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Mit der OBA geht immer was
von Jan David Sutthoff | Freitag, 12. Dezember 2008

Foto: Jan David SutthoffMenschen treffen, die einem im Alltag so manches Mal fremd und unnahbar vorkommen: Die Rock-Disco der Offenen Behindertenarbeit Bamberg im Live Club machte es möglich.

Die Stimmung steckte jeden an – früher oder später.

 

Immer dasselbe mit den Männern. Zu gerne würde Saschas Freundin mit ihm die Tanzfläche stürmen. Aber Sascha will nicht. Tanzen mag der 19-Jährige nicht und er kann es auch nicht, findet er. Was die Einstellung zum Tanzen angeht, sind Sascha und seine Freundin grundverschieden. Aber es gibt etwas Anderes, das sie gemeinsam haben: ein Handicap.

Im Live Club läuft die Rock-Disco der Offenen Behindertenarbeit Bamberg (OBA). Disco für Menschen mit und ohne Behinderung, offen für jedermann und kaum anders als gewöhnliche Partys. Aus den Boxen dröhnen Klassiker der Musikgeschichte. Laut, sehr laut. Gerade singt Survivor „Burning Heart“. Ab und zu zischen grelle Lichtblitze durch den abgedunkelten Club in der Oberen Sandstraße.

"Hier geht's rund"

Foto: Jan David Sutthoff

 

Die Stimmung stimmt, die Organisatoren sind zufrieden. Monika Maierhöfer von der OBA sagt: „Wichtig ist, dass Menschen mit Behinderung Menschen ohne Behinderung treffen und gemeinsam Spaß haben.“ Sebastian trifft Nancy, Nancy trifft Sebastian. Sebastian ist geistig beeinträchtigt. „Steht zumindest auf meinem Ausweis“, erzählt er und lacht.

Nancy hat keine Behinderung. Sie betreut eine OBA-Gruppe aus Sachsen, mit der sie zur Party nach Bamberg gekommen ist. „In Bamberg finde ich es ziemlich langweilig, aber wenn ich mit der OBA unterwegs bin, ist immer was los, egal wo!“, meint sie. „Hier geht´s rund“, sagt Sebastian. Aber Musik gebe es bessere, findet er. Hip-Hop beispielsweise.

Dafür, dass es hier rund geht, sorgt DJ Rainer mit seinen Hits aus den 70ern und 80ern. „Tanzen, aber dalli“, schreit er in sein Mikrofon. „Ja!“, entgegnet die Masse. Dann rein die CD und ab geht`s. Gute Laune im Live Club. Das findet auch Barkeeper Johannes: „Echt cool heute! Wenn ich später Zeit habe, gehe ich auch auf die Tanzfläche“, sagt er und nimmt eine neue Bestellung auf.

Die erste Polonaise zieht durch den Club

Foto: Jan David SutthoffEs ist halb sechs abends. Seit zwei Stunden wird inzwischen gefeiert. Einige Partylustige haben eine Polonaise durch den Raum gestartet. DJ Rainer spielt „Walking on Sunshine“. Die Tanzfläche ist gut gefüllt, aber Sascha fehlt. Seine Freundin tanzt jetzt ohne ihn. Sascha hockt in der Ecke und beobachtet das Geschehen. Partys
seien auch nicht so sein Ding, „nur wegen meiner Freundin bin ich mitgekommen“. Und er hat sich extra sein weißes Hemd angezogen.

Sascha ist aber nicht der Einzige, der die Tanzfläche meidet. Man kann sich schließlich auch anders beschäftigen. Eine etwa 30-jährige Frau hat es sich zum Beispiel an einem Stehtisch bequem gemacht. Aber: „Nicht stören“, äußert sie und zieht mit dem Strohhalm an ihrer Zitronenlimonade. Ein Mann im gleichen Alter schimpft mit dem Zigarettenautomaten: „Kommt nichts raus, muss mal nachgefüllt werden!“ Eine Betreuerin mischt sich in den Streit ein: „Du musst schon Geld einwerfen.“

"Los Leute, tanzen!"

Das kleine Problem ist schnell gelöst, Streit unerwünscht. Gemeinsam singen alle Anwesenden ein Ständchen für drei Geburtstagskinder. Derweil spricht ein Gast bei DJ Rainer vor. In der Hand hält er eine der CD-Hüllen, die der DJ auf seinem Pult ausgebreitet hatte, und zeigt auf einen Titel.

Der DJ folgt dem offensichtlichen Musikwunsch und spielt „We will rock you“. „Los Leute, tanzen!“, kräht Rainer ins Mikrofon. Die Ansage wirkt: Die Masse auf der Tanzfläche stampft und tobt. Einer hat seinen Pullover ausgezogen und wirbelt damit wild herum. Jungen und Mädchen, Männer und Frauen tanzen. Und mittendrin Saschas Freundin. Gemeinsam mit Sascha. Es geht doch.

 

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Zuletzt geändert: Samstag, 31. Januar 2009
 
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