| Wie unabhängig kann Reisejournalismus sein? |
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von Sven Becker | Dienstag, 11. Dezember 2007
Fest steht: Das Geld ist nicht da. Stattdessen habe ich an einem Presseskiwochenende der Jungen Presse Bayern teilgenommen. Mit fünf anderen Nachwuchsjournalisten aus Bayern konnte ich das vordere Zillertal erkunden und erste Einblicke in den Reisejournalismus bekommen. Begleitet wurde das Wochenende von dem erfahrenen Reisejournalisten Michael Ruef. Einzige Teilnahmebedingung: Wir haben uns verpflichtet, über die Region im Anschluss zu berichten. Während des gesamten Wochenendes haben die Marketing-Leute der "Ersten Ferienregion im Zillertal", wie sich Fügen und die Orte in der Umgebung selber nennen, für uns bezahlt. Und da kam einiges zusammen: zwei Übernachtungen im 4 Sterne-Hotel, Skipässe, Therme, Nobel-Restaurant und Edel-Disko - alles inklusive. Wohl gefühlt hab ich mich bei der Sache nicht. Schließlich steht nicht zu Unrecht im Kodex des Presserates: Eine klare Trennung zwischen redaktionellem Text und Werbung ist ebenso notwendig wie die Verweigerung der Annahme von Vorteilen. In der Gruppe haben wir ausführlich über das Thema diskutiert. Unser Leiter Michael Ruef hat dabei auf die schwierige Lage vieler Reisejournalisten hingewiesen: Die meisten Zeitungen haben ihre Reise-Redaktionen weitgehend aufgelöst. Stattdessen greifen Sie auf freie Mitarbeiter zurück, die sich alle Fahrten selbst organisieren müssen. Die Belohnung ist schlecht, für einen Artikel bekommen viele Freie vielleicht noch tausend Euro. Wenn ein Journalist ein solches Presseskiwochenende mit eigener Anreise, Ausrüstung und sämtlichen Stationen selbst finanzieren und noch die Steuern abziehen muss, bleiben ihm von den tausend Euro allerhöchstens fünfhundert übrig. Er müsste praktisch jedes Wochenende einen anderen Ort bereisen, um sich finanziell über Wasser zu halten. Mit ausführlicher Recherche, gut geschriebenen Artikeln und vielleicht einem Familienleben passt das nicht gut zusammen. Das Problem ist daher auch ein Problem der Verleger. Wenn sie völlig unabhängigen Journalismus fordern, müssten sie den Journalisten die Reisekosten zahlen oder sie wesentlich besser für die Artikel entlohnen. Dazu sind die meisten aber nicht bereit. Was hindert Reisejournalisten im Übrigen daran, trotz freier Kost und Logis kritisch zu berichten? Ich habe in meinem Beitrag versucht, die Schwächen zu nennen, die es aus meiner Sicht vor Ort gegeben hat. Für die Wintersportregion mag ein kritischer Beitrag auf den ersten Blick schmerzhaft sein. Es kann aber auch zu einem Ansporn werden, besser zu werden. Ein Beispiel: Am Spieljoch ist mir beim Gang aufs Klo aufgefallen, dass der Kindergarten direkt neben den Toiletten untergebracht ist. Wenn ich den Artikel für ein Familienmagazin geschrieben hätte, wäre das sicher in den Beitrag eingeflossen. Vielleicht hätte man vor Ort darauf hin begonnen, eine anderen Raum für die Kinder zu suchen. Über Bewertungen meines Artikels, aber auch über den Blog-Eintrag würde ich mich sehr freuen.
Zuletzt geändert: Samstag, 19. Januar 2008 |
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