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Scheiß drauf-Mentalität to go

Scheiß drauf-Mentalität to go

Doch wieder Wegwerfbecher in den Cafeterien des Studentenwerks. Ein Armutszeugnis für einige Studierende, kommentiert unser Autor.
Titelgrafik: Chiara Marasco

Studentenwerke sind Anstalten öffentlichen Rechts. Sie sollen die „sozialen Rahmenbedingungen“ für ein Studium schaffen und bekommen dafür staatliche Zuschüsse. Sie könnten es dabei bewenden lassen, ein paar Gebäude günstig zu vermieten, BaföG-Anträge zu bearbeiten und Mensen und Cafeterien zu betreiben. Niemand zwingt Studentenwerke zu besonderer Innovation oder herausragender ökologischer Initiative.

Studierende in Bamberg haben trotzdem Glück. Das Studentenwerk Würzburg bemüht sich mit regelmäßigen vegetarischen und veganen Gerichten in den Mensen und Cafeterien und recycelbarem Einweggeschirr, wo es nicht anders geht, um umweltfreundliches Wirtschaften.

Zu Beginn des letzten Wintersemesters überraschte das Studentenwerk wiederum mit einer bemerkenswerten, nicht selbstverständlichen Initiative. Aus ökologischen Gründen wurden Einweg-Kaffeebecher aus den Cafeterien verbannt. Stattdessen schaffte man Kunststoff-Mehrwegbecher an, die Studierende für vier Euro kaufen können. Anders als eigene Becher kann man diese sogar gegen Pfand abgeben und spülen lassen. Und anders als Keramiktassen können sie einfach mitgenommen werden. Im Gegensatz zu anderen Coffee to go-Bechern hält der Studentenwerks-Pott auch wirklich dicht. Eine sinnvolle und praktische Idee, die sicher gut angenommen wird, dachte man sich vielleicht im Studentenwerk.

Die wohlmeinenden Initiatoren haben ihre Rechnung ohne einige Vertreter der akademischen Elite dieses Landes gemacht. Manche Studierende wollten weder auf den To-Go-Kaffee in der Vorlesung verzichten, noch sich einen der Mehrweg-Becher zulegen. Statt sich einen Pappbecher zu holen, die für den unglaublichen Preis von zehn Cent immer noch erhältlich sind, hielten die findigen Sparfüchse es für eine gute Idee, einfach die Keramik-Pötte mitzunehmen und als Einweggeschirr zu missbrauchen. 3.000 Tassen kamen so im letzten Semester abhanden, blieben im Park und auf Treppen stehen, landeten teils auch einfach im Müll, berichtet das Studentenwerk. Aus Kostengründen müssen jetzt wieder die Wegwerfbecher eingeführt werden, von denen in Bamberger Cafeterien fortan also wieder 600.000 Stück pro Jahr nach wenigen Minuten Benutzung in der Tonne landen werden. Das Experiment, junge hochgebildete Erwachsene verantwortungsvoll über die eigene Müllproduktion und fremdes Eigentum entscheiden zu lassen, ist grandios gescheitert. Nun war die Aktion keine militant-ökologische Zwangsmaßnahme. Man musste sich nicht plötzlich einen 14 Euro-Bambusbecher zulegen, stattdessen gab es ihn günstig, in ordentlicher Qualität direkt vor der eigenen Nase. Man musste auch nicht ständig Platz im Rucksack für einen tropfenden Becher freihalten, dank des Spülservices. Und letztlich war niemand gezwungen vier Euro in einen Mehrwegbecher zu investieren, denn Pappbecher waren über die eher symbolische finanzielle Hürde immer noch zu haben. Dass dieses System nicht funktioniert hat, wird kaum daran liegen, dass im letzten Semester 3000 Studierende leider nur noch exakt 90 Cent auf der Karte hatten, gleichzeitig ihren Plastikbecher daheim vergessen hatten, dann einen Keramikbecher mit ins Seminar nahmen und danach ganz schnell zu einem wichtigen Vorstellungsgespräch mussten, und leider gezwungen waren, den Pott an der Bushaltestelle stehen zu lassen. Die einfachere Erklärung für das Scheitern der eigentlich durchdachten Aktion ist Ignoranz.

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