierende gemeinsam die Anzahl von ECTS-Punkten evaluieren, die für bestimmte Veranstaltungen vergeben werden. Kontakt zu Besetzern in anderen UnistädtenWichtiger Bestandteil der Besetzung war und ist die Internetarbeit, um zum einen die Interessierten zuhause zu erreichen und zum anderen in Verbindung zu den Studierenden zu sein, die andernorts die Unis besetzt haben. "So bekommt man das Gefühl, ein Teil der großen Bewegung zu sein", sagte der Betreuer der "Twitter-Zentrale" im Hörsaal 105.
Bamberg ist einer von vielen Orten, in denen die Studierenden momentan für bessere Bildung demonstrieren. Unter diesem Link findet ihr eine Liste, auf der alle "besetzten" Unistädte markiert sind.
Ottfried-Redakteur Jan David berichtet für euch aktuell aus dem besetzten Vorlesungssaal.
2. Ohne Titel jds, Administrator danke für den Hinweis, wir haben´s verbessert! Posted 19-11-09 10:31:48 1. Verbesserung Andi, Registered Hi,kleine Verbesserung: Es wurde nicht gefordert, die Attestpflicht komplett abzuschaffen, sondern nur, dass in Zukunft eine ärztliche Prüfungsfreistellung reicht und nicht wie jetzt das Attest unter Verletzung der ärztlichen Schweigepflicht, des Datenschutzes und Anzweiflung der ärztlichen Kompetenz von Unigremien gesichtet und beurteilt werden muss. Posted 19-11-09 09:02:51 Zuletzt geändert: Freitag, 20. November 2009 |
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