von Jana Wolf | Montag, 23. November 2009
Mit großer Beharrlichkeit besetzen Bamberger Studierende die Universität. Auch am Sonntagabend sind rund 50 Besetzer im Hörsaal U7, um beim täglichen Plenum mitzudiskutieren.
Zwischendurch wird an manchen Computern zwar gespielt, doch der Großteil der Anwesenden beteiligt sich konstruktiv an den bisweilen kontroversen Diskussionen.
Zwar sind die Zahlen der Teilnehmer über das Wochenende erwartungsgemäß gesunken, doch lagen die Bamberger mit 100 bis 150 Teilnehmern am Freitag und Samstag über dem Durchschnitt der momentan 64 besetzten Unis in Deutschland. An der LMU München beispielsweise fanden sich am vergangenen Wochenende weniger Studierende zum Protestieren ein. Vergleicht man die Studierendenzahlen, so kann Bamberg weniger als ein Fünftel der 46.000 Studierenden in München aufweisen, dafür jedoch vergleichsweise mehr Besetzer. Es geht um Details Die Vorstellung der Arbeitskreise im Plenum beginnt mit dem AK Demokratie. Am fünften Tag der Diskussionen geht es um Details. Es werden verschiedene Paragraphen des Hochschulgesetzes durchforstet und damit fundierte Einsichten in die Gesetzeslage gewonnen. Dies ist notwendig, um am Ende konstruktive Änderungsvorschläge vorlegen zu können. Die Meinungen zu den detaillierten Abstimmungen über Hochschulparagraphen gehen jedoch deutlich auseinander. So lautet eine Stimme aus dem Plenum, es sei "lächerlich, wenn wir uns jetzt seit einer Stunde über einen Artikel unterhalten, der noch niemals zur Anwendung kam." Sofortiger Widerspruch wird laut, denn besonders auch in scheinbar beiläufigen Paragraphen fänden sich Aspekte, die weit reichende Auswirkungen auf Studierende haben könnten. Deshalb sei es wichtig, sich auf diese Diskussionen einzulassen, um die eigene Glaubwürdigkeit zu wahren.
AK Hiwi mit eigenen ForderungenDer Arbeitskreis Hiwi beschäftigt sich weiterhin mit den Lohnbestimmungen von studentischen Hilfskräften. Nachdem es in Bayern bislang keinen Tarifvertrag für Hiwis gab, bedient man sich am Beispiel des Bundeslandes Berlin. Dort gilt ein einheitlicher Stundensatz von 10,98 Euro im Vergleich zu momentan 6,50 Euro in Bamberg. Die Frage, ob man einen Tarifvertrag für Bayern einführen wolle, findet sofortige Zustimmung. Um an einem konkreten Vorschlag zu arbeiten, will sich der AK Hiwi am Berliner Beispiel orientieren und davon ausgehend eigene Forderungen erarbeiten. AK Öffentlichkeitsarbeit will nicht alles öffentlich machen Vorübergehend ist der Ton der WebCam, über die live aus der U7 übertragen wird, abgeschaltet. Nicht alles soll sofort nach draußen dringen. So klingt bei der Vorstellung des AKs Öffentlichkeitsarbeit an, dass weitere Demonstrationsformen in München geplant sind, wenn die Studierenden mit ihren bisherigen Uni-Besetzungen erfolglos bleiben sollten. Um solche Aktionen zu planen, aber auch um gemeinsam mit anderen Universitäten Forderungen zu erarbeiten, hat Peter Ackermann zusammen mit anderen ein Forum errichtet, das demnächst bekannt gegeben wird. Der Student der Archäologie ist momentan in keinem AK aktiv. Er will mit dem Forum jedoch die interne Kommunikation der Bamberger Besetzer und die Vernetzung mit anderen Unis verbessern.
Mehr Mitbestimmung für SchülerViel Diskussionsbedarf zeigt sich bei der Präsentation des AKs Schulsystem. Die Forderungen von schulinternen Klassenräten, Jahrgangsstufen- und Stufenräten, die in erster Linie von Schülern besetzt werden, findet eine zustimmende Mehrheit. Auch ein Schulforum, das als höchstes Gremium in Schulen eingesetzt werden soll und aus jeweils drei Vertretern von Schülern, Lehrern und Eltern zusammengesetzt ist, wird gefordert. Hingegen findet die Frage, ob das bestehende Notensystem abgeschafft werden soll, keinen eindeutigen Beifall. Eine kontroverse Diskussion beginnt, als die Teilnehmer einen generellen Punkt aufwerfen: "Wie radikal dürfen unsere Forderungen sein?" Einerseits schaffe man sich mit der Besetzung einen Raum, in dem man neue und radikale Ideale entwerfen und ausarbeiten will. Man dürfe nicht voreilig von den Maximalzielen abweichen. Andererseits warnen Gegenstimmen davor, sich zu weit aus dem Fenster zu lehnen, beispielsweise in den Forderungen eines neuen Schulsystems. Das bringe Auswirkungen auf die gesamte Gesellschaft mit sich, die man nicht abschätzen könne. Ebenso sei es bedenklich, ein völlig neues Gesellschaftsbild entwerfen zu wollen. Nur fünf der insgesamt 14 AKs stellten ihre Ergebnisse am Abend im Plenum vor. Abgerundet wurde das Wochenende im besetzen Hörsaal mit einem gemütlichen Filmabend. Terminankündigungen des AK Infrastruktur für Montag, 23. November: 15 Uhr Auftritt von Poetry Slamer Christian Ritter (von Sonntag auf Montag verschoben) 17 Uhr Vortrag: "Freie Bildung?!" von Michael Schmitt von der Freien Uni Bamberg 19 Uhr Plenum (1 Stunde später als bisher) Zuletzt geändert: Montag, 23. November 2009 |