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"Ich fühle mich nicht ernst genommen."
von Sebastian Burkholdt, Christian Hellermann | Freitag, 27. November 2009

Foto: Christian HellermannWas gestern in der U7 stattfand, sollte eigentlich den vorläufigen Höhepunkt der Besetzung bilden und die Weichen für das weitere Vorgehen stellen.

Teile der Unileitung und des Senats sprachen mit den Studierenden über die erarbeiteten Forderungen. Die Diskussion war zwar lang, die Resultate aber bescheiden.

 

"Wenn das hier so weiter läuft, bleib ich hier." Pädagogik-Student Ben ist nicht zufrieden. Er hatte sich vom Plenum am Donnerstagabend mehr erwartet. Neun Tage war die Uni besetzt, dann präsentierten die Besetzer Vertretern der Hochschulleitung und des Senats ihre Forderungen. Der Saal war brechend voll, Studierende standen auf der Treppe, vor dem Eingang in die U7 wartete eine Menschentraube auf Einlass. Sie bekamen die Vorkommnisse im Hörsaal 105 nur über Lautsprecher, die im Treppenhaus standen, mit. Auch in einem Hörsaal der gegenüber liegenden U5 hatten sich viele Studierende eingefunden. Sie verfolgten die Diskussion per Video-Livestream.

Nicht alle geladenen Mitglieder von Hochschulleitung und Senat kamen

Foto: Christian HellermannDie Besetzer hatten die Universitätsleitung, den Senat und die Dekane der Fakultäten eingeladen. Doch nicht alle Vertreter stellten sich dem Plenum und dessen Forderungen. Sebastian Kempgen, Vizepräsident für Lehre und Studium, und Anna Susanne Steinweg, Vizepräsidentin für Forschung, repräsentierten die Universitätsleitung. Präsident Godehard Ruppert erschien nicht.

Von den fünf Professoren, die im Senat sitzen, kamen lediglich Friedhelm Marx, Inhaber des Lehrstuhls für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft, und Andreas Henrich, Inhaber des Lehrstuhls für Medieninformatik. Zudem folgten Tilman Kallenbach, studentischer Vertreter im Senat, Matthias Sommer, beratendes Senatsmitglied, und der Vertreter des Mittelbaus, Stefan Wendt, der Einladung. Thomas Gehring, Dekan der Fakultät SoWi, und Stefan Lautenbacher, der die HuWi-Dekanin Sybille Rahm vertrat, vervollständigten die Runde. Die Moderation übernahm Hans Kurz vom Fränkischen Tag.

Viele der anwesenden Besetzer waren enttäuscht, dass Hochschulleitung und Senat nicht vollzählig zum Gespräch erschienen. Im Laufe des Abends sollte sich das als Schwäche erweisen. Sebastian Kempgen stellte bereits zu Anfang klar, dass der Kreis der Anwesenden keine grundlegenden Beschlüsse fassen könne. Dies sei nur vollständig versammelten Uni-Organen möglich.

Vorerst keine Senkung der Studiengebühren

Foto: Sebastian BurkholdtGegen 20:30 Uhr präsentierte das Plenum seine erste Forderung: "Zum Sommersemester 2010 sind die Studiengebühren auf 300 Euro zu senken."

Über eine Stunde brachten Besetzer Argumente für eine Senkung vor, jedoch ohne Erfolg. Sebastian Kempgen betonte zwar seine Bereitschaft, konstruktiv zu diskutieren, gab allerdings im selben Atemzug die Verantwortung an den Senat ab. Dieser wiederum verwies auf eine erneute Abstimmung im kommenden Semester.

Keiner der anwesenden Studierenden wollte sich damit zufrieden geben, stattdessen forderten sie eine schnelle Entscheidung binnen einer Woche. Nachdem auch diese Forderung als nicht umsetzbar abgewiegelt wurde, machte sich Ärger und Enttäuschung breit. "Wie kann die Uni drei Millionen Euro Überschuss horten und nicht die Studiengebühren senken?", fragte ein Student. Er könne die Argumentation der Professoren nicht nachvollziehen, dass bei einer Senkung Personal entlassen werden müsse – trotz der Überschüsse.

Ungläubiges Raunen erntete Sebastian Kempgen, als er sagte: "Die Universitätsleitung ist an einer vernünftigen Finanzierung der Universität interessiert. Ob das Geld aus Studiengebühren oder vom Staat kommt ist uns erstmal egal." Laut Gesetz sind die Studienbeiträge jedoch zur Verbesserung der Lehre da, die Grundfinanzierung der Uni muss hingegen der Staat tragen. Die Professoren schoben die Verantwortung auf die Landesregierung ab. Daraufhin endete die Diskussion mit dem Appell eines aufgebrachten Besetzers: "Wir müssen in München jetzt Druck machen!"

Viel Gerede, keine Ergebnisse

Foto: Sebastian BurkholdtDas Engagement der Studierenden war hoch, ebenso wie ihre Erwartungen. Um 23 Uhr wurde erst die sechste Forderung aufgegriffen, sodass früh absehbar war, dass nicht alle 32 Punkte ausgiebig diskutiert und entschieden werden können.

Sebastian Kempgen empfand die Diskussion bis dahin als "wenig fruchtbar". Man könne in vielen Punkten nicht zu Lösungen kommen. Er kritisierte, dass "wenig konkrete Forderungen" gestellt würden. Die Anregung, wichtige Änderungen den Studierenden per Mail oder Post direkt mitzuteilen, nahm er allerdings auf.

Andere Vorschläge, wie die Empfehlungen der AG Studienbeiträge verbindlich zu machen, seien "juristisch nicht umsetzbar". Auch über die Entzerrung des Bachelor-Studiums diskutierte man lang, letztlich jedoch ebenso ergebnislos wie zu anderen Forderungen, die den Bologna-Prozess betrafen.

Die Frage nach einer zentralen Raumvergabe angesichts der Raumnot wies Anna Susanne Steinweg zurück: "Die Problematik ändert sich durch zentrale Vergabe nicht." Die Raumnot sei bekannt, doch sei dies die Aufgabe der Fakultäten. Eine Studentin bemerkte, dass angesichts der Studiengebühren jedem Kommilitonen mindestens ein Sitz- und Arbeitsplatz zur Verfügung stehen müsse.

Besetzung wird weiter gehen

Foto: Christian HellermannBen ärgerte sich über die seiner Ansicht nach mangelnde Bereitschaft der Professoren, auf die Forderungen einzugehen: "Ich fühle mich nicht richtig ernstgenommen." Ein Kommilitone spricht die Anwesenden direkt an: "Ich verstehe, dass Sie sich nicht festlegen wollen, aber ich verlange, dass Sie Ihre persönlichen Vorschläge zur Vorgehensweise nächste Woche bei uns einreichen."

Applaus bekamen die geladenen Gäste jedoch für ihre Bereitschaft, bis in die frühen Morgenstunden zu diskutieren. Erst um 4:30 Uhr löste sich die Versammlung auf. Die Besetzung wird jedoch weiter gehen, so wie Ben es unter tosendem Beifall bereits angekündigt hatte.


Heute, 18 Uhr: Auswertung des gestrigen Gesprächs im Plenum

 

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Zuletzt geändert: Dienstag, 1. Dezember 2009
 
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