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Neues Rezept für Pasta Bologna
von Jakob Schulz | Montag, 19. Oktober 2009

Trotz Verfeinerung ist sie wohl kaum schmackhaft zu machen: die "Pasta Bologna". Foto: flickr.com//dbgg1979Die Skepsis gegenüber der Bologna-Reform verringern - Das war eines der Ziele bei der Tagung der Kultusministerkonferenz vergangenen Donnerstag.

Das Ergebnis ist aber kaum geeignet, diesem Anspruch zu genügen. Ein Kommentar.

 

Da sag noch mal einer, Demos und Streiks seien nicht mehr zeitgemäß: Bundesbildungsministerin Anette Schavan bezeichnete die Proteste als "gestrig", als im Sommer 2009 tausende deutsche Schüler und Studierende im "Bildungsstreik 2009" auf die Straße gingen, um für mehr Geld und Reformen im Bildungssystem zu demonstrieren.

Doch nun sind die lautstarken Proteste offenbar auch ins Bewusstsein der Politiker eingedrungen. Pünktlich zum Semesterbeginn an den deutschen Universitäten traf sich die Kultusministerkonferenz (KMK) in Waren. Hier berieten die Kultusminister der Länder unter anderem über die Bologna-Reform. Und weil die "Pasta Bologna" der deutschen akademischen Öffentlichkeit nicht so richtig schmeckt, soll nun nachgewürzt werden.

Alte Fehler werden wiederholt

In ihrem Abschlusspapier registrieren die Minister "eine nicht unerhebliche Skepsis hinsichtlich des Bologna-Prozesses". Einige der genannten Kritikpunkte sind die stoffliche Überfrachtung, die "Verschulung" des Studiums, der erschwerte Zugang zum Master-Studium und die Verschlechterung der nationalen und internationalen Mobilität.

Man sollte meinen, die KMK würde aus Fehlern lernen. Ein alter Fehler war, die Ausgestaltung der neuen Bachelor/Master-Studiengänge ganz den Hochschulen zu überlassen. So entstanden deutschlandweit unzählige, von einander abweichende Studiengänge. Dabei sollte die Bologna-Reform doch nicht nur den deutschen, sondern sogar den europäischen Hochschulraum vereinheitlichen!

Jetzt scheint es ganz so, als wiederholte die Politik diesen Fehler. Im neuen Bologna-Papier der KMK heißt es, die Hochschulen sollen die Bandbreite der Regelstudienzeiten nutzen. Das heißt im Klartext, dass Bachelor-Studiengänge nicht zwingend sechs, sondern auch sieben oder acht Semester dauern können. Doch wenn der Bachelor in Bamberg bald sechs, in Hamburg sieben, in Berlin acht Semester dauert, wo bleibt da die Vereinheitlichung?

Probleme bei Studiendauer und Finanzierung

Hinzu kommt, dass die Universitäten gleichzeitig die "Grundlagen und Spezialisierungen im Rahmen von Bachelor- und Masterstudiengängen" neu gestalten dürfen. So gibt die Politik den Unis erneut die Gelegenheit, ihr eigenes Bologna-Süppchen zu kochen. Da besteht gar nicht die Möglichkeit, dass die vielen Köche den Brei verderben. Schließlich kocht jeder seinen eigenen.

Auch ein weiteres Ziel des Bologna-Prozesses, die Studiendauer zu verkürzen, führt die KMK nun ad absurdum. Wenn ein Bachelor auch gern mal acht Semester dauern kann, warum gilt er dann nicht so viel wie ein Diplom, welches oft nur neun Semester Studieren voraussetzt?

Immerhin, die Bafög-Unterstützung für deutsche Studierende möchten die Minister ausbauen. Doch von Geld für die Hochschulen ist im Bologna-Papier nicht die Rede. Einerseits fordern die Kultusminister ihre Universitäten dazu auf, die Studiengänge länger zu gestalten, wollen aber andererseits die dadurch entstehenden Kosten nicht erstatten.

Man stelle sich vor, ein Restaurantbetreiber würde seine Köche dazu auffordern, in die "Pasta Bologna" hineinzurühren, was man wolle und so lange zu kochen, wie man wolle. Nur für die zusätzlichen Zutaten bezahlen, das sollen die Köche doch bitteschön selbst. Und den Gästen, also uns Studierenden, soll es dann noch schmecken. Na dann, guten Appetit.

 

Den offiziellen Beschluss der Kultusministerkonferenz findet ihr hier.

 

 

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Zuletzt geändert: Dienstag, 17. November 2009
 
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